Wo bleibt der Pfarrer? - Worte am Weg Klettgauerbote

Bild wird geladen...
Die Kirchenglocken läuten, aber der Pfarrer ist nicht da. Die Mesmerin schaut nervös zum Pfarrhaus, die Organistin sucht ein zweites Eingangsspiel.
Werner Näf,
Käme der Pfarrer, ausser Atem und die Haare durcheinander, ginge es los mit dem Gottesdienst. Sonst halt nicht. Heute ist es so.

«Kein Pfarrer» wird in naher Zukunft niemanden in der Dorfkirche mehr nervös machen. Ein paar Leute haben den Gottesdienst vorbereitet, einen Slogan übernehmend: Aus dem Dorf für das Dorf. Statt immer weniger Gottesdienste im Chläggi – weil in einzelnen Dörfern das Pfarrbüro leer steht – werden Gemeindeglieder gefördert und ausgebildet, begleitet von einer Pfarrperson aus der Nachbarschaft.

Ausnahmsweise können Gemeinden Gottesdienste erfolgreich zusammenzulegen; meist aber geht dadurch die so wichtige Gemeinschaft vor Ort verloren. Darum bleiben die meisten Reformierten daheim, wenn die Sonntagsglocken im Nachbardorf läuten – wir haben das in den letzten Jahren erfahren und gelernt.

Gemeinsam und vor Ort gestaltete Gottesdienste, wenn nötig unter Anleitung: ist das neu? In unserer Erinnerung vielleicht schon, aber nein, neu ist es nicht. Schon in den Anfängen haben sie es so gemacht und auch immer wieder in der Geschichte. Wir sind da, wo im biblischen Brief an eine ganz frühe Christengemeinde geschrieben steht: «Wenn ihr zum Gottesdienst zusammenkommt, kann jeder und jede etwas dazu beitragen: ein Lied vorsingen oder eine Lehre vortragen oder eine Offenbarung weitergeben... Aber alles muss dem Aufbau der Gemeinde dienen.»

Werner Näf, Gächlingen, publiziert im Klettgauer Boten Samstag, 03.02.2024




































Dokumente