Doris Brodbeck

Sterne in der Nacht - Bibel einfach erklärt (SN)

Daria Serra (Foto: SN Bibelkolumne)

Daria Serra (Foto: SN Bibelkolumne)

Das Leben des Menschen ist geprägt von Tag und Nacht. Bei Tag strahlt die Sonne und in der Nacht die Sterne. Selig der Mensch, der in der Dunkelheit den Blick hebt und den Stern, der ihm den Weg weist, erblickt und ihm mutig und voll Vertrauen folgt.
MATTHÄUS, KAPITEL 2, VERSE 9-10
«Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.»

«Licht-Sein» war Adventsthema unserer Familie. Am Abend machten wir uns auf, um die Beleuchtungen im Quartier anzuschauen und, um an äusserst dunklen Orten die Sterne zu betrachten und mit dem Licht von Taschenlampen zu spielen. Diese Erlebnisse haben mich nachdenklich gestimmt, denn erst die Dunkelheit hat uns ermöglicht, das Licht bewusst wahrzunehmen. Beim Verlust von Gesundheit, lieben Menschen, Arbeit, Gewissheiten etc. wird es auch im Leben Nacht. Es ist schmerzhaft festzustellen, dass alles ausser der Liebe – vergänglich ist. Diese schwierigen Momente sind zugleich Momente der Wahrheit. Darin liegt nämlich die Chance wahre Lichter von Mogel-Lichtern zu unterscheiden. Ich gestehe «die Wahrheit tut (meistens) weh», aber ein Mann, der kürzlich Geburtstag gefeiert hat, sagte einmal, dass «die Wahrheit, frei macht». Die nackte Wahrheit lautet: Der Mensch ist vergänglich, verletzlich, schwach und macht Fehler – unzählige sogar. Diese Tatsache ist nicht immer leicht anzunehmen und versetzt viele Menschen in Dunkelheit. Bei den Spaziergängen mit meinen Kindern wurde mir aber erst richtig bewusst, dass der wunderbare Sternenhimmel nur dank der Dunkelheit sichtbar wird und nur für diejenigen, die den Blick zum Himmel heben… Die Sterndeuter aus dem Evangelium sind Sinnbild für diese Lebensweise, denn sie hatten ihr Leben damit verbracht, die Nacht abzuwarten, um die Sterne am Himmel zu studieren. Dann geschah etwas. Sie sahen den einen Stern, den sie sehnlichst erwartet hatten und folgten ihm. Der Stern führte sie zu ihrem Ziel: zum König der Könige, zum Licht der Welt, zu einem unscheinbaren und schutzlosen Baby und seinen Eltern. Auch meine Kinder hatten keine Angst in der Dunkelheit. Sie sorgten sich nicht, weil ihre gewohnte Umgebung plötzlich anders aussah, sondern waren offen für diese Erfahrung, denn sie waren nicht allein, ihre Mutter, der sie vertrauen, war bei ihnen. Ist nicht das der springende Punkt des christlichen Glaubens? Jesus hat seinen Jüngern nie versprochen, sie vor dunkeln Momenten zu bewahren. Aber er hat ihnen versprochen, immer bei ihnen zu bleiben – bis ans Ende der Welt.

Daria Serra, katholische Theologin, Feuerthalen
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Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
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Bereitgestellt: 14.01.2023      
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