Orgelrevision im Münster

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Von September bis November 2025 wurde die grosse Orgel im Münster Schaffhausen revidiert und für kommende Generationen fit gemacht. Eine Übersicht über die Arbeiten am Instrument.
Andreas Jud,
Präludium
Seit Anfang September stand vor der grossen Orgel im Münster ein Baugerüst, welches diesen Bereich visuell nun dominierte. Ein Zeichen, dass gearbeitet wurde. In diesem Falle wurde die Orgel von Grund auf revidiert. Aber warum eigentlich? Sie tönte und funktionierte ja noch einwandfrei? Das stimmt, aber wie jedes Gerät, jede Maschine oder auch jedes Instrument, so altert auch eine Orgel. Im Laufe der Zeit setzt sich überall Staub ab und gewisse Materialien ermüden. So wird alle paar Jahrzehnte eine grössere Revision einer Orgel fällig, um sie wieder fit für die nächste Generation zu machen. Dass dies nun 2025 bei der 1958 erbauten Münsterorgel zum ersten Mal der Fall ist, ist ein Zeichen für die hohe bauliche Qualität des Instruments.

1. Satz - Sicherheit
Auslöser für das Projekt war ursprünglich der Befund des Hochbauamts, dass der Bereich hinter der Orgel zwischen der Westwand und dem Instrument, wo sich der Zugang zu den Pfeifen befindet, nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards entspricht. Die Orgelbauer bewegten sich auf dünnen und zu kurzen Holzbrettern ohne seitliche Sicherungen. So wurden diese Holzböden nun durch eine Metallkonstruktion ersetzt, die in der Westwand verankert ist und über die ganze Breite der Orgel reicht.

2. Satz - Orgelbauer
Im Anschluss daran ging die Arbeit der Orgelbauer los. Um eine Orgel von Grund auf reinigen zu können, muss zuerst alles ausgebaut werden. Der Platz auf der Orgelempore ist sehr beschränkt, weshalb vor der Orgel das grosse Schwerlastgerüst aufgebaut wurde. Auf dieser neu entstandenen Arbeitsfläche konnten die Orgelbauer die gut 3'500 Pfeifen lagern und putzen. Die kleinsten Pfeifen sind nur wenige Centimeter gross, die grösseren können mehrere Meter messen. Nur die Prospektpfeifen, also die vordersten, welche man immer sieht und ein paar der grössten und tiefsten Pfeifen bleiben stehen und können ohne Ausbau in der Orgel gereinigt werden.

3. Satz - Alles bleibt gleich und doch nicht
Klanglich wird an der Orgel schlussendlich nichts verändert. Dadurch, dass nun die Möglichkeit besteht, jede Pfeife zu stimmen (normalerweise passiert das nur mit einem relativ kleinen Teil, welcher sich aber auch am meisten verstimmt) und die Pfeifen auch frisch intoniert werden, also klanglich aufeinander abgestimmt werden, erklingt die Orgel danach wieder frisch und jung. Dennoch werden auch der Zeit angepasste Neuerungen vorgenommen. Rein äusserlich wird der Ersatz der Holztüren, welche das sogenannte Brustwerk verschliessen können, erkennbar sein. Diese werden neu durch mit einem Fusspedal bedienbare Jalousien ersetzt. Diese fügen sich aber auch besser in das Gesamtbild der Orgel ein. Eine grosse Neuerung betrifft die Registrieranlage. Ähnlich wie die Orgel im St. Johann erhält nun auch die Münsterorgel eine sogenannte elektronische Setzeranlage. Die Organist:innen können also künftig verschiedene Registrierungen vorgängig speichern und später der Reihe nach wieder abrufen, entweder mit dem Fuss per Fusstritt oder mit entsprechenden Tasten unter den Manualen oder auf der Seite für Registrant:innen. Das ist auf Neudeutsch ein grosses "Quality of Life Improvement" für den Konzert- und Gottesdienstbetrieb. Mit dem zusätzlichen Einbau einer Blätterfunktion per Fusstritt für das Spielen ab iPad wird die Orgel sogar noch etwas moderner als ihre grosse Schwester im St. Johann.

Finale
Grossen Dank geht an die Stadt Schaffhausen mit Projektleiter Stefan Leutenegger. Ebenso an die Orgelbaufirma Metzler Orgelbau AG mit Andreas Metzler und Roland Koch als leitende Orgelbauer für die sorgfältige Ausführung der Revision.
Nach dieser Verjüngungskur wird die Orgel wieder in vollem Glanze zum Lobe Gottes erstrahlen können; im Konzert, im Gottesdienst und zu ganz vielen weiteren Gelegenheiten. Ganz wie es im 150. Psalm heisst: "Lobet ihn mit Pauken und Reigen; lobet ihn mit Saiten und Pfeifen! Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!"
Revision Münster
16.01.2026
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