Wir können die Lichtmomente unseres Lebens nicht festhalten. Aber wir können das Licht mitnehmen. Es leuchtet in den Höhen und Tiefen des Alltags.
MATTHÄUSEVANGELIUM, KAPITEL 4, VERSE 1 BIS 4:
«Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiss wie das Licht. Da erschienen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.»
„Es gibt viele Wege zu Gott, einer führt über die Berge.“ - Dieser Spruch steht auf einer Tafel an einem Wanderweg irgendwo in den bayerischen Alpen. Man geht bergauf, schwitzt, müht sich ab - und plötzlich blitzt der Himmel auf: ein grandioses Panorama, faszinierende Felsformationen, das Glitzern der Sonne im Schnee oder in einem Bergsee. Äusserlich ist alles noch genauso wie vorher, aber innerlich wird man gepackt und verändert, man spürt Freude und unbeschreibliches Glück und ahnt: Gott ist da.
Jesus nimmt seine drei besten Freunde mit auf eine Bergwanderung. Auf dem Gipfel dürfen sie Verklärung ihres Freundes miterleben: Sein Gesicht strahlt wie die Sonne, seine ganze Erscheinung wird hell wie das Licht. Moses und Prophet Elija erscheinen, zwei bedeutende Persönlichkeiten des jüdischen Glaubens, und schliesslich spricht Gott selbst aus einer Wolke aus Licht: „Dies ist mein geliebter Sohn.“
Petrus will drei Hütten bauen, er will sich an diesem himmlischen Ort häuslich einrichten, er will den Augenblick festhalten, das Licht festhalten, die aussergewöhnliche Gemeinschaft fortdauern lassen. Aber das geht nicht. Solche Lichtblicke, solche Erfahrungen der Gegenwart Gottes kann man nicht festhalten.
Man muss wieder den Berg hinabsteigen, in die Niederungen des Lebens, in den Trott, in die Hektik und in die Mühsal des Alltags.
Lichtmomente voller Glück und Freude kann man nicht festhalten, die wunderschöne Zeit in der herrlichen Gebirgswelt, an Meer, Fluss oder See, kostbare und berührende Erlebnisse in den Ferien, bereichernde Begegnungen mit sympathischen und interessanten Menschen, spirituelle Erfahrungen - das alles geht vorbei, auch wenn man ganz viele Fotos mit dem Handy gemacht hat.
Aber manchmal bleibt Funken solcher Gottesbegegnungen in unserem Herzen, und diese Lichtfunken geben uns Kraft zum Leben und zum Glauben.
Robert Weinbuch, Pastoralraumleiter, Mammern. Er bleibt uns auch im Ruhestand als Kolumnist erhalten.
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