Unter dem freien Himmel im bergenden Wald

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Zum ersten Mal lud St. Johann–Münster Väter und ihre Kinder zu einem gemeinsamen Wochenende ein. Am 15. und 16. August verbrachten sie zwei Tage an der Thurmündung – draussen in der Natur, beim Spielen und Entdecken, gemeinsamen Kochen und Übernachten unter freiem Himmel. Den Abschluss bildete am Sonntag der Familiengottesdienst im Münster, in dem Väter und Kinder gesegnet wurden und mit Öl ein Erinnerungszeichen auf einen Thur-Stein zeichneten. Zwei Tage mit viel Zeit füreinander – und mit Erlebnissen, die über das Wochenende hinausreichen. Ein Teilnehmer berichtet.


Roland Diethelm,
Wenn Väter mit Kindern im Wald übernachten
Vom Samstag, dem 15., auf den Sonntag, den 16. August 2026 fand bei Ellikon an der Thur das erste von Pfarrer Roland Diethelm und Männercoach Markus Ehrat organisierte «Abenteuer für Väter und ihre Kinder» statt. Der Zweck: Gemeinschaft erleben, Freundschaften pflegen und eine besondere Zeit miteinander verbringen. «Feuer, Wald und Freundschaft» hiess es auf der Einladung.

Ein Freund machte mich darauf aufmerksam, und gemeinsam beschlossen wir, mit unseren Söhnen dabeizusein.

Als Erstes kam die Kennenlernphase, potenzielle Teilnehmer trafen sich im Pfarrhaus am Münsterplatz. Bei ein paar Häppchen und einem Glas Wein tauschten wir uns aus, für alle war ein solches Wochenende Neuland, Coach Ehrat stimmte uns ein. Dass es dabei ohne einen Hauch Esoterik zugegangen wäre, kann ich nicht sagen, aber irgendwie war die aufsteigende skeptische Ironie machtlos, kurz: Die Gruppe beschloss, sich ein zweites Mal zu treffen und Details zu besprechen.

Die Überraschung war gross, als andere Männer erschienen als beim ersten Mal. Nun, einige waren offenbar abgesprungen, egal, die Planung ging weiter, und als wir uns dann schliesslich am 15. August auf dem Parkplatz bei der Thurbrücke trafen, war die Minderheit derer, die erschienen, bei den Vorbereitungen dabei gewesen. Wieder waren Neue dazugestossen.

Markus Ehrat gruppierte uns um einen riesigen Steinblock zum Singen. Das Lied, das den meisten aus der Schulzeit bekannt schien, hörte ich zum ersten Mal. Wir standen da im Kreis und sangen, hielten uns sogar bei den Händen. Ein Einstieg, den wohl die wenigsten so gewählt hätten.

Wir wanderten nach Ellikon. Die Kinder wollten dort im Restaurant verpflegt werden. Das war offenbar so nicht vorgesehen gewesen, aber es wurde eine gemütliche, fröhliche Runde, bevor man in den Rhein stieg und zum Thurspitz hinunter schwamm.

Das Mittagessen wurde vorbereitet, man ass, das Bad hatte die Teilnehmenden nicht nur erfrischt, sondern auch emotional einander nähergebracht, Gespräche entspannen sich und setzten sich fort auf dem kurzen Marsch zur Thurbrücke.

Hier war der Programmpunkt «schöne Steine sammeln und das Wasser geniessen». Die Thur war ein Rinnsal, Kies bis in die Mitte. Nun ja, Steine sind am schönsten, wenn sie nass sind, und natürlich wurden wir fündig, und die Kinder bauten sich eine Kuhle, in der Wasser sich sammelte, planschten, und wir Erwachsenen staunten über das, was der ausgesprochen heisse und trockene Sommer imstande war, mit den Fliessgewässern in unserer Gegend anzustellen.

Als der Samstag zu Ende ging, befanden wir uns oben bei der Rütenenhütte im Marthaler Wald. Klar war: Feuer durfte keines gemacht werden wegen der Waldbrandgefahr. Ein archaisches Element des Wochenendes musste folglich wegfallen, und es war deutlich zu spüren, dass der Verzicht auf das Sitzen am und ums Feuer herum die Väter härter ankam als die Kinder.

Das Rüsten von Gemüse, die Essensvorbereitung wurde ein Gemeinschaftswerk, sehr schön, Roland Diethelm und der Schreibende fuhren an Thur, um einen grossen Stein zu suchen, der am Sonntag dann im Münster die Erinnerung wecken sollte an Jakob, der seinen Kopf daraufgelegt hatte, ehe er in den Schlaf fiel, während dessen er von der Himmelsleiter träumte.

Wir assen im Schein von Teelichtern, tranken etwas Wein und zogen uns dann auf unsere Matten, die wir zwischen den Bäumen ins dürre Laub gelegt hatten, zurück.

Nachts um drei war ich wach. Stille. Es war noch immer warm. Ein Geräusch! Ein Tier irgendwo in der Nähe. Wieder Ruhe. Gegen vier Uhr wurde es kühl. Ich setzte mich in die Hütte, lehnte mich an die Wand. Nicht müde. Der Welt zuhören. Sie schweigt. Auch im Innern Ruhe. Hinaustreten in die Nacht. Und dann legte ich mich hin und schlief ein Stündchen.

Markus Ehrat hatte verdienstvollerweise bereits Kaffee aufgebrüht. Die Lebensgeister kommen, ein paar Bissen essen, und dann wurde die Schläfrigkeit endgültig vertrieben durch die Betriebsamkeit, die erforderlich wurde, wenn man rechtzeitig im Gottesdienst im Münster sein wollte.

Dort lag er dann, der Stein aus dem Bett der Thur, Roland Diethelm und Markus Ehrat, die beiden Pfarrpersonen, hatten ihn sogar gesalbt, eingeölt, er glänzte ein wenig.

Der Glanz indes, den dieses Wochenende bei den Teilnehmenden zurückliess, ist wohl bei den meisten noch immer zu spüren. Einige von uns trafen uns zu einer Nachbesprechung. Das Gespräch wurde weit mehr als ein nüchternes Durchgehen des Erlebten. Das Wochenende hatte uns berührt, wir tauschten uns in einer Offenheit aus, die uns alle am Tisch überraschte. Offenbar hatten wir etwas Einzigartiges, Unerwartetes erlebt, dort im Wald, und erlebten es hier und jetzt noch einmal neu.

Würden wir es wiederum tun? Ja, wenn man Dinge und die schönen Momente im Leben wiederholen könnte. Aber das können wir nicht. Nichts kehrt wieder, alles ist flüchtig, vergänglich, nicht festzuhalten.

Es ist schön, dabei gewesen zu sein, und mein Dank geht an dieser Stelle und in dieser Form an alle, die zum Gelingen beigetragen haben, nicht zuletzt Markus Ehrat, der es als Coach nicht nur einfach hatte mit uns kleinen und grossen Kindern, und Roland Diethelm.

Es war ein Pilotprojekt. Gut möglich also, dass sich auch anderen Vätern und Kindern ein solches Wochenende eröffnet.

Alfred Wüger
Väter-Kinder-Weekend August 2026
03.10.2026
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