Was uns helfen kann, das Leben zu wählen.
«Nein, nicht alles kaputt machen!» So rief ein Kind entrüstet und verzweifelt im Religions-Unterricht. Was war geschehen? Die Katechetin besprach mit den Kindern, dass Gott für uns Menschen eine wunderschöne Welt machte, einen paradiesischen Garten.
Gott sagte: «Dies ist für euch! Ihr habt alles, was Ihr braucht. Ihr habt genug zum Leben. Hebet Sorg!»
Dann lud die Katechetin die Kinder ein, mit Legematerial eine Landschaft zu gestalten. Da gab es Blumen und Bäume, Bäche und Seen und Menschen.
Masslosigkeit
Als alles fertig war, schob die Katechetin Blumen und Bäume zur Seite und legte eine Handvoll Steine dort hin. Sie sagte: «Hier unten hat es Erdöl. Wir brauchen es, um Benzin herzustellen. Wir müssen hier bohren.»
Auch an einer anderen Stelle legte die Katechetin Steine hin und sagte: «Hier hat es Gold. Wir brauchen es für Schmuck, Uhren und Handys. Wir müssen es abbauen.»
Und sie warf einen Plastiksack, eine Maske, eine PET-Flasche, eine Alufolie, eine Milchverpackung in die Landschaft. So wurde die wunderschöne Landschaft verschandelt und verwüstet.
Machtverzicht
Wir Menschen nahmen es offensichtlich nicht genug zu Herzen, dass Gott sagte: «Hebet Sorg!» So leidet die ganze Schöpfung und letztlich auch wir Menschen. Und vielleicht sagt ja Gott genauso entrüstet und verzweifelt wie das Kind im Religions-Unterricht: «Nein, nicht alles kaputt machen!»
Gott könnte uns das Recht, über seine Erde zu verfügen, wieder wegnehmen. Er könnte unsere Möglichkeiten, seine Schöpfung zu schädigen, massiv einschränken. Er könnte seine Macht so demonstrieren, dass uns gar nichts anderes übrig bleibt, als zu tun, was Er will.
Weg der Hoffnung
Doch Gott scheint einen anderen Weg zu wählen. Er scheint darauf zu hoffen, dass wir freiwillig umkehren, weil wir die negativen Folgen unseres Tuns erkennen und erleben und wegen seiner Liebe zu uns.
Darum kam Gott in Jesus als Kind in unsere Welt. Er zeigte uns, wie Leben als Mensch in seinem Sinn und Geist aussehen kann. Jesus nahm auf sich, was schief lief – in unserem Leben und in dieser Welt – trug es ans Kreuz und nahm es mit in den Tod. Durch seine Auferstehung vom Tod überwand Jesus unsere Schuld.
Neu anfangen ist möglich
Darum müssen wir uns nicht vom Vergangenen hindern lassen, sondern können neu anfangen – mit dem dreieinigen Gott, mit seiner Schöpfung, mit einander. Und wir können Gott um Hilfe, Kraft und Weisheit bitten, um so leben zu können, wie es richtig ist vor Ihm.
Im Blick auf die weltweiten Herausforderungen und Probleme meinen wir manchmal: «Ich kann sowieso nichts tun. Es nützt doch alles nichts.» Doch dies stimmt nur, wenn wir uns von solchen Einstellungen dazu verleiten lassen, wirklich nichts zu tun. Wie wir leben, hat einen grösseren Einfluss, als wir denken.
Beispiel «Plastik»
Plastik ist ein geniales Material, das man vielfältig einsetzen kann. Allerdings braucht es für seine Herstellung viel nicht erneuerbares Erdöl und dabei entstehen giftige Stoffe. Als Abfall belastet es die Natur. Wird Plastik verbrannt, trägt dies zur Erwärmung des Klimas bei.
Es geht also darum, beim Plastikverbrauch Mass zu halten und gebrauchten Plastik zu sammeln und zu recyclen. Oder eben: «Hebet Sorg!»
Kleine Schritte
Statt Brot, Käse, Früchte, Gemüse in Plastik einzupacken, kann man auch ein Bienenwachstuch verwenden. Bienenwachs hat schützende, entzündungshemmende, antibakterielle Eigenschaften und verhindert ein allzu schnelles Verderben.
Dies ist für jeden einzelnen nur ein kleiner Schritt. Aber es sind die vielen kleinen Schritte, die tatsächlich gemacht werden, die zu den grossen Veränderungen führen.
Wenn wir diese kleinen Schritte machen und so Gottes Worte «Hebet Sorg!» ernst nehmen, wählen wir das Leben – das Leben für uns, das Leben für unsere Mitmenschen, das Leben für Gottes ganze Schöpfung.
Pfr. Urs Wegmüller
Urs Wegmüller,