Doris Brodbeck

Eine schwierige Geburt - Bibel einfach erklärt

Joachim Finger (Foto: SN Bibelkolumne)

Joachim Finger (Foto: SN Bibelkolumne)

Wenn Gott bei uns Menschen ankommen will, dann ist das mit Wehen verbunden. Denn unser Herz ist oft eng. Und dann wird er manchmal überbehütet und findet oft keinen Platz.
LUKAS, KAPITEL 2, VERS 7:
«… und sie brachte ihren ersten Sohn zur Welt ….»

Was da so mit kurzen Worten ausgesagt wird (deutsch acht, griechisch sieben, aramäisch drei Worte) enthält eine ganze Geschichte, die bis in die Gegenwart reicht.

Die knappen Bibeltexte sind ohnehin nicht Lektüre für das Sofa oder den Nachttisch gedacht. Damals hatten ja nur wenige Menschen ein Bücherregel daheim. Man traf sich und jemand las vor, kommentierte und erzählte und konnte dabei manches als bekannt voraussetzen.

So erzählen die wenigen schriftlichen Worte eigentlich, wie mühsam es für Gott ist, wirklich nahe zu den Menschen zu kommen und dort zu wirken. Nur unter Schmerzen und auf engen Wegen kommt er bei uns an. Es ist entgegen allen verklärenden Legenden um Maria eine schmerzhafte, mehr oder weniger blutige und sehr anstrengende Geschichte. Und sie dauert noch an.

Denn mit der Ankunft Gottes in der Welt klappt es noch längst nicht überall. Die beteiligten Menschen sind erschöpft, die Geburt ist an manchen Orten ins Stocken geraten und die Hebammen wissen zum Teil nicht recht, wie es weitergehen soll. Und da, wo die Geburt doch schon geschehen ist, da kommt dann das Wickeln. Gott kommt in die Welt, aber es ist nicht gerade aufgeräumt und sauber. In die Welt kommen, heisst mit Schmutz in Berührung kommen, der manches verkrusten kann. Und dunkel und kühl ist es noch dazu.

Damals wickelte man Kinder ziemlich fest ein: Der kleine Gott kann sich fast nicht bewegen, hoffentlich bekommt er genug Luft! Und wickeln manche Menschen nicht auch heute noch ihren Gott zu fest ein? In guter Absicht natürlich, er soll ja rein bleiben und vor der kühlen Nacht der Welt geschützt werden.

Ob er dann allgemein an einem Futterplatz oder genauer in einem Futtertrog Platz findet, sagt der Originaltext nicht. Tatsache ist, dass Gottes Da-Sein nicht so recht Raum bekommt – ist ja typisch für uns Menschen. Ob die weihnachtliche Erinnerung daran etwas ändert?

Joachim Finger, reformierter Pfarrer im Ruhestand, Löhningen
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Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
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Bereitgestellt: 06.01.2023      
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