Doris Brodbeck

Mutmachgeschichte in ungerechten Zeiten - Bibel einfach erklärt (SN)

Jutta Schenk (Foto: Schaffhauser Nachrichten)

Jutta Schenk (Foto: Schaffhauser Nachrichten)

Da, wo Menschen ohnmächtig sind, hilft nicht "nur noch" das Beten. Sondern das Beten hilft: nicht zuletzt zum Mutig sein, zum stur bleiben!
LUKAS 18, VERSE 2 BIS 7:
«In einer Stadt lebte ein Richter, der weder Gott fürchtete noch einen Menschen achtete. 3 Auch eine Witwe lebte in jener Stadt; die kam immer wieder zu ihm und sagte: «Verschaffe mir Recht gegenüber meinem Gegner!» 4 Eine Zeit lang wollte der Richter nicht. Dann aber sagte er sich: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und keinen Menschen achte, 5 werde ich doch dieser Witwe Recht verschaffen, weil sie mich belästigt; sonst kommt sie noch am Ende und schlägt mich ins Gesicht.» Dann sagte Jesus: «Hört, was der ungerechte Richter sagt. 7 Sollte aber Gott nicht seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu Gott schreien, kein Recht schaffen?»»

Diese Erzählung zeigt einen radikal denkenden Jesus. Und trotzdem hat das was: so viel Mut müsste man haben wie diese Frau! Wenn Unrecht geschieht, müsste man so beharrlich sein, auch gegen höchste Stellen! So hartnäckig, schier unverfroren! Widerstände müsste man einfach ignorieren und weitermachen. Z.B wenn eine Stelle nicht zahlen will was sie müsste: die Krankenkasse, die Behörde, die Versicherung. Obwohl hier zu zahlen genau ihre Aufgabe wäre, das Geld helfen und Schlimmeres verhüten könnte.
Tja, da kann man nichts machen, seufzen Abgelehnte und geben auf. Aber das hier ist eine Mutmachgeschichte!
Man muss wissen: Sie, diese Frau, war sozial schwach. Zu Jesu Zeiten war eine Frau darauf angewiesen, dass ein Mann ihr Leben unterhielt, bezahlte Arbeit für Frauen gab es nicht. Eine Frau, die verwitwete, rutschte auf der sozialen Leiter ganz nach unten. Und trotzdem akzeptiert die Frau in Jesu Erzählung Ungerechtigkeit nicht. Bittet nicht, sondern fordert, was recht ist, wird richtig lästig. Bis der Richter nachgibt aus Angst, beschämt zu werden. Die Sorge vor einer öffentlichen Blamage ist grösser als seine Dickfelligkeit.
Dieses Gleichnis ermuntert auch heute: glaube nicht, du bist zu klein! Setze dich ein für die gerechte Sache! Und eigentlich ist da sogar noch mehr drin: Solchen Mut aufzubringen macht das Leben gut!
Übrigens: Jesus redete an dieser Stelle über die Bitte an Gott. Christinnen und Christen glauben: Gott hat auch bei den mächtigen Sturköpfen der Welt noch ein Wörtchen mitzureden. Gott ist eine Radikale, liebt die Gerechtigkeit.

Jutta Schenk, reformierte Pfarrerin in Beringen,


Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
Archiv der Bibelkolumnen
Bereitgestellt: 01.08.2026      
Symbol für Barrierefreiheit
| aktualisiert mit kirchenweb.ch