Doris Brodbeck

Was versteht die Bibel unter Auferstehung? - Bibel einfach erklärt (SN)

Peter Vogelsanger (Foto: SN Bibelkolumne)

Peter Vogelsanger (Foto: SN Bibelkolumne)

Die Auferstehung überwindet den Tod nicht in jenem Sinn, dass es kein Sterben mehr geben würde. Überwunden ist der existentielle Tod, der uns vom Menschsein und von Gott trennt.
JOHANNES, KAPITEL 11, VERS 25
«Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“»

Im November umgibt uns das Sterben und der Tod. Die Blumen welken, im Wald fallen die Blätter, auf der Strasse geistern die Kinder mit Symbolen aus dem Totenreich herum, in den Kirchen zünden wir Kerzen für jene an, die von uns gegangen sind.

Das Wort "Auferstehung" fest mit dem Glauben und den Kirchen verknüpft. In der Welt von Jesus wurde nicht zwischen "aufstehen" und "auferstehen" unterschieden. Das Wort konnte sogar für "hochrappeln" verwendet werden. Wer alt und müde ist, wer unter Depressionen oder einem burn-out leidet oder gar auf einen Rollstuhl angewiesen ist, weiss was es bedeutet, aufstehen zu können. Oder ein Kind, das lernt, sich auf die eigenen Beine stellen zu können.

Um diese Bewegung geht es in den Aussagen von Jesus. Die Evangelien sprechen nicht in erster Linie von dem was auf unser Sterben folgt. Die Reichh-Gottes-Botschaft, die Bergpredigt und das Unser Vater beziehen sich ganz auf das Diesseits. So auch die Auferstehung. Vermutlich hörte die römische Besatzungsmacht sogar einen Aufruf zum Aufstand heraus. Die Botschaft von Jesus und den Aposteln ist aber viel existentieller. Auch existentieller als die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod in irgendeinem Himmel.

Der christliche Glaube bezieht sich auf diese Auferstehung. Unsere Hoffnung besteht in der Ermutigung, mich aus allem emporstemmen zu können, was mich nieder- und unterdrückt. Die Liebe verstehen wir Christen als Barmherzigkeit, anderen Wesen beim Aufstehen zu helfen. Erst die Auferstehung macht uns zu Menschen, die aufrecht vor Gott stehen und sich frei bewegen können. Die Heilungswunder von Jesus beinhalten immer auch eine Symbolhandlung. Immer wieder gab Jesus Patienten mit gelähmten Beinen die Kraft, selbständig aufzustehen und wieder gehen zu können.

Wer diese Auferstehung erfahren hat, kann seinem Lebensende beruhigt entgegen sehen. Wir wissen, dass wir beim Sterben alles loslassen und uns fallen lassen werden müssen - in Gottes Hände.

Peter Vogelsanger (56) ist reformierter Pfarrer in Herblingen
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Bereitgestellt: 27.11.2021      
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