Erich Bryner zum 80. Geburtstag

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Prof. Erich Bryner (Foto: Doris Brodbeck)
Der Schaffhauser Kirchenhistoriker und Pfarrer Erich Bryner darf am 2. Januar in Buchthalen, wo er mit seiner Frau lebt, seinen 80. Geburtstag feiern. Er war Pfarrer in Dörflingen und Institutsleiter von G2W «Religion und Glauben in Ost und West». Der Kirchenrat gratuliert ihm herzlich.
Doris Brodbeck,
Bereits während seinem Theologiestudium in Zürich interessierte sich Erich Bryner für die russisch-orthodoxe Kirche und studierte in seinem Zweitstudium neben Geschichte und Kirchengeschichte auch russische Sprache und Literatur. Obwohl er bereits 1968 für das Pfarramt ordiniert worden war, trat er zunächst 1972 die Stelle des wissenschaftlichen Assistenten in Erlangen an, weil man dort für das Ostkircheninstitut einen Theologen mit Russischkenntnissen brauchte. Er war Mitarbeiter an einem Quellenband zur russisch-orthodoxen Kirchengeschichte und habilitierte sich in diesem Forschungsbereich. Ebenfalls 1972 wurde in Graubünden das ökumenische Institut G2W «Religion und Glauben in Ost und West» gegründet, dessen stellvertretender Leiter er dann 1989 wurde. Doch vorher wirkte er von 1979 bis 1989 als Pfarrer in Dörflingen und sammelte dort praktische Erfahrungen in einer Kirchgemeinde. Daneben hielt er als Privatdozent und später als Titularprofessor Vorlesungen an der Universität Zürich zur Kirchengeschichte mit dem Schwerpunkt Osteuropa.

Ab 1991 bis zum Ruhestand 2005 leitete er das Institut G2W als Nachfolger des Gründers Eugen Voss. Er wirkte schon früher in Gremien der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz mit und begleitete dort die Gespräche mit den Orthodoxen Kirchen. Er arbeitete mit dem bekannten Ökumeniker Lukas Vischer zusammen und engagierte sich bei Gesprächen zwischen den orthodoxen und den protestantischen Kirchen. Als Leiter des ökumenischen Instituts G2W, das im kommenden Jahr sein 50 Jahrjubiläum feiert, besuchte er auch oft Kirchgemeinden und hielt Vorträge über die Ostkirchen. G2W engagierte sich auch praktisch: mit christlichen Büchern, die nach Russland geliefert wurden, aber auch mit Gefangenenhilfe und Sozialhilfe. Noch heute werden soziale Projekte unterstützt, die oft von der orthodoxen Kirche gegründet worden sind.

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass sich Erich Bryner in der Zeit des «kalten Krieges» für die russische Sprache und für die Ostkirchen interessierte? Erste Anregungen erhielt er von seiner Mutter, die in Russland aufgewachsen war. Sie stammte aus einer Simmentaler Käserfamilie, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Russland ausgewandert war und 1922 in die Schweiz zurückkehrte. Er begeisterte sich für Tolstoi und Dostojewski und singt noch heute im Ruhestand bei den Propsteisängern Wagenhausen ostkirchliche Musik – soweit es Corona erlaubt. Mit seiner Pensionierung weitete sich Erich Bryners historisches Interesse nochmals und er veröffentlichte zum Reformationsjubiläum 2017 ein Buch über den Schaffhauser Katechismus des Reformators Ulmer und schrieb mehrere Aufsätze zur Schaffhauser Reformation. Mögen ihm noch manche interessanten Lebensjahre bei guter Gesundheit vergönnt sein.

Doris Brodbeck, Kommunikation des Kirchenrats der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen