Beatrice Kunz wird Pfarrvertretung im Zwingli übernehmen
Sie lebt mit ihrer Familie in Schaffhausen und hat in ihrer Doktorarbeit die Brücke zwischen Theologie und Musik geschlagen. Jetzt wird Sie ab August die Pfarrvertretung (Verweserei) in der Zwinglikirche übernehmen.
Doris Brodbeck,
Interview:
Beatrice Kunz Pfeiffer, Sie sind durch Ihre Heirat nach Schaffhausen gekommen und leben mit Ihrer Familie in der Munotstadt. Sie sind Musikerin und Theologin und versuchen beides miteinander zu verbinden. Wie verbinden Sie dies?
Indem ich so oft wie möglich Gottesdienste mitgestalte.
Sie haben eine Doktorarbeit in praktischer Theologie mit dem Titel „Verzaubertes Hören“ abgeschlossen. Was ist Ihre These?
Dadurch, dass der Gottesdienst als ein Spielraum der Glaubensfreiheit aufgefasst und das Zusammenwirken von Wort- und Musiksprache entsprechend frei und improvisatorisch gestaltet wird, kann die Gemeinde sich am ehesten für das Evangelium öffnen.
Jetzt im Mai fanden die Bachfestwochen statt – viel beachtete Kantatengottesdienste standen auf dem Programm. Passt Ihrer Meinung nach eine Bach-Kantate auch in einen heutigen Gottesdienst?
Im Gottesdienst können biblische Texte, da sie aus einer anderen Zeit stammen, nicht einfach unverändert präsentiert werden, sondern ihre Symbole sind in heutige Bilder zu übersetzen; denn das Evangelium hat eine Dynamik, die in jeder Zeit neu wirken will. Dasselbe gilt m.E. für die Musik vergangener Jahrhunderte, auch für Joh. Seb. Bachs Kantaten: Sie wörtlich, notengetreu zu spielen, genügt nicht, sondern es müsste eine musikalische Neuinterpretation stattfinden, etwa durch Einleitungen, Zwischenstücke oder Improvisationen in zeitgenössischer musikalischer Sprache. Denn das Evangelium in ihnen will eine neue, für heutige Zeit sprechende Gestalt annehmen. (Eine Neuinterpretation von Text und Musik wäre auch bei den Kirchenliedern angebracht.)
An der Aussprachesynode zu Kirche und Jugend wurde unter anderem gefordert, dass alle Musikstile von DRS1, DRS2 und DRS3 im Gottesdienst Platz haben sollten. Was denken Sie dazu? Ich stelle mir vor, dass man ja auch oft nicht das Personal hat, um solche Musik live zu spielen. Sollte man in diese Richtung weiterdenken?
Die Geschichte der gottesdienstlichen Musik zeigt, dass immer nach Kriterien gesucht wurde, um für den Gottesdienst geeignete („geistliche Musik“) von nicht geeigneter Musik zu unterscheiden. Doch die Suche kam zu allen Zeiten nicht über Paulus’ Forderung nach dem, was die Gemeinde aufbaut, hinaus.
Also ist auch umgekehrt die Forderung, bestimmte Musik gehöre in den Gottesdienst, nicht sachgemäss. Statt nach Stilen zu suchen, die möglichst den Mainstream treffen, würde es m.E. weiter führen, wenn Pfarrer und Kirchenmusikerin in ihrer Gemeinde eine Gruppe von Laien als liturgisch-musikalische Vorbereitungsgruppe bildeten: diese wäre das „Erdreich“, durch das das „Wasser“ der Texte und der Musik (neben der professionellen „Aufbereitung“ durch Pfarrerin und Kirchenmusiker) hindurchsickert und ihm einen hier und jetzt stimmigen „Geschmack“ verleiht.
Sie werden ab August die Pfarrstelle an der Zwinglikirche zu 40 % als Verweserin betreuen und auch den Konfirmandenunterricht übernehmen. Was reizt Sie am Pfarramt?
