Glaube mit Herz und Verstand - Bibel einfach erklärt (SN)

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Signer_Stephanie (1) (Foto: Stephanie Signer)
Leben besteht manchmal aus radikalen Veränderungen oder zähem Durchhaltevermögen. Für beides braucht es ein offenes Herz, einen frischen Geist und die Ausrichtung auf ein Ziel.
EZECHIEL, KAPITEL 36, VERS 26:
«Und ich werde euch ein neues Herz geben und in euer Inneres lege ich einen neuen Geist.»

Im Buch Ezechiel verspricht Gott dem Propheten ein neues Herz und einen neuen Geist. Ein schönes Versprechen. Es ist ein hoffnungsvoller Vers inmitten eines Textes, der in der Bibelforschung als Traumaliteratur gilt. Hier werden Kriegsgräuel verarbeitet. Vor dem Hintergrund des aktuellen Nahostkriegs ist dieser alttestamentliche Text für mich doppelt schwer. Aber dieser Satz, diese göttliche Verheissung darin, ist einfach wunderbar. Ich muss dabei immer an Antoine de Saint Exupéry denken, der schrieb: "Man sieht nur mit dem Herzen gut."

Es ist wichtig zu wissen, dass in der alttestamentlichen Vorstellung im Herzen der Sitz der Vernunft und der Urteilsfähigkeit angenommen wurde. Anders als in der griechischen Philosophie, die den Kopf als wichtigstes Körperteil erachtet, denkt der biblische Mensch mit dem Herzen. Es definiert die Persönlichkeit und ist zugleich der Ort der Gotteserkenntnis und -begegnung. Gott verspricht mit diesem Vers einen Neuanfang. Interessanterweise ist ja diese Betrachtung nicht weit von der modernen Medizin entfernt, die erkannt hat, wie sehr Herzgesundheit und Emotionen zusammenhängen.

Bei vielen unseren Neuanfängen im Leben müssen wir uns tatsächlich ein Herz fassen. Ebenfalls müssen wir für wirkliche Veränderungen unser Denken ändern: wir brauchen einen neuen Geist. Alles Neue und Aufregende in den äusseren Lebensvollzügen wird zur Illusion, wenn im Inneren des Menschen alles gleich bleibt. Traumata wiederholen sich, gleiche Themen werden angezogen. Same same but different!

Nachhaltige Lebenswenden hingegen beginnen im Inneren. Und für mich als Christin beginnen sie mit Gott. Ein neues Herz und ein neuer Geist synchronisieren mich alsdann mit den Dingen, die für mich anstehen. Die innere Ausrichtung zieht die äusseren Umstände an.
Aber wie man diese Kraft für sich auch immer benennt: ich wünsche uns allen, dass wir dem hoffnungsvollen Versprechen eines neuen Herzens und eines neuen Geistes stets Glauben schenken können.

Stephanie Lemke Signer, Vikarin Kirchgemeinde Buchberg-Rüdlingen,
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Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
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