«Mitgfüel isch ka Schwächi, sondern Gröössi»

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«Die Römer sind wieder da!» – «Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan» – «Der wahre Schatz»: Dieses Spannungsfeld zwischen dem machtvoll Offensichtlichen und dem Verborgenen machte den Sonntag, 28. Juni, zu einem Erlebnis für Alt und Jung im Museum zu Allerheiligen, im Münster sowie im Kreuzgang. Und das bei herrlichstem, rekordheissem Sommerwetter.
Alfred Wüger,
«Spiel, Spass, Speis und Trank für die ganze Familie.» So lautete das Motto des Familientags «Die Römer sind wieder da!», der am Sonntag, dem 28. Juni, im Museum zu Allerheiligen und seiner Umgebung, Kreuzgang und Münsterkirche, stattfand. Und Alt und Jung strömte nur so herbei, um einen Eindruck von der Antike zu gewinnen. Es herrschte ein wimmelndes Gewusel an der Sonne und im Schatten dieses vorläufig letzten Tages einer Hitzewelle mit Temperaturen nahe bei vierzig Grad.

In der Münsterkirche wurde im Gottesdienst um 10.15 in der Predigt zum Jesuswort «Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan» von Pfarrer Roland Diethelm ein nachdenklich stimmender Kontrapunkt zur Geschäftigkeit draussen gesetzt. Es ging um die Zuwendung zu Mitmenschen, die einem nichts Materielles zurückgeben können.

Diese Haltung könnte durchaus das Leben der Bedürftigen in der Welt erleichtern. Wenn es nur nicht die vielen Sachzwänge gäbe, die einem die Zivilcourage oft nicht nur erschweren, sondern unmöglich machen!

Dieses Thema griff auch das in den Gottesdienst integrierte Stück «Der wahre Schatz» aus der Feder von Rahel Roy, Leiterin der Theaterschule Central in Neuhausen am Rheinfall, auf. Kinder der Alterstufen vor der Konfirmation stellten die Geschichte von Laurentius dar. Dieser war Diakon in Rom und starb im Jahre 258 als Märtyrer.

Nachdem Kaiser Valerian den Papst hatte ermorden lassen, wurde Laurentius gezwungen, den Kirchenschatz, den er verwaltete, herauszugeben. Laurentius indes gehorchte nicht. Er verteilte den Kirchenschatz unter den Gemeindegliedern, trommelte Bettler, Kranke, Witwen und Waisen zusammen und stellte diese dann dem Hauptmann des Kaisers vor als den «wahren Schatz der Kirche».

Das Spiel der Kinder hatte grosse und berührende Momente, zum Beispiel, als Laurentius sprach: «Auch Soldaten sind Menschen», worauf einer tatsächlich dem Schwert entsagte. Und dann, als Laurentius die Kohorte beschwor, barmherzig zu sein, mit dem Worten: «Mitgfüel isch ka Schwächi, sondern Gröössi.»

Für die Schwachen eintreten, sie stärken. Im Grunde eine allgemein-menschliche Regung. Aber wie oft geht sie vergessen! Und ohne die Quelle der Laurentius-Geschichte, das Beispiel von Jesus, dessen Existenz ja nicht zuletzt durch den jüdisch-hellenistischen Historiker Flavius Josephus sowie, spärlich, auch durch römische Quellen belegt ist, hätte es nie einen Papst und nie eine Kirche gegeben.

Mag das Münster am Sonntagmorgen während des Gottesdienstes auch nicht aus allen Nähten geplatzt sein, so waren doch die Aufführungen von «Der wahre Schatz» um 13 Uhr sowie um 15 Uhr gut besucht.

Wahrscheinlich ist es jedoch bis auf weiteres so, dass die Kenntnis der Bibel und ihrer Geschichten und Gleichnisse nicht mehr überall vorausgesetzt werden kann. Aber so lange es Menschen gibt, die sich wie Laurentius für die Schwächsten engagieren, wird es Menschen geben, die sich von diesem Beispiel aufrütteln lassen und nach den Quellen und Wurzeln des eigenen Handelns forschen.

Kirche und Welt berühren sich meist lediglich punktuell, und dies zeigt, dass der Glaube nicht notwendig ist, um Nächstenliebe zu üben und ein erfülltes Leben zu führen. Aber die Kirche und ihr Ursprung sind deswegen nicht überflüssig. Dass es sie gibt, ist ein Segen.
Der wahre Schatz
30.06.2026
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