Kantonaler Frauengottesdienst "Eros in der Kirche?!?"

Bild wird geladen...
An diesem Abend ging es um das Thema Lust und Erotik, das in der Neunkircher Bergkirche bisher wohl auf diese Weise noch nie zur Sprache kam.
Eva Baumgardt,
Die drei Frauen, die durch den Gottesdienst führten, fragten sich: Warum ist die Kirche ein erotik-freier Raum? Mit der biblischen Tradition kann es eigentlich nichts zu tun haben!
Denn es gäbe da einiges zu entdecken, z.B. im Alten Testament:

Wenn zwei sich "erkennen", sich also auf Augenhöhe begegnen und mit allen Sinnen begreifen, wer die oder der andere ist, dann ist die Frau hinterher meistens schwanger. So schon ganz am Anfang bei Adam und Eva.
Also bedeutet das hebräische Wort "jda" auch, Sex mit jemandem zu haben!
Eine sehr schöne Bedeutungskombination, wie wir finden.

Ausserdem gehört zum Alten Testament ein kleines Bändchen mit Liebesgedichten, in denen eine Frau und ein Mann sich heftig nach dem Körper des anderen sehnen, in wunderbar poetischen Bildern. Das "Hohe Lied" ist ein Juwel unter den Bibelbüchern, denn Lust von Mann und Frau wird für beide gleich intensiv beschrieben.

Im Neuen Testament ist der Befund etwas anders. Das griechische Wort "Eros" für Verlangen nach dem Körper eines anderen, kommt da gar nicht vor. Die ersten Christen waren eben keine Fans vom griechischen Gott gleichen Namens, sondern versuchten das Konzept "Liebe" umzudeuten:
Weg vom Haben-und besitzen-wollen, um seelische Löcher zu stopfen, hin zum Verschenken von Fürsorge und Solidarität, hin zum Erkennen der gegenseitigen Bedürfnisse.
Wie schön, wenn wir uns einmal gegenseitig "erkennen" werden, wie Gott es mit uns jetzt schon tut!
Paulus hat das im 13. Kapitel des Korintherbriefs in seiner Hymne an die Liebe beschrieben.

Nach diesem Blick in die Bibel ging es um unseren eigenen Umgang mit dem Thema.
Auf einem Tisch lagen verschiedene Gegenstände, die mit einem guten Körpergefühl zu tun haben, jedeR konnte sich etwas davon aussuchen und überlegen:
Was wünsche ich mir? Wonach sehne ich mich? Worauf wäre ich neugierig? Was tut mir gut?

Oft fehlen uns dafür die Worte. Denn das Thema ist gerade für viele Frauen immer noch mit Scham verbunden und auch mit negativen Erfahrungen.
Wir wünschten uns einen guten Ort dafür, um neue Wörter für Lust und Leidenschaft zu lernen, ohne dass es dabei um Leistungssport und Machtspielchen geht.
Vielleicht wäre die Kirche trotz - oder auch wegen - aller Diskussion um Missbrauchsskandale der richtige Ort dafür?

Beim ausgezeichneten Apéro draussen ging das lebhafte Gespräch weiter, und die meisten waren sich einig, dass es zu dem Thema dringend eine Fortsetzungsveranstaltung braucht!

Eva Baumgardt, Franziska Bevilacqua und Ruut Vihma-Crippa führten durch den Gottesdienst.
Dir FrauenChorFrauen unter der Leitung von Vreni Winzeler hatten bewegende Liebeslieder mitgebracht und Monique Baumann spielte einfühlsam Piano dazu.

Danke an alle Mitwirkenden und alle, die sich auf das ungewohnte Thema eingelassen haben!