Am Sonntag Jubilate wurde die Stadtkirche St. Johann zu einem besonderen Raum der Wahrnehmung: In der österlichen Zeit, in der die Kirche von der neuen Schöpfung spricht, verbanden sich Gottesdienst, Kunst und persönliches Zeugnis auf eindrückliche Weise.
Roland Diethelm,
Im vorderen Teil des Kirchenschiffs leuchtete die Lichtinstallation von Hans Jörg Lehner: Aus einem Kreis von Papiertüten trat das Licht hervor und liess die Worte erscheinen: «Liebe mehrt durch Verschwendung.» Der Satz stand mitten im Kirchenraum — schlicht, verletzlich, fast provisorisch in seinem Material, und doch stark in seiner Botschaft. Was verschwendet wird, scheint verloren. Was Liebe verschwendet, wird mehr. So nahm die Installation das Thema des Sonntags auf: Jubilate — österlicher Jubel nicht als lauter Triumph, sondern als Licht, das in einer verwundeten Welt aufscheint.
Einen bewegenden Akzent setzte Olena Pantsiuk mit ihrem persönlichen Zeugnis zum 40. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl. Sie erzählte von ihrer Kindheit in Prypjat, vom sonnigen Morgen des 26. April 1986, vom Schweigen der Behörden, von der verspäteten Evakuierung — und von ihrem Vater, der schon vor der Katastrophe auf gefährliche Mängel hingewiesen hatte. Ihre Erinnerung führte mitten hinein in die Erfahrung von Bedrohung, Verschweigen und Verlust. Zugleich wurde sie zu einem Zeugnis der Dankbarkeit: für das Überleben, für die Menschen, die Schlimmeres verhinderten, und für den Weg, der sie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine schliesslich nach Schaffhausen geführt hat.
So erhielt der Sonntag Jubilate eine besondere Tiefe. Der österliche Jubel war kein oberflächliches Halleluja, sondern ein Bekenntnis gegen Resignation und Tod. Die biblische Verheissung von der neuen Schöpfung wurde hörbar im Raum einer konkreten Geschichte: Wo Wahrheit ausgesprochen wird, wo Leid nicht verdrängt wird und wo Menschen dennoch dem Leben trauen, beginnt etwas von jener Hoffnung aufzuleuchten, die Ostern meint.
Am Ende stand ein Satz, den Olena Pantsiuk aus der Erfahrung ihrer Familie und ihres Volkes mitbrachte: «Wir werden trotz allem leben. Wir werden leben.» Genau darin klang der Sonntag Jubilate nach — als Lob Gottes mitten in einer Welt, die verwundet ist und doch nicht verloren.
Einen bewegenden Akzent setzte Olena Pantsiuk mit ihrem persönlichen Zeugnis zum 40. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl. Sie erzählte von ihrer Kindheit in Prypjat, vom sonnigen Morgen des 26. April 1986, vom Schweigen der Behörden, von der verspäteten Evakuierung — und von ihrem Vater, der schon vor der Katastrophe auf gefährliche Mängel hingewiesen hatte. Ihre Erinnerung führte mitten hinein in die Erfahrung von Bedrohung, Verschweigen und Verlust. Zugleich wurde sie zu einem Zeugnis der Dankbarkeit: für das Überleben, für die Menschen, die Schlimmeres verhinderten, und für den Weg, der sie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine schliesslich nach Schaffhausen geführt hat.
So erhielt der Sonntag Jubilate eine besondere Tiefe. Der österliche Jubel war kein oberflächliches Halleluja, sondern ein Bekenntnis gegen Resignation und Tod. Die biblische Verheissung von der neuen Schöpfung wurde hörbar im Raum einer konkreten Geschichte: Wo Wahrheit ausgesprochen wird, wo Leid nicht verdrängt wird und wo Menschen dennoch dem Leben trauen, beginnt etwas von jener Hoffnung aufzuleuchten, die Ostern meint.
Am Ende stand ein Satz, den Olena Pantsiuk aus der Erfahrung ihrer Familie und ihres Volkes mitbrachte: «Wir werden trotz allem leben. Wir werden leben.» Genau darin klang der Sonntag Jubilate nach — als Lob Gottes mitten in einer Welt, die verwundet ist und doch nicht verloren.
