Weint nicht, sie schläft! - Bibel einfach erklärt (SN)

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Andreas Werder (Foto: Doris Brodbeck)
Was Jesus in der Bibel sagt und tut, befindet sich oft ausserhalb des menschlichen Denkhorizonts. In einer vom Tod geprägten Welt verkörpert er das Leben. Dieses wird durch Vertrauen wirksam.
LUKAS, KAPITEL 8, VERSE 52-53
«Alle weinten und klagten um sie. Er aber sprach: Weint nicht! Sie ist nicht gestorben, sie schläft. Da lachten sie ihn aus, weil sie wussten, dass sie gestorben war.»

Entgegen aller Erfahrung behauptet Jesus, das 12-jährige Mädchen des Synagogenvorstehers Jairus sei nicht gestorben, sondern schlafe. Verblüfft von so viel Naivität macht das Weinen und Klagen am Totenbett einem ungläubigen Lachen Platz. Das Lachen wiederum wird zur Fassungslosigkeit, als Jesus das Mädchen aufweckt, wie wenn es geschlafen hätte. Auslachen und Fassungslosigkeit sind Zeichen für die menschliche Schwierigkeit, mit etwas umzugehen, das sich ausserhalb des Erfahrungshorizonts befindet.
Menschen versuchen mit Hilfe des Todes Macht auszuüben. Bei Gott gibt es keinen Tod. Bei dir ist die Quelle des Lebens, heisst es in Psalm 36. Tod, wo ist dein Sieg? fragt Paulus am Ende des ersten Korintherbriefs. Wo Gott ist, hat der Tod keine Macht und keinen Platz. Was also geschieht, wenn das Leben auf den Tod trifft? Jesus vertreibt die Römischen Besatzer nicht, weckt aber ein 12-jähriges Mädchen auf, um es seinen Eltern zurückzugeben. Er handelt aufgrund von Vertrauen. Fürchte dich nicht, glaube nur, und sie wird gerettet werden hat er Jairus zuvor gesagt. Jesus handelt, wo ihm vertraut wird.
Die Bibel lässt viele Fragen offen, macht aber Mut dazu, in schwierigen Situationen zuversichtlich zu bleiben und Gott zu vertrauen.

Andreas Werder, reformierter Pfarrer in Dorf ZH, wohnhaft in Opfertshofen SH
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