Zwingli neu sehen: Festgottesdienst mit Kathrin Oxen und Buchvernissage mit Bruce Gordon

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Am Sonntag, 21. Juni, steht Schaffhausen im Zeichen Zwinglis: Pfarrerin Kathrin Oxen predigt in der Stadtkirche St. Johann über das prophetische Amt. Anschliessend wird dort Bruce Gordons grosse Biografie „Zwingli. Gottes bewaffneter Prophet“ in deutscher Übersetzung vorgestellt.
Roland Diethelm,
Zwingli ist uns vertraut – und vielleicht gerade deshalb fremder, als wir meinen. War er der nüchterne Zürcher Reformator, Sozialreformer und Wegbereiter einer staatstragenden reformierten Kirche? Oder war er ein prophetischer Prediger des Evangeliums, der bereit war, auch das Staatswesen unter den Anspruch der göttlichen Offenbarung zu stellen?

Diese Fragen stehen im Zentrum eines besonderen Zwingli-Sonntags in Schaffhausen. Den Auftakt bildet der Festgottesdienst am Sonntag, 21. Juni, um 10.15 Uhr in der Stadtkirche St. Johann. Als Gastpredigerin kommt Kathrin Oxen nach Schaffhausen. Sie ist geschäftsführende Pfarrerin an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin und gehört zu den profiliertesten evangelischen Predigerinnen im deutschsprachigen Raum. Von 2012 bis 2018 leitete sie das EKD-Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur in Wittenberg. Ihr Wirken steht für eine Predigtkunst, die theologisch klar, sprachlich gegenwärtig und öffentlich verantwortet ist. In Schaffhausen predigt sie über Zwingli und das prophetische Amt.

Im Anschluss folgt um 12.00 Uhr ebenfalls in der Stadtkirche St. Johann die Vernissage der deutschen Ausgabe von Bruce Gordons Biografie „Zwingli. Gottes bewaffneter Prophet“. Gordon ist Professor für Kirchengeschichte an der Yale University und einer der führenden internationalen Kenner der Schweizer Reformation. Seine Biografie stellt Zwingli nicht als harmloses Denkmal dar, sondern als charismatischen, kompromisslosen und auch gefährlichen Reformator: als Prediger, der die Stadt Zürich zum Ort göttlicher Erneuerung machen wollte – und an der Verflechtung von Evangelium, Macht, Bürgerschaft und Krieg zerbrach.

Die deutsche Übersetzung macht dieses wichtige Werk nun einem breiteren Publikum zugänglich. Sie wurde durch das Engagement der Schaffhauser Kirche sowie durch private Beiträge ermöglicht. An der Vernissage diskutieren Bruce Gordon, der Übersetzer und Historiker Andreas Berger sowie Dr. Luca Baschera vom Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte der Universität Zürich. Die Leitung hat Pfr. Roland Diethelm.

Der 21. Juni bietet eine seltene Gelegenheit: eine herausragende Predigerin zu hören – und mit einem amerikanischen Kirchenhistoriker von Yale ins Gespräch zu kommen über die Frage, welches Bild Zwinglis den historischen Tatsachen entspricht. Was wollte Zwingli wirklich? Welche Kirche schwebte ihm vor? Und was heisst es heute, wenn reformierte Kirche nicht nur religiös spricht, sondern öffentlich evangelisch?