Bibel einfach erklärt (SN): Wer radikal lebt, hat etwas zu sagen!

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Gelegentlich tut es mir gut, mich an meinen persönlichen Auftrag, meine Sendung zu erinnern. Herausragende Menschen mit einer bisweilen radikalen Botschaft rütteln mich wach. Sie fordern uns zum Nachdenken heraus: Was ist unsere Sendung als Christen in der heutigen Zeit? Darüber würde ich gerne ins Gespräch kommen.
Klaus Gross,
MATTHÄUS, KAPITEL 10, VERSE 7 BIS 10:

«Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: … Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel! Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert.»

Menschen wie Franz von Assisi, der Schaffhauser Reformator Johann Conrad Ulmer, die aus dem Kloster entwichene Katharina von Bora, die wohltätige Klosterfrau Lea Ackermann, ich finde sie inspirierend. Menschen mit einer starken Sendung können uns Impulse für unser Leben geben.

In der sogenannten Aussendungsrede ruft Jesus seine Zwölf Jünger zu sich, gibt ihnen die Vollmacht, unreine Geister auszutreiben und Krankheiten zu heilen. Damit sollen sie zeigen, daß das Himmelreich nahe ist. Er gibt ihnen auch die verschiedensten Anweisungen mit auf den Weg, angefangen von dem, was sie (nicht) mitnehmen sollen bis hin zu Verhaltensregeln und Warnungen. Diese Worte Jesu erscheinen radikal und hart im Vergleich zu vielen seiner anderen Aussagen.

Matthäus bedient sich einer Vorlage, der sogenannten «Logienquelle». Diese Vorlage wird so genannt, weil sie hauptsächlich "Logien", d.h. Worte Jesus beinhaltet haben muß. Bei der Rekonstruktion der Logienquelle stößt man auf sehr alte Texte, die in ihrer Radikalität fast erschrecken, wenn man sie für sich betrachtet.

Wer waren dann diese Menschen? Viele Bibelwissenschaftler, gehen davon aus, daß es Wanderprediger gegeben hat, die ganz radikal das Leben Jesu nachvollziehen wollten. Aus der Motivation heraus, daß das Himmelreich nahe bevorstünde, ließen sie alles zurück, wanderten herum und predigten wie Jesus. In völliger Besitzlosigkeit, ohne Familie, ohne jede Sicherheit, fühlten sie sich gesandt, Menschen zur Umkehr zu rufen.

Matthäus mildert die ursprüngliche Radikalität, doch in der Kirchengeschichte gab es immer auch «radikale», an die Wurzel gehende Strömungen. Manchmal ist es hilfreich, durch solche wachgerüttelt zu werden und sich seiner Sendung und Auftrages zu erinnern.

Klaus Gross, christkatholischer Pfarrer in Schaffhausen



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