Doris Brodbeck

Warum der Tod in den Alltag gehört - Bibel einfach erklärt (SN)

Altes Buch <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Werner&nbsp;N&auml;f)</span>: Ministerialbibliothek Schaffhausen<div class='url' style='display:none;'>/kg/neunkirch/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenweb.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>203</div><div class='bid' style='display:none;'>4290</div><div class='usr' style='display:none;'>1</div>

Wir brauchen Regeln, wir brauchen die Wirtschaft. Ja. Das stellt niemand in Frage. Aber wir brauchen auch Menschlichkeit. Diese ist nicht in Geld zu beziffern, Menschlichkeit ist unsere Zukunft. Es ist notwendig, dass der anonymisierte Tod in Corona-Zeiten ein Gesicht erhält. Und es ist notwendig, dass wir den Blick nicht wegdrehen, sondern dieses Gesicht anschauen. Es ist notwendig, dass wir über das Sterben und den Tod reden, damit unsere Gesellschaft lebensfähig bleibt. Das eine geht nicht ohne das andere.
Nyree Heckmann,
PSALM, KAPITEL 8, VERSE 5-6:
«Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst? Wer ist er schon, dass du dich um ihn kümmerst! Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, mit Ehre und Würde hast du ihn gekrönt.»

WARUM DER TOD IN DEN ALLTAG GEHÖRT
UND NICHT HINTER VERSCHLOSSENE TÜREN

Was ist mit unseren gesellschaftlichen Werten passiert? Seit dem letzten Jahr erleben wir, wie Wirtschaft und Gesundheit in einen ungesunden Wettbewerb geraten sind. Die Rede ist von Geld, das fehlt, das es zu beschaffen gilt, das vorhanden oder bald nicht mehr vorhanden sein wird usw. Mag sein. Aber inmitten diesen ganzen Getümmels ist der Tod. Er hat sich festgelegt, auf eine fast konstante Zahl, die nebst den Covid-19-Neuansteckungen treu vermeldet wird. Und was machen wir jetzt damit?
Der jung verstorbene (nicht an Covid-19) Jazz-Musiker Roger Cicero singt: „Und als einer von Millionen, steh´ ich hier und schau´ nach oben…“ Dieses Lied erzeugt Gänsehaut. Und das nicht nur wegen seiner schönen Melodie, sondern weil es bewusstmacht, dass sich diese Millionen aus einzelnen Schicksalen zusammensetzen. Die Zahl der Covid-19-Toten, die uns täglich vermeldet wird, ist nicht gesichtslos. Es sind Frauen und Männer, Jungs und Mädchen mit einer ganz eigenen Geschichte. Mit guten und schlechten Tagen im Leben. Mit Erfolg und Misserfolg. Aber vor allem Menschen, zu denen eine Familie gehört, Angehörige. Menschen, die zurückbleiben. Menschen, die trauern. Und die dies mit einer unendlichen Anzahl von Regeln tun müssen. Ja, die braucht es im Moment. Aber, wir brauchen Schutzregeln, die es möglich machen, dass Menschen in Würde sterben können. Der Psalmbeter stellt seine Frage voller Staunen an Gott. Er ist berührt, dass Gott jeden einzelnen Menschen im Blick hat und ihn mit Ehre und Würde krönt. Eine vielleicht altmodische Formulierung. Aber eine, die jedem Menschen etwas zugesteht. Dass er nämlich mehr ist als eine Zahl, durch die vielleicht ein Spitalbett wieder frei geworden ist. Dass das Leben dieses Menschen einen Sinn hatte auf dieser Erde und dass jeder Mensch es verdient hat, beim Namen genannt zu werden – als ein Gottesgeschöpf, als etwas Besonderes.

Nyree Heckmann, ref. Pfarrerin Steigkirche Schaffhausen
Bild Nyree Heckmann <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Nyree&nbsp;Heckmann)</span>
Pfarrerin
Nyree Heckmann
Nordstrasse 33
8200 Schaffhausen

076 306 32 41


(Idee zu dieser Kolumne: https://rootedinlove.ch/erklaerung/)
Bereitgestellt: 09.01.2021      
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