Unterschiede nicht vergessen

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Duo World Arts von Mission 21 (Foto: Doris Brodbeck)
Der Gottesdienst in der Stadtkirche St. Johann in Schaffhausen zum Einstieg in die Aktionswoche gegen Rassismus bot tiefgehende Impulse und ermutigende Klänge. Er wurde gestaltet von Pfarrerin Ute Nürnberg und Organist Andreas Jud. Dazu kam das Duo World Arts von Mission 21 mit Studienleiterin Alexandra Flury-Schölch und Sängerin Afi Sika Kuzeawu.
Als Einstieg ins Thema wies Pfarrerin Ute Nürnberg darauf hin, dass das Thema Anti-Rassismus auffordert, rassistische Grenzziehungen und Abwertungen im Alltag überhaupt wahrzunehmen und wo wir sie entdecken, auch dagegen vorzugehen. Christliche Nächstenliebe und der Wert der Menschenwürde sollten hier der Kompass sein. Erst in der Begegnung und dem Hinhören und Hinsehen könne man merken, wie es Menschen anderer Hautfarbe, Kultur, Sprache oder Herkunft in unserer Gesellschaft und auch in den Kirchen ergeht. Es sei ein Lernweg, sich auf ein fremdes Gegenüber einzulassen, seine Erfahrungen wahrzunehmen, zu sehen, was sie bewegt, was sie auch erleiden. Die Begegnungen bringen einen dazu, das eigene Verhalten zu überprüfen. Erst durch Begegnungen kann uns deutlich werden, welche Vorurteile hineinspielen und wo vielleicht eigene «blinde Flecken» sind. Der Gottesdienst ermutigte also dazu, sich auf Unbekanntes und auf andere Sichtweisen einzulassen.

Duo World Arts von Mission 21
Dazwischen entführte einen das Duo World Arts von Mission 21 in Basel in durchaus unbekannte Welten. Studienleiterin Alexandra Flury-Schölch zitierte Ausschnitte aus bewegenden Gedichten der 2014 verstorbenen afroamerikanischen Poetin Maya Angelou. Einleitend teilte sie eine im ersten Moment befremdende Bemerkung einer deutschen Frau von schwarzer Hautfarbe, die ihr nahelegt hatte, im Zusammensein mit ihren schwarzen Freunden und Arbeitskolleginnen nie zu vergessen, dass diese schwarz seien. Dann verstand sie aber, dass es um dorthin zu gelangen, dass die Hautfarbe keine Rolle mehr spielt, zuerst wichtig ist, sich der rassistischen Strukturen klar bewusst zu werden. Dadurch verstehe man auch die Rassismuserfahrungen anders und tiefer, wie sie in der Kunst zum Ausdruck kommen.

Sanft und bezaubernd
Schliesslich entführte einen die Sängerin Afi Sika Kuzeawu mit ihrer sanften und bezaubernden Stimmakrobatik auch ohne Sprache in ihre Welt. Eines ihrer selbst komponierten, poetischen Lieder erzählt davon, nicht dazu zu gehören. Es drückt Verzweiflung aus und entdeckt im Gesang neu erwachendes Leben. Sie sang in Französisch und in der togolesischen Sprache Ewe, aber ihr stimmlicher Ausdruck war unabhängig davon eine Sprache, die zu Herzen ging.

Grenzen aufbrechen
In ihrer Predigt ging Ute Nürnberg dann auf die sperrige Geschichte von der Begegnung von Jesus mit der fremdländischen Frau aus Syrophönizien ein, die zuvor die Lektorin Marlise Muralt vorgetragen hatte. Eine Begegnung, in die soziale Grenzziehungen durch Religion, Volkszugehörigkeit, sozialer Status und Beleidigungen hineinspielen. Einsicht und Gottvertrauen vermögen jedoch diese zu überwinden und zu eng gezogene Grenzen aufzubrechen.

Anschliessend an den Gottesdienst, bei dem man auch schöne Lieder hatte mitsingen können, gab es einen Kirchenkaffee und die Gelegenheit, miteinander auszutauschen.

PS: Das Album «Nubu» der Sängerin Afi Sika Kuzeawu ist auch auf Apple Music und Spotify zu hören: » https://unitrecords.com/artists/afi-sika-kuzeawu/
2026-03-22 St. Johann Aktionswoche gegen Rassismus
23.03.2026
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