Platz für alle an der Konfirmation in Gächlingen
Alle Gäste der zwölf Konfirmandinnen und Konfirmanden fanden einen Platz in den Kirchenbänken. Die Frage, ob es auch in der Konf-Gruppe, auf dem Pausenhof oder in einer gemischten Gesellschaft Platz hat für alle, stellte sich im Lauf des abwechslungsreichen Gottesdienstes immer wieder. Die Jugendlichen moderierten ihre Feier, spielten gemeinsam eine Szene, sangen passende Lieder und stellten sich in einem Video vor.
Marianne Näf-Bräker,
«Im Konf-Unterricht habe ich gelernt, dass ich mit Menschen Sachen machen kann, mit denen ich sonst in der Freizeit nichts unternommen hätte.» Diese persönliche Aussage machte eine Konfirmandin im Vorstellungs-Video als Antwort auf die Frage, was sie im Konfirmandenjahr gelernt habe. Sie zeigt, weshalb die zwölf Jugendlichen fanden, dass das Thema «Platz für alli» - trotz unterschiedlichen Interessen und Meinungen – gut zu ihrer Konfirmations-Feier passt. In der Szene auf dem Pausenplatz verdrängte eine Schüler-Gruppe die Fussballspieler und machte sich lustig über sie. Doch als alle mit dem Befehl konfrontiert wurden, täglich eine Stunde früher zur Schule kommen zu müssen, schlossen sich die beiden Gruppen zusammen, um sich besser wehren zu können. Plötzlich war allen klar: Wir brauchen einander. Das Publikum wurde anschliessend mit Fragen herausgefordert. Die meisten gaben zu, dass sie sich schon einmal ausgeschlossen fühlten. Aber die Frage, ob es in ihrem Leben Platz für alle gäbe, beantwortete niemand mit einem überzeugten Ja.
Ausgrenzung oder Nächstenliebe?
In der Predigt berichtete Pfarrer Werner Näf von Tom Tarrants, der sich in den Südstaaten der USA radikalisierte, als die schwarzen Mitbürger immer mehr Rechte bekamen. Gewalttaten brachten ihn ins Gefängnis, wo sich sein Welt- und Menschenbild durch die Lektüre von verschiedensten Büchern nach und nach änderte. Mit der Hilfe von Jesus Christus, den er durch die Bibel kennenlernte, änderte sich nicht nur sein Denken, sondern seine ganze Haltung gegenüber seinen Mitmenschen. Hass machte der Nächstenliebe Platz.
Ausgrenzung und deren Überwindung ist und bleibt aktuell und fordert auch in den Klettgauer Dörfern, die Bevölkerung, die Familien und Schulen heraus. Es ist nicht einfach, allen einen Platz zu geben, wenn man sich unsicher fühlt und Angst hat. Wer aber weiss, dass Gott ihn kennt, sieht und vom Bösen erlöst, kann es wagen, auch anderen innerlich und äusserlich Raum zu geben.
Willkommen in den Kirchgemeinden
Die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Gächlingen und Neunkirch wurden während einem Jahr von einem Team begleitet und lernten Angebote der «Jungen Kirche Klettgau» kennen. Marianne Näf, welche die organisatorische Leitung des Teams und der Anlässe hatte, blickte auf ein bewegtes Jahr zurück und bedankte sich bei Zoé Werner als «Brückenbauerin» zu den Jugendlichen. Sie hatte bei vielen Anlässen, im Konflager und bei der Konf-Vorbereitung mitgearbeitet und die Lieder im Konfirmationsgottesdienst am Klavier begleitet.
Claudia Kiener vom Kirchenstand Neunkirch begrüsste die frisch Konfirmierten als Mitglieder der Kirchgemeinden, die nach ihrem 16. Geburtstag stimmberechtigt und wählbar sein werden. Mit einem «Plätzchen für alle» in Form eines Spitzbuben oder Spitzmeitlis bekräftigte sie ihren Willkommensgruss und Rüdiger Schlunke vom Kirchenstand Gächlingen überreichte jedem seine persönliche Konfirmations-Urkunde. Reich beladen, beschenkt und gesegnet trafen sich die Konfirmierten mit ihren Familien und Freunden beim Apéro im Zelt vor der Kirche, zogen es jedoch bald vor, an einem windgeschützten Ort weiter zu feiern.