Lehrmeister - Worte am Weg Klettgauerbote

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Männerrunde, Virus-Schuld und der zwischenzeitliche Lehrmeister
Werner Näf,
Eine Männerrunde sitzt zusammen, ein Verein irgendwo im Chläggi. «Der Virus ist eine Strafe von Gott.» Der trocken eingeworfene Satz gibt zu reden. Derweilen hat jemand aus der Pflege gepostet: «Kürzlich wurde ich gefragt, ob ich denke, dass Gott uns mit der aktuellen Pandemie etwas sagen wolle. ‘Nein’, habe ich gesagt. ‘Ich sehe die Pandemie schlicht als Folge unserer globalisierten Welt.’» Der Himmel hat leider keinen Pressesprecher, mit dem man diese Frage abschliessend klären könnte.


Sinn
Zurecht fragen wir «Warum?», denn wir sind Sinnsucher. Die Wissenschaft hat noch nicht bewiesen, dass alles einen Sinn haben muss, aber es ist definitiv einfacher, wenn einer da ist.

Die Schule steht noch
Beim eigenen Grübeln über den Virus ist mir durch den Kopf gegangen, dass es uns seit dem Krieg sehr gut gegangen ist und wir deshalb als Gesellschaft auch «meisterlos» geworden sind. Die gestrengen Lebens-Lehrmeister sind ausgewandert nach Afrika, Asien oder Südamerika. Sie heissen Ebola, Taifun, Tsunami oder Cholera. Als sie noch bei uns waren, hiessen sie Tuberkulose, Missernte oder Weltkrieg. Die Lebens-Schule selbst steht aber noch und allem nach haben wir jetzt einen Gast-Lehrmeister. Das Distanz-Lernen mit Kontinental-Abstand reicht wohl nicht - darum haben wir gerade Frontal-Unterricht. Hoffentlich nur zwischenzeitlich. Ehrlich gesagt bin ich solche Lebens-Lehrmeister auch gern los, denn im Lebens-Schulbuch des Abendlandes gibt es eigentlich genug Stoff, um sich zu bilden.

Da sagt Gott im Psalm: «Ich will dir den Weg zeigen, den du gehen sollst, ich will dich mit meinen Augen leiten.» Das dünkt mich eine einigermassen angenehme Lehrmethode. Jedenfalls, solange wir lernwillig bleiben. Der Gast-Lehrmeister darf ruhig bald von dannen ziehen.

Werner Näf, Gächlingen, publiziert im Klettgauer Boten am 17.10.2020





















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