Begrüssung Pfarrerin Miriam Gehrke-Kötter (Zwinglikirche)

Am 1. Febraur beginnt das neue Pfarrehepaar seine Arbeit in der Kirchgemeinde Zwingli Schaffhausen. Die Familie mit vier Kindern ist am 21. Januar 2010 in Schaffhausen eingetroffen und richtet zwischenzeitlich das Pfarrhaus gemütlich ein. Pfarrerin Miriam Gehre-Kötter begrüsst die Kirchgemeinde mit folgenden Worten.
Liebe Zwingligemeinde

Kirche muss Spass machen! Das ist jedenfalls meine Erfahrung - nicht nur im Blick auf Kinder und Jugendliche. Als Pfarrerstochter bin ich sozusagen von Anfang an in der Kirche gross geworden. In unserer Familie gab es zwei Leidenschaften: die Musik und das Gespräch. Bei vier Kindern gab es immer viel zu erzählen und mein Vater sorgte dafür, dass auch theologische und philosophische Fragen nicht zu kurz kamen. Das hatte Konsequenzen: meine beiden Brüder sind Berufsmusiker geworden, meine Schwester und ich haben uns den Geisteswissenschaften zugewandt. Aufgewachsen sind wir in Nordhessen und im Schwabenland. Ich weiss also aus eigener Erfahrung, was ein Umzug für Kinder bedeutet. Ich habe es – neben allem Abschiedsschmerz - als grosse Bereicherung erlebt. Berührung mit der Schweiz hatte ich als Teenager durch mehrere Konzertreisen mit unserem Jugendchor und Orchester in die Nähe von Schaffhausen ( Zurzach …).
Im Studium lernte ich schon bald Wolfram kennen und gemeinsam zogen wir erst nach Tübingen, dann zurück nach Bielefeld / Bethel. Eine besonders intensive und kostbare Zeit war mein Auslandsvikariat (1990 – 1991) in der evangelisch-lutherischen Christuskirche in Rom. Sich hineinzufinden in eine neue Sprache, ein ganz anderes politisches und kirchliches Umfeld, Gemeinde als „Heimat in der Fremde“, aber auch als einladenden Ort für Fremde zu erleben – das waren Erfahrungen, die mich geprägt haben. Mitgenommen aus unserer römischen Zeit haben wir die Freude am „offenen Pfarrhaus“ und am gemeinsamen Essen, beides in Massen , aber regelmässig.
In Herford war ich zunächst als Pfarrerin in der Frauenarbeit, habe aber gemerkt, dass mir etwas fehlt. Ich liebe die Gemeindearbeit, weil sie so vielfältig ist, weil wir es mit Frauen und Männern, mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu tun haben. Als ich dann die Chance hatte, mit Wolfram zusammen in der Petrigemeinde zu arbeiten, habe ich mich sofort dafür entschieden. Seit drei Jahren bin ich mit 25% in einer Hauptschule tätig. Dort sind die Jugendlichen, die in unserer Gesellschaft die schlechtesten Chancen haben: Migrantenkinder und Kinder aus bildungsfernen Familien. Ich war selbst überrascht, wie viel Freude es mir macht, mit diesen Jugendlichen ein Stück Religion und Glauben zu entdecken. Nicht nur Christen, sondern auch Muslime, Aleviten und Yesiden waren in meinem Religionsunterricht. Nun steht unser Wechsel nach Schaffhausen schon unmittelbar bevor. Wir sind schon eifrig am Abschiedfeiern, Aufräumen und nach vorn Schauen. Was bringe ich mit? Zunächst einmal offene Augen und Ohren; ich möchte schauen, was da ist und was „dran ist“. Gern arbeite ich im Team mit anderen, wo auch immer mein Mit-Denken und Mit-Tun gefragt ist.
Glauben muss mit allen Sinnen erfahrbar sein. Deshalb ist mir das Spielen wichtig, das Sich- hineindenken und –fühlen in Situationen und Rollen; ob das dann als Schattenspiel, im Schwarzlicht, mit Maskenbau, in selbstgeschneiderten Kostümen, als Film oder einfach nur mit der eigenen Fantasie geschieht, bleibt abzuwarten.
Ich bringe mit eine große Liebe zu den biblischen Geschichten. Mir geht es darum, sie für heute so zum Klingen zu bringen, dass jeder/jede sich darin wiederfinden kann, mit eigenen Erfahrungen von Ängsten und Scheitern, aber auch von Sehnsüchten und Träumen. Und das ist nicht nur für Kinder eine spannende Aufgabe. Darüber hinaus eine Theatergruppe in Zwingli – das wäre toll!
Ich bringe mit Freude am Lesen – und darüber reden. Ein Literaturkreis, vielleicht?
Auch Gottesdienste dürfen Spass machen! Das gelingt sicher nicht immer und bleibt auch eine Gratwanderung. Aber ich freue mich auf ganz unterschiedliche Gottesdienstformen, die Menschen einladen, miteinander zu feiern; auf Gottesdienste, in denen auch Jugendliche ihren Platz haben, in denen Kinder vorkommen und Menschen gemeinsam etwas von dem spüren, was Grund unseres Glaubens ist: die Liebe Gottes zu jedem einzelnen Menschen.

Pfarrerin Miriam Gehrke Kötter