Erster ökumenischer Kreuzweg

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Am Karfreitag versammelten sich in Schaffhausen zwischen 150 und 200 Menschen zum ökumenischen Kreuzweg. Frauen und Männer, Jugendliche und Kinder, Menschen aus verschiedenen Kirchen und Traditionen machten sich gemeinsam auf den Weg – vom Münster zu Allerheiligen durch die Stadt bis nach St. Konrad.
Roland Diethelm,
Am Anfang warteten die Menschen erwartungsvoll im Münster. In der Stille des Mittags trat das schlichte Holzkreuz in die Mitte – ein Kreuz aus Schaffhauser Holz, gezeichnet von der Zeit. Noch war alles gesammelt, beinahe zurückgenommen.

Doch bald geschah der Schritt vom Anschauen zum Dabeisein. Einzelne traten hervor, verweilten, näherten sich. Das Kreuz wurde zum Ort der Begegnung. Was zunächst einfach dastand, begann zu sprechen – durch das, was Menschen an es herantrugen: Gedanken, Erfahrungen, unausgesprochene Lasten.

Der Weg führte hinaus in die Stadt. Auf dem Herrenacker, am Fronwagplatz und vor dem Stadthaus hielt der Zug inne. Nach dem Aufstieg zum Rosengarten beim Munot hielt der Zug ein letztes Mal inne. Durch das sonnige Quartier Emmersberg zog die Gemeinschaft weiter – und zog dabei viele interessierte, teils auch nachdenkliche Blicke auf sich. Das Kreuz wurde getragen – nahbar, greifbar und Orientierungszeichen für den Zug.

Zugleich wurde jede Station von Menschen aus den verschiedenen Kirchen und Konfessionen gestaltet. So wurde die Buntheit christlichen Lebens nicht nur sichtbar, sondern hörbar und erfahrbar – in Stimmen, Gebeten und Ausdrucksformen, die sich ergänzten und gemeinsam trugen.

An jeder Station wurde ein Votum aus einem gegenwärtigen Leidensweg hörbar:
aus der Palliativmedizin, aus den Erfahrungen eritreischer und syrischer Migrantinnen und Migranten, aus dem Erleben von Ukrainerinnen aus Krieg und Flucht, aus der Schaffhauser Selbsthilfegruppe zu Betroffenen fürsorgerischer Zwangsmassnahmen.

So verband sich der Weg Jesu mit den Wegen von Menschen heute. Nicht abstrakt, sondern konkret, mit Namen, Stimmen und Geschichten. Eindrücklich waren auch die Beiträge junger Menschen – klar, unmittelbar und von einer Ernsthaftigkeit, die viele bewegte.

So wurde sichtbar, worum es an diesem Tag ging: Der Leidensweg Jesu bleibt nicht Vergangenheit. Er berührt die Gegenwart – und öffnet einen Raum, in dem Versöhnung aufscheint. Nicht als fertige Antwort, sondern als Schritt, der gewagt werden kann.

Die grosse Beteiligung und die vielen positiven Rückmeldungen zeigen: Dieser Kreuzweg hat Menschen angesprochen – in der Buntheit der Konfessionen und Prägungen. Unterschiedliche Stimmen, unterschiedliche Formen – und doch eine gemeinsame Bewegung.

Am Ende sammelte sich alles in St. Konrad. Dort verdichteten sich die Eindrücke noch einmal – im Hören, im Gebet, in der gemeinsamen Stille. In einem ergreifenden Ritual wurden die Rosen ans Kreuz gebracht.

Was zuvor vielleicht nur tastend, zögernd oder innerlich bewegt worden war, fand hier seinen Ort. Die Rosen lagen nicht mehr nur davor – sie wurden Teil des Kreuzes: Die Planke des Schiffbruchs dieser Welt zum Lebensbaum unserer Hoffnung .

Darin lag eine stille Verwandlung: Was Menschen mit sich tragen – Schmerz und Hoffnung, Klage und Vertrauen – bleibt nicht neben dem Kreuz stehen. Es wird hineingenommen.

So erzählt dieser Kreuzweg eine Bewegung: vom Dastehen zum Dabeisein, vom Mitgehen zum Verwandeltwerden. Das Kreuz stand im Raum. Menschen traten hinzu. Und am Ende ging niemand unverändert weiter.

So bleibt dieser Kreuzweg mehr als ein einmaliges Ereignis. Er ist eine Spur: durch die Stadt, durch die Gemeinschaft der Kirchen – und durch die Herzen der Menschen, die ihn mitgegangen sind.

Ein herzlicher Dank gilt allen, die diesen Weg vorbereitet und mitgestaltet haben – und allen, die ihn mitgegangen sind.
Kreuzweg 2026
04.04.2026
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