Er hat sich eingemischt

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Podium zur Buchvernissage: v.l. Luca Baschera, Andreas Berger, Bruce Gordon, Roland Diethelm (Foto: Daniel Zulauf)
Bei sommerlicher Hitze war die Stadtkirche St. Johann eine gute Wahl, um in den Sonntag zu starten. Dies nicht nur der angenehmen Temperatur wegen. Es wurde die deutschsprachige Übersetzung der Zwinglibiographie des kanadischen Historikers Bruce Gordon gefeiert.
Pfarrer Roland Diethelm leitete den Gottesdienst mit dem Wunsch ein, dass das Wort Gottes nicht nur äusserlich bleibt, sondern berührt und die Gegenwart bestimmt. Die Lektorin Angela Maria Christen trug die Lesung von der Berufung des Propheten Ezechiels vor, der im Auftrag Gottes eine Briefrolle essen sollte, die im Mund süss wurde, worüber er dem Volk berichten sollte.

Als Gastpredigerin erinnerte Pfarrerin Kathrin Oxen von der Gedächtniskirche in Berlin an Zwinglis Gelehrtenkreis, der sich in Zürich täglich traf, um die Bibel zu übersetzen und über die richtige Bedeutung zu diskutieren. Anschliessend wurde darüber gepredigt: «Sie kneten die Worte durch, bis sie ihnen süss im Mund werden. Danach geben sie das nun verdauliche und nährende Wort weiter. Sie nennen sich Prophezei.» Sie fragte sich, wann es Zeit sei, wie früher die bekennende Kirche im Pfarrhaus der Berliner Gedächtniskirche, das sie nun bewohnt, eine solche Prophezei zu gründen. Zwingli habe sich eingemischt.

Grussworte von Stadt und Kirche

Stadtarchivar Cyril Schiendorfer überbrachte die Grüsse des Stadtrats und hielt fest, dass die Reformation ein vielschichtiger Prozess war. Dabei wurde ergebnisoffen diskutiert. Sich damit zu befassen stelle einen Gewinn für die Gegenwartsfragen dar. Man gewinne dadurch Vergleichswerte.

Kirchenratspräsident Wolfram Kötter erinnerte in seinem Grusswort an die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, bei der kürzlich kritisiert worden sei, die Kirche äussere sich zu wenig zu politischen Fragen. Es könne nicht um Parolen gehen, aber um eine klare Wertehaltung. Statt zu fragen, wie politisch die Kirche sein dürfe, möchte er fragen: Wie sehr treibt uns die Liebe Gottes an?

Auf dem Podium, das an den Apéro nach dem Gottesdienst anschloss, sprach Roland Diethelm mit dem Autor Bruce Gordon von der Yale Universität in den USA, mit Andreas Berger von der Universität Bern, der die Zwinglibiographie übersetzte und Luca Baschera vom Institut für Reformationsgeschichte an der Universität Zürich.

Prophet, Visionär, Erneuerer

Es wurde intensiv über die Person Zwinglis diskutiert. Roland Diethelm fragte: Wurde Zwingli mitgerissen von dem Strom, den er ausgelöst hat? Gerade das Widersprüchliche in seiner Person mache ihn menschlich, wurde festgestellt. Die Ambivalenz sei auszuhalten. Andreas Berger hat die für ein breites Publikum geschriebene Biographie zum Nachdenken über das eigene Weltbild angeregt. Er möchte die Frage nach Zwingli umkehren: Was war das für eine Gesellschaft, die Zwingli attraktiv fand? Eine Gesellschaft, die bereit war für Experimente und an deren Umsetzbarkeit glaubte. Luca Baschera will auch da differenzieren: Es waren einflussreiche Teile der Gesellschaft, die hinter Zwingli standen.

Aufgrund von Fragen aus dem Publikum wurden weitere Aspekte erörtert wie das Netzwerk des Reformators, seine Verbundenheit mit der Landbevölkerung, die ökonomische Seite der Säkularisation der Klöster, die Rolle der (Kloster-)Frauen und schliesslich die Hinrichtung von Täufern durch den Stadtrat.

Dank dem Büchertisch von Sibylle Eggstein, Geschäftsführerin des Bücher Fass, konnte die Neuerscheinung «Zwingli – Gottes bewaffneter Prophet» erworben und vom Autor signiert werden.

Doris Brodbeck
2026-06-21 Zwingli Vernissage
22.06.2026
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