Wie sollen wir beten? - Bibel einfach erklärt

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Nyree Heckmann (Foto: SN Bibelkolumne)
Wer betet, tritt ein in einen Gesprächsraum. Mit Gott.
Wer betet, öffnet sich für andere Möglichkeiten. Der Zukunft.
Wer betet, wird sich seiner selbst bewusst. In der Gegenwart.
Wer betet, lässt sich in die Verantwortung nehmen. Mitzugestalten.
Nyree Heckmann,
MATTHÄUS, KAPITEL 6, VERS 10 / LUKAS, KAPITEL 11, VERS 2
«Dein Reich komme.»

WIE SOLLEN WIR BETEN-
EINE ANLEITUNG ZUM MIT-GESTALTEN

An jedem Sonntag beten wir es gemeinsam, das «Unser Vater». Ein Teil dieses doch weithin bekannten Gebetes stammt aus der Bibel. Nachzulesen entweder im Matthäusevangelium oder im Lukasevangelium. Der etwas unterschiedliche Kontext ist interessant. In beiden Evangelien aber ist der Ruf nach dem Gottesreich enthalten. Wöchentlich ertönt er auch in unseren Kirchen.

Warum aber rufen wir nach dem Reich Gottes?
In der Krise verfestigt sich der Gedanke, dass vieles kaputtgeht: dass die Wirtschaft einbricht, die Gesellschaft Schaden nimmt und Menschen psychisch abrutschen. In der Krise wird auch der Ruf nach einfachen Lösungen laut. Das ist verständlich. Denn das ständige Hin- und Her macht müde und unsicher. Was gestern noch Standard war, gilt heute nicht mehr. Sich immer wieder neu einzustellen und umzustellen, verlangt uns einiges ab. Und: Wir machen uns Sorgen um die Zukunft; um eine Zukunft, die für uns im Dunkeln liegt. Auch wenn sie das tut, sind wir nicht ganz unbeteiligt daran, wie sie werden könnte: Wenn ich davon überzeugt bin, dass alles den Bach runtergeht, dann sieht es tatsächlich düster aus am Horizont. Deswegen: DEIN REICH KOMME! Mit dieser Bitte rufen wir sozusagen einen neuen Horizont auf. Denn in Jesus Christus ist das Gottesreich ja schon angebrochen und damit eine gute Zukunft. Wie das allerdings geschieht, kann man nicht beobachten - so lernen wir im Lukasevangelium. Lukas macht deutlich: das Gottesreich ist schon «mitten unter euch». (Lukas 17,20f.) Es scheint schon ein wenig auf, aber so ganz greifen können wir es noch nicht. Mit Jesus Christus hat die neue menschlichere Welt schon angefangen. Aber, etwas salopp gesagt: Wir haben es noch nicht ganz kapiert. Wenn wir also bitten „Dein Reich komme“, dann bedeutet das nicht: Wir warten mal ab, was Gott macht. Wenn wir bitten «Dein Reich komme», dann bitten wir darum, dass sich unser Horizont erweitert. Dass wir immer ein bisschen mehr erkennen, ein bisschen mehr begreifen, ein bisschen mehr so leben, wie Jesus es uns vorgelebt hat. Das bedeutet: Wir stehen unserer Zukunft nicht neutral gegenüber. Wir sind aufgefordert, uns einzubringen mit den je uns eigenen Gaben und Fähigkeit. Die Zukunft? Wir planen und gestalten sie mit.

Nyree Heckmann, reformierte Pfarrerin Steigkirche Schaffhausen,

Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
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