Wer ver-rückt ist, der ist schon einen Schritt weiter und betrachtet die Welt um sich herum mit neuen Augen. Alte Muster brechen auf und es entsteht etwas ganz Neues, ganz egal in welchem Alter.
1. KORINTHERBRIEF, KAPITEL 4, VERSE 10 BIS 13A:
«Wir sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christus; wir schwach, ihr aber stark; ihr herrlich, wir aber verachtet. Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst, sind nackt und werden geschlagen und haben keine sichere Stätte und mühen uns ab mit unsrer Hände Arbeit. Schmäht man uns, so segnen wir; verfolgt man uns, so dulden wir’s; verlästert man uns, so reden wir freundlich.»
Tadaaa – meine Kollegin ist in die Nase gesprungen, wie man unter uns Clown:innen sagt. Sie hat eine Wandlung durchgemacht und ist in ihre Rolle geschlüpft. Vor mir steht kein anderer Mensch, aber ein Mensch mit einer ganz besonderen Haltung. Ihre Augen sind weit offen und blicken höchst aufmerksam umher und auch ihr Mund ist leicht geöffnet. Warum? Sie staunt. Sie staunt über alles und jeden und kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie verhält sich so, als sähe sie alles zum ersten Mal. Eine zweite Naivität, könnte man sagen – denn was für ein Kind selbstverständlich ist, ist uns bisweilen auf dem Weg ins Erwachsenenleben abhandengekommen. In der Clownsrolle wird das überrascht Sein wieder lebendig. Das ist doch verrückt - wenn man uns so sieht: bunt gewandet, mit roter Nase. Wir entdecken eine Kirche von aussen, riechen an Pflanzen, klettern über Steine, balancieren gemeinsam auf Linien des Kirchvorplatzes. Das sind doch Erwachsene – die meisten, die uns entdecken, staunen über uns – halten inne, sind ein wenig verwundert. Aber lächeln müssen sie doch. Und vielleicht rührt sich eine Sehnsucht, auch mal wieder ein wenig töricht und einfältig zu sein. Als Clown:innen sind wir ständig Scheiternde. Begeistert, aber nichts-könnend. Wir sind – wie Luther das Wort des Paulus im Korintherbrief übersetzt, Narren. Wir sind schwach und tief emotional und dadurch dem Menschlichen so nah. Die Freude erfasst den Clown ganz und gar, mit Haut und Haaren. Und die Traurigkeit? Wir sind es, mit jeder Faser unseres Seins. Wir sind begeistert von allen Menschen und bewundern sie. Manchmal sind wir auch ärgerlich, aber nur kurz, dann packt uns die Lebensfreude wieder. Wir mühen uns und bekommen es doch nicht hin. Aber egal. Es macht Spass und ist wichtig, auch wenn es anstrengend ist. Nie hätte ich gedacht, wie nahe ich mich Gott in der roten Nase fühlen kann. Und das Grossartige ist, wenn wir dann wieder «aus der Nase springen», dann bleibt da ein Same in unseren Herzen. Und der kann jederzeit aufgehen.
Nyree Heckmann, Pfarrerin der reformierten Kirchgemeinde Schaffhausen Steig, verabschiedet sich mit dieser Kolumne. Sie wechselt in einen anderen Kanton.
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«Wir sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christus; wir schwach, ihr aber stark; ihr herrlich, wir aber verachtet. Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst, sind nackt und werden geschlagen und haben keine sichere Stätte und mühen uns ab mit unsrer Hände Arbeit. Schmäht man uns, so segnen wir; verfolgt man uns, so dulden wir’s; verlästert man uns, so reden wir freundlich.»
Tadaaa – meine Kollegin ist in die Nase gesprungen, wie man unter uns Clown:innen sagt. Sie hat eine Wandlung durchgemacht und ist in ihre Rolle geschlüpft. Vor mir steht kein anderer Mensch, aber ein Mensch mit einer ganz besonderen Haltung. Ihre Augen sind weit offen und blicken höchst aufmerksam umher und auch ihr Mund ist leicht geöffnet. Warum? Sie staunt. Sie staunt über alles und jeden und kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie verhält sich so, als sähe sie alles zum ersten Mal. Eine zweite Naivität, könnte man sagen – denn was für ein Kind selbstverständlich ist, ist uns bisweilen auf dem Weg ins Erwachsenenleben abhandengekommen. In der Clownsrolle wird das überrascht Sein wieder lebendig. Das ist doch verrückt - wenn man uns so sieht: bunt gewandet, mit roter Nase. Wir entdecken eine Kirche von aussen, riechen an Pflanzen, klettern über Steine, balancieren gemeinsam auf Linien des Kirchvorplatzes. Das sind doch Erwachsene – die meisten, die uns entdecken, staunen über uns – halten inne, sind ein wenig verwundert. Aber lächeln müssen sie doch. Und vielleicht rührt sich eine Sehnsucht, auch mal wieder ein wenig töricht und einfältig zu sein. Als Clown:innen sind wir ständig Scheiternde. Begeistert, aber nichts-könnend. Wir sind – wie Luther das Wort des Paulus im Korintherbrief übersetzt, Narren. Wir sind schwach und tief emotional und dadurch dem Menschlichen so nah. Die Freude erfasst den Clown ganz und gar, mit Haut und Haaren. Und die Traurigkeit? Wir sind es, mit jeder Faser unseres Seins. Wir sind begeistert von allen Menschen und bewundern sie. Manchmal sind wir auch ärgerlich, aber nur kurz, dann packt uns die Lebensfreude wieder. Wir mühen uns und bekommen es doch nicht hin. Aber egal. Es macht Spass und ist wichtig, auch wenn es anstrengend ist. Nie hätte ich gedacht, wie nahe ich mich Gott in der roten Nase fühlen kann. Und das Grossartige ist, wenn wir dann wieder «aus der Nase springen», dann bleibt da ein Same in unseren Herzen. Und der kann jederzeit aufgehen.
Nyree Heckmann, Pfarrerin der reformierten Kirchgemeinde Schaffhausen Steig, verabschiedet sich mit dieser Kolumne. Sie wechselt in einen anderen Kanton.
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