Nicht allein im Boot!

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Nicht allein in Sturm und Wellen! (Foto: Urs Wegmüller)
Eine Erfahrung in Sturm und Wellen – erzählt nach dem Weltbestseller.

Der Boden wankt unter ihren Füssen. Es rüttelt und schüttelt sie durch. Ein gewaltiger Sturm tobt. Die Wellen gehen hoch und schlagen ans Boot. Simon und Andreas – bestandene Fischer – kommen in Bedrängnis. Und die anderen zehn Männer im Boot erst recht. Noch vor kurzem war der See spiegelglatt und alles war ruhig.



Erschütterung

Nein, es kommt nicht bis zu uns. Doch dann ist es da – das Corona-Virus – und der Lock down auch. Läden und Schulen schliessen. Dann werden die Massnahmen gelockert, schliesslich wieder verschärft. Die Wellen der Corona-Pandemie gehen hinauf und hinunter. Alles, was sicher und klar ist – wie wir meinten – ist es plötzlich nicht mehr. Was heute als richtig gilt, kann morgen falsch sein. Der Boden wankt. Dies verunsichert und macht Angst. Es stürmt gewaltig. Unser Lebensboot wird durchgeschüttelt.

Simon und Andreas und die anderen Männer kämpfen gegen Wind und Wellen. Mit blossen Händen versuchen sie, Wasser aus dem Boot zu schöpfen. Doch das Boot füllt sich immer mehr und droht zu sinken.

Ungewissheit

Die Ansichten über die Corona-Krise und wie man damit umgehen soll, gehen auseinander – unter Wissenschaftlern, unter Politikerinnen, unter Wirtschaftsfachleuten, unter uns allen. Man weiss nicht recht, was man glauben soll. Man weiss nicht, was als nächstes kommt. Und man weiss erst recht nicht, wann dieser Spuk endlich ein Ende hat.

Belastung

Diese allgemeine Ungewissheit und die verschiedenen Einschränkungen gehen nicht spurlos an uns vorbei. Dass wir auf Distanz zu einander gehen müssen, erschwert ein gutes Miteinander und führt zu Vereinsamung. Unsere Seele und unser Geist sind belastet durch all die inneren und äusseren Herausforderungen. Unser Körper ist bedroht durch das Virus. All dies zehrt an unseren Kräften und macht uns müde. Unser Lebensboot wird zum Spielball der Corona-Stürme. Hält es stand oder droht es zu sinken?

Hilferuf

Die Angst der Männer im Boot wird immer grösser. Immer verzweifelter kämpfen sie gegen Wind und Wellen. Plötzlich kommt ihnen in den Sinn: «Wir sind ja nicht allein im Boot. Jesus ist ja auch da!» Hinten im Boot schläft er seelenruhig – trotz Sturm und Wellen. Simon und Andreas fassen sich ein Herz und rütteln Jesus wach. Verzweifelt und vorwurfsvoll sagen sie zu ihm: «Kümmert es dich nicht, dass wir unter gehen?» Und sie bitten Jesus: «Herr, rette uns!»

Schuldzuweisung

Die Corona-Krise bringt uns alle irgendwie an den Rand. Wir können uns dies eingestehen oder es verdrängen. Eine Möglichkeit es zu verdrängen, ist Sündenböcke zu suchen. Man kann Menschen die Schuld in die Schuhe schieben, aber auch Gott. «Wenn es Gott gibt, wie kann er dann all dies zulassen?!» Diese Aussage über Gott ist – oft unbewusst – ein Versuch, von der eigenen Verantwortung abzulenken und die Schuld Gott in die Schuhe zu schieben. Anders ist es, wenn wir Gott selbst fragen: «Gott, wenn es Dich gibt, wie kannst Du all dies zulassen?» Dies ist ein Gebet. So reden wir nicht über Gott – wie wir manchmal auch über einander herziehen – sondern wir reden mit Gott.

Vertrauensfrage

Simon und Andreas und die anderen Männer erleben, wie Jesus ihnen in grösster Not hilft. Jesus befiehlt dem Sturm und den Wellen: «Schweigt! Seid still!» Der Wind legt sich und der See wird ganz ruhig. Die Männer spüren, dass Gott in der Person von Jesus ganz nahe ist. Dies erfüllt sie mit Ehrfurcht und mit Respekt. Dann sagt Jesus zu ihnen: «Warum habt Ihr denn so viel Angst gehabt? Ihr könnt mir doch vertrauen!»

Auch wir können Jesus – und damit Gott – vertrauen – in den Stürmen unseres Lebens und wenn alles glatt läuft. Er ist auch da in unserem Lebensboot – wenn wir ihn mitnehmen – und lässt uns nicht allein. Auch wir können ihn bitten: «Herr, rette uns!»

Pfr. Urs Wegmüller
Urs Wegmüller,