Doris Brodbeck

Uralte Tatsachen: alle Menschen sind gleich - Bibel einfach erklärt (SN)

utta Schenk: Ref. Pfarrerin in Beringen (Foto: Schaffhauser Nachrichten, Roberta Fele.)

utta Schenk: Ref. Pfarrerin in Beringen (Foto: Schaffhauser Nachrichten, Roberta Fele.)

Der Schöpfer der Welt, so verstehe ich die Bibel, hat die Idee durchgesetzt: die einen Menschen sind genauso viel wert sind wie die anderen, weil alle gleicher Herkunft sind. Alle gleichauf, so wars gedacht. Von Anfang an.
1. MOSE, KAPITEL 1, VERSE 7a, 21, 22 UND KAPITEL 2, VERS 1:
«Da bildete Adonaj, also Gott, Adam, das Menschenwesen, aus Erde vom Acker
Dann ließ Gott, einen Tiefschlaf auf das Menschenwesen fallen, dass es einschlief, nahm eine von seinen Seiten und verschloss die Stelle mit Fleisch. Dann formte Adonaj die Seite, die sie dem Menschenwesen entnommen hatte, zu einer Frau und brachte sie zu Adam, dem Rest des Menschenwesens.
Dann erkannte der Mensch als Mann die Eva, seine Frau; sie wurde schwanger, gebar den Kain und sprach: »Ich hab's gekonnt, einen Mann erschaffen – mit Gott.»


Eine vertraute Bibelstelle, sehr genau übersetzt. Im Volk Israel also gab es die Idee: alle Menschen stammen ab von dem einen Menschen, dem Adam, und seiner Chawa. Eingedeutscht Eva, seiner Frau. Man glaubte: die gleichen Urmenschen müssten Erzeltern aller Exemplare der Gattung Homo sein.
Eine dumme Idee, finden heute manche der gleichen Gattung. Wollen lieber glauben, dass die einen besserer Abstammung sind als die anderen. Dass Männer vor Frauen kommen, Weisse besser sind als Dunkelhäutige.
Aber wer so glaubt, kann mal Lucy anschauen. Die Archäologie fand einen Teil ihres Skelettes in Äthiopien. Sie und ihre Gefährten waren frühe Menschen, Vormenschen. Vor 3,6 Millionen Jahren waren sie in ganz Ostafrika unterwegs. Lucy sagt Denk-Würdiges aus: Es ist nicht wahrscheinlich, dass dieser gefundene Vormensch ein Mann war, das Skelett ist weiblich. Auch nicht, dass der Mensch weisse Haut hatte. Und doch stammt von den Nachfahren dieses dunklen, weiblichen Wesens die Linie des gesamten Homo Sapiens ab, des heutigen Menschen. Sprich: die Idee der hebräischen Bibel war ein richtiger Geistesblitz! Von Gott, möchte ich sagen: Alle haben die gleiche Herkunft!
Mit Flucht fing es übrigens damals auch schon an: wegen Klimaveränderung wanderten die Urmenschen aus Ostafrika ab. Dadurch wurden Luycs Nachfahren aber nicht schlechter. Wären sonst nicht auch Lucys weisse Nachkommen, die sich erst später entwickelten…?? Kein Gedanke! Jedenfalls keiner von Gott.
Wer Argumente gegen Vorherrschaftsansprüche sucht, bediene sich bei den Urmenschen: Lucy oder Adam und Eva.

Jutta Schenk, reformierte Pfarrerin in Beringen
Mail:

Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
Archiv der Bibelkolumnen
Bereitgestellt: 29.11.2025      
Symbol für Barrierefreiheit
| aktualisiert mit kirchenweb.ch