Doris Brodbeck

Bibel einfach erklärt (SN): Offene Türen

Altes Buch <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Werner&nbsp;N&auml;f)</span>: Ministerialbibliothek Schaffhausen<div class='url' style='display:none;'>/kg/neunkirch/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenweb.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>203</div><div class='bid' style='display:none;'>4290</div><div class='usr' style='display:none;'>1</div>

Es ist die Liebe, die den Zugang zueinander möglich macht. Die dazu verhilft, einander mit anderen Augen zu sehen. Die überhaupt erst einen genaueren Blick herausfordert, der zu einem offenen Herz und zu einer offenen Tür führt. In der Liebe können Menschen einander zu Engeln werden.
Nyree Heckmann,
OFFENE TÜREN ODER
WENN WIR ES WAGEN,
UNS FÜREINANDER ZU INTERESSIEREN

BRIEF AN DIE HEBRÄER, KAPTIEL 13, VERSE 1 BIS 2
«Die Liebe zu denen, die euch vertraut sind, bleibe. Die Liebe zu denen, die euch fremd sind, aber vergesst nicht – so haben manche, ohne es zu wissen, Engel beherbergt.»

Auf offene Fenster achten wir zurzeit allerorten. Damit die Räume genug durchlüftet sind und das uns überall begleitende Corona-Virus möglichst keine Angriffsfläche findet. Die Welt ist in den letzten Wochen und Monaten eigenartig surreal geworden. Unsere freie Gesellschaft wurde plötzlich eingeschränkt, an den Grenzen, in den Ferien, in den Läden, in den Schulen, in den Kirchen und vielem mehr. Vor einem Jahr noch unvorstellbar. In einer Zeit, in der (fast) alles binnen kürzester Zeit verfügbar ist, rund um die Uhr, legt ein Virus die ganze Welt lahm. Keine Flieger am Himmel, kein Stau auf den Strassen, viel Platz im ÖV, unterbrochene Kriegshandlungen. Es herrscht allseits grosse Ratlosigkeit. Und nun? Bleibt in der Nähe von denen, die Euch am Herzen liegen, mahnt der Hebräerbrief. Das ist so geschehen. Nachbarn haben füreinander eingekauft und bei offener Tür und mit Abstand einen Schwatz gehalten. Familien sind näher zusammengerückt. Das ist ein berechenbares Verhalten, das weiss der Schreiber des Hebräerbriefes auch. Trotz aller Sorge vor Ansteckung scheint uns das Virus bei einem Menschen, den wir schätzen und lieben, sehr viel weniger gefährlich zu sein, als bei einem Fremden. Das ist natürlich nicht der Fall, aber es fühlt sich so an. Deshalb ist dem Satz, bei seinen Lieben zu bleiben, noch etwas hinzugefügt. Vergesst die anderen, die Euch fremd sind, nicht. Dass wir Menschen einander brauchen, wenn wir noch eine Weile auf diesem Planeten leben wollen, ist ja nicht neu. Und trotzdem ist es immer wieder eine Herausforderung, das im Alltag auch umzusetzen. Der Schreiber des Hebräerbriefes verweist uns deshalb an Jesus Christus: Bei ihm lässt sich lernen, dass wir gut miteinander leben können, wenn wir uns füreinander interessieren. Wenn wir lernen zu sehen, dass wir die gleichen Grundbedürfnisse haben: Essen, Trinken, Schlafen, Geborgenheit. Und dafür braucht es nicht nur offene Fenster, die Luft hereinlassen. Sondern auch offene Türen, damit wir einander begegnen können. Vielleicht treffen wir dann völlig unerwartet auch auf einen Engel.

Nyree Heckmann ist reformierte Pfarrerin in Schaffhausen Steigkirche
Bild Nyree Heckmann <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Nyree&nbsp;Heckmann)</span>
Nyree Heckmann
Nordstrasse 33
8200 Schaffhausen

076 306 32 41

Bereitgestellt: 03.10.2020      
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