Doris Brodbeck

Warum ein Traum heilsam ist - Bibel einfach erklärt (SN)

Nyree Heckmann (Foto: SN Bibelkolumne)

Nyree Heckmann (Foto: SN Bibelkolumne)

Träume im Sinne von Zukunftsvorstellungen sind heilsam, damit wir uns in Möglichkeiten hineindenken. Damit wir unseren Geist öffnen und über unseren eigenen Tellerrand hinausblicken. Diese Träume können ruhig ein wenig übertrieben daherkommen. Die einen mögen vielleicht sagen, sie seien unrealistisch. Aber, wenn es gelänge, ein klein wenig einer solchen Vision umzusetzen, ins Rollen zu bringen, dann wäre so viel möglich.
LUKAS, KAPITEL 13, VERS 29
«Aus Ost und West, aus Nord und Süd werden die Menschen kommen und in Gottes neuer Welt zu Tisch sitzen.»

Stellen Sie sich einmal vor: Eine Filmkulisse mit strahlend weissen Wolken und glitzernd blauem Himmel über einem glatt spiegelnden Meer. Und in der Mitte am Horizont ein gigantisch grosser Tisch, an dem sich alle Völker und Nationen sammeln. Für einen Moment ist es still, friedlich, man spürt so etwas wie die Ewigkeit. So, als ob die Welt tief Luft holt. Und dann hört man die verschiedenen Sprachen, Lachen und Gesang. Und alle verstehen sich. Eine allumfassende Melodie ertönt und langsam wird ausgeblendet. Das Finale eines Films, der von Guten und Bösen handelte, von Möglichkeiten und Unmöglichkeiten.

Was für eine Vision! Was für ein Traum! Ist der Film vorüber, erheben wir uns gestärkt aus den Sitzen und wandeln noch eine Weile mit diesen Bildern durch den Alltag. Sie erheben unser Gemüt, vielleicht auch ein wenig unsere Seele. Und tun gut.

Ich denke, dass solche TRAUM-Bilder nötig sind. Auch in dem Text aus dem Lukasevangelium sind sie heilsam. Denn der Vers findet sich in einem Kapitel, in dem es gerade nicht darum geht, dass ALLE Menschen an diesen Tisch in Gottes neuer Welt finden. Lukas sagt sogar, dass der Weg zu Gott eng sei, einige vielleicht gar nicht hindurchfinden. Weil, ja, weil sie in ihrem Leben vieles nicht gewollt oder unterlassen oder falsch gemacht haben. Schwierig zu beurteilen, finde ich. Ich lese in Jesu Worten keine endgültig geschlossene Tür. Ich lese und höre einen Aufruf, mich zu besinnen. Mein Leben und Handeln wieder einmal genauer anzuschauen und zu überlegen, ob nicht doch das eine oder andere zu ändern wäre. Nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Menschen, die mich umgeben. Trotz allem lassen mir die Worte Jesu Raum, um zu hoffen, dass wir es doch gemeinsam schaffen können. Vielleicht zählt dann gar nicht, ob wir erfolgreich gewesen sind. Vielleicht zählt auch, dass wir es versucht haben, mit all dem, was wir können. Und bei dem, was auf der Welt an Problemen anzupacken ist, wäre es schon lange einmal fällig, sich an einen Tisch zu setzen.

Nyree Heckmann, reformierte Pfarrerin in Neuhausen und der Steigkirche Schaffhausen


Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
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