Doris Brodbeck

Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter – Bibel einfach erklärt

Matthias Koch (Foto: SN Bibelkolumne)

Matthias Koch (Foto: SN Bibelkolumne)

Negative Stimmen gibt es immer. Wer sich zu sehr damit beschäftigt, verliert sich. Jesus ermutigte seine Leute, es abzuschütteln – wie Staub von den Füssen. Ein Rat, der auch mir guttut.
LUKAS, KAPITEL 9, VERS 5:
«Wenn man euch nicht aufnimmt, dann geht fort aus dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füssen.»
(Bibel in gerechter Sprache)

Erklärung (persönlich):

Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter. Ich stelle mir das Sprichwort ganz bildlich vor. Eine mit Gütern beladene Karawane zieht an einem Wüstenort vorüber. Ihr Ziel ist eine ferne Stadt. Als erstes bemerken die Hunde die Karawane. Sie bellen misstrauisch. Dann folgen die Kinder und versuchen neugierig einen Blick von den kostbaren Waren zu erhaschen. Später treten Frauen und Männer hinzu, einige mit der Absicht einen Handel abzuschliessen. Dann zieht die Karawane weiter, die Hunde bellen ihr hinterher.
Bellende Hunde gibt es überall. Es gibt immer negative Stimmen, die einen verunsichern oder sogar ablehnen. Die zentrale Frage dabei ist, welchen Raum ich diesen gebe.
Eine Karawane, die beim ersten Bellen kehrtmacht, kommt nie ans Ziel. Auch hat jene Mühe, die um jede Ortschaft einen Bogen macht, um dem Gebell auszuweichen. Genauso wenig sollte sich die Karawane zu lange mit dem Gebell beschäftigen und um jeden Preis versuchen, die Hunde zu beruhigen. Da verliert sie zu viel Zeit und dabei vielleicht auch ihr eigentliches Ziel.
Das wusste auch Jesus. Als er seine Jünger aussandte, um das Evangelium zu verkünden, war ihm klar, dass sie auch auf Ablehnung stossen werden. Er ermutigte sie, sich daran nicht die Zähne auszubeissen: Wenn man euch nicht aufnimmt, dann geht fort aus dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füssen. Die Jünger dürfen loslassen und das Negative abschütteln. Sie sind nicht gebunden. Es soll sie nicht belasten und von ihrem Ziel abhalten.
Das Abschütteln des Staubs lädt mich ein, dem Negativen mit dem erforderlichen Respekt zu begegnen, sich darin aber nicht zu verlieren. Darin steckt nicht das Wesentliche. Das Ziel ist ein anderes. Wer sich zu sehr mit dem Gebell anderer beschäftigt, vergisst schnell das eigene Weitergehen.
Der Gedanke vom Abschütteln des Staubs ermutigt mich. Er tut gut, wenn mich Negatives stark in Beschlag nimmt. Wie die Jünger darf ich es abschütteln, ich bin nicht daran gebunden. Das Abschütteln kann man auch am eigenen Körper ausprobieren, er reagiert darauf und lockert so auch die Gedanken. Dann kommt Schritt für Schritt die Karawane wieder in Gang und befreit gehe ich meinen Weg weiter.

Mathias Koch, reformierter Pfarrer in Neuhausen am Rheinfall, Gefängnisseelsorger


Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
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Bereitgestellt: 19.11.2022      
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