Ich mag Gärten
Nicht nur kleine und grosse Parkanlagen wie den Promenadenpark oder den Englischen Garten in München. Sondern auch den eigenen Garten hinter dem Haus. Den Garten, den man jeden Tag sieht.
Stefan Leistner Baumgardt,
Bei mir beginnt er schon am Küchenfenster. Wenn ich morgens hinausschaue, sehe ich Beerensträucher, Blumenbeete, Kräuter und das kleine Tomatenhaus. Im Sommer wächst vieles gleichzeitig. Manche Pflanzen stehen kräftig und ordentlich da. Andere wachsen kreuz und quer. Hier blüht etwas. Dort hängt schon die nächste Himbeere reif am Strauch.
Und gleichzeitig sehe ich natürlich auch die Arbeit. Da müsste längst gejätet werden. Der Rasen ist an manchen Stellen zu hoch. Verblühte Blumen sollten abgeschnitten werden. Die Wege könnten sauberer sein. Eigentlich gäbe es immer etwas zu tun.
Aber genau das gehört vielleicht auch zum Garten dazu. Er ist nie ganz fertig. Und trotzdem ist er schön. Gerade die Vielfalt macht ihn lebendig. Die vielen Farben. Der Duft der Kräuter in der warmen Luft. Das Summen der Insekten. Die ersten roten Tomaten im Häuschen. Die wilden Ecken zwischen den Blumen, in denen einfach wachsen darf, was wachsen will.
Wer einen Garten hat, weiss: Es braucht Geduld. Nicht alles wächst sofort. Manche Pflanzen überraschen. Andere gehen ein. Und manchmal fehlt einfach die Zeit oder die Kraft, alles so zu pflegen, wie man es gern hätte.
Trotzdem ist ein Garten ein guter Ort. Ein Ort zum Durchatmen. Ein Ort, an dem man für einen Moment ruhiger wird.
Interessant ist auch, woher das Wort Garten überhaupt kommt. Es leitet sich vom alten indogermanischen Wort „ghortos" ab, womit Weiden- und Haselnussruten gemeint sind, die ineinander verflochten den Garten umfriedeten. Ein Garten ist also ein Ort mit Grenzen, ein geschützter, befriedeter Raum. Vielleicht empfinden viele Menschen ihn deshalb als wohltuend. Man ist für eine Zeit etwas abgeschirmt vom Lärm und von allem, was sonst drängt.
Die Bibel beginnt ebenfalls mit einem Garten. Mit dem Paradies. Einem Ort, an dem Menschen mit Gott und miteinander im Frieden leben. Doch diese Geschichte bleibt nicht so. Die Menschen werden aus dem Paradies vertrieben. Seitdem gehört vieles zu unserem Leben, das schwierig ist: Streit, Sorgen, Schuld oder auch die Erfahrung von Verlust.
Und trotzdem erzählt die Bibel weiter. Die christliche Hoffnung ist, dass Gott die Menschen nicht sich selbst überlässt. Dass am Ende nicht Angst und Leid das letzte Wort haben. Die Bilder vom Paradies erinnern daran, dass Gott das Leben gut gedacht hat und dass seine Zukunft mehr bereithält als das, was wir jetzt sehen.
Vielleicht berührt uns ein Garten auch deshalb so sehr. Zwischen Blumen, Kräutern und Beeren bekommen wir manchmal eine kleine Ahnung davon, wie Leben sein könnte: friedlich, vielfältig und gut.
Ein Garten erinnert mich daran: Nicht alles muss perfekt sein. Auch Unfertiges darf seinen Platz haben. Und oft wächst Schönes gerade dort, wo man es nicht erwartet hätte.
Vielleicht können wir darum auch freundlicher mit uns selbst und mit anderen sein. Niemand schafft alles. Niemand hat sein Leben immer ordentlich im Griff. Aber vieles kann wachsen, wenn Zeit, Geduld und etwas Fürsorge da sind.
Ich wünsche Ihnen in diesem Sommer viele kleine Momente der Freude: einen Blick ins Grüne, den Duft von Kräutern, eine reife Beere in der Hand oder einen stillen Abend im Garten oder auf dem Balkon.
Und ich wünsche Ihnen eine gute Sommerzeit und Gottes Segen. "Denn der Herr, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe, die aus den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt." (5. Mose 8, 1-9a)
Mit sommerlichen Grüssen, Stefan Leistner Baumgardt