Ich freue mich vor allem darauf, mich wieder praktisch mit dem Gottesdienst auseinanderzusetzen, nachdem ich lange (fast nur) darüber nachgedacht habe. Und ich bin gespannt, ob es mir gelingt, auch bei den Konfirmanden und Konfirmandinnen Verständnis für den Gottesdienst zu wecken.
Beatrice Kunz Pfeiffer, Sie sind durch Ihre Heirat nach Schaffhausen gekommen und leben mit Ihrer Familie in der Munotstadt. Sie sind Musikerin und Theologin und versuchen beides miteinander zu verbinden. Wie verbinden Sie dies?
Indem ich so oft wie möglich Gottesdienste mitgestalte.
Sie haben eine Doktorarbeit in praktischer Theologie mit dem Titel „Verzaubertes Hören“ abgeschlossen. Was ist Ihre These?
Dadurch, dass der Gottesdienst als ein Spielraum der Glaubensfreiheit aufgefasst und das Zusammenwirken von Wort- und Musiksprache entsprechend frei und improvisatorisch gestaltet wird, kann die Gemeinde sich am ehesten für das Evangelium öffnen.
Jetzt im Mai fanden die Bachfestwochen statt – viel beachtete Kantatengottesdienste standen auf dem Programm. Passt Ihrer Meinung nach eine Bach-Kantate auch in einen heutigen Gottesdienst?
Im Gottesdienst können biblische Texte, da sie aus einer anderen Zeit stammen, nicht einfach unverändert präsentiert werden, sondern ihre Symbole sind in heutige Bilder zu übersetzen; denn das Evangelium hat eine Dynamik, die in jeder Zeit neu wirken will. Dasselbe gilt m.E. für die Musik vergangener Jahrhunderte, auch für Joh. Seb. Bachs Kantaten: Sie wörtlich, notengetreu zu spielen, genügt nicht, sondern es müsste eine musikalische Neuinterpretation stattfinden, etwa durch Einleitungen, Zwischenstücke oder Improvisationen in zeitgenössischer musikalischer Sprache. Denn das Evangelium in ihnen will eine neue, für heutige Zeit sprechende Gestalt annehmen. (Eine Neuinterpretation von Text und Musik wäre auch bei den Kirchenliedern angebracht.)
An der Aussprachesynode zu Kirche und Jugend wurde unter anderem gefordert, dass alle Musikstile von DRS1, DRS2 und DRS3 im Gottesdienst Platz haben sollten. Was denken Sie dazu? Ich stelle mir vor, dass man ja auch oft nicht das Personal hat, um solche Musik live zu spielen. Sollte man in diese Richtung weiterdenken?
Die Geschichte der gottesdienstlichen Musik zeigt, dass immer nach Kriterien gesucht wurde, um für den Gottesdienst geeignete („geistliche Musik“) von nicht geeigneter Musik zu unterscheiden. Doch die Suche kam zu allen Zeiten nicht über Paulus’ Forderung nach dem, was die Gemeinde aufbaut, hinaus.
Also ist auch umgekehrt die Forderung, bestimmte Musik gehöre in den Gottesdienst, nicht sachgemäss. Statt nach Stilen zu suchen, die möglichst den Mainstream treffen, würde es m.E. weiter führen, wenn Pfarrer und Kirchenmusikerin in ihrer Gemeinde eine Gruppe von Laien als liturgisch-musikalische Vorbereitungsgruppe bildeten: diese wäre das „Erdreich“, durch das das „Wasser“ der Texte und der Musik (neben der professionellen „Aufbereitung“ durch Pfarrerin und Kirchenmusiker) hindurchsickert und ihm einen hier und jetzt stimmigen „Geschmack“ verleiht.
Sie werden ab August die Pfarrstelle an der Zwinglikirche zu 40 % als Verweserin betreuen und auch den Konfirmandenunterricht übernehmen. Was reizt Sie am Pfarramt?
Ich freue mich vor allem darauf, mich wieder praktisch mit dem Gottesdienst auseinanderzusetzen, nachdem ich lange (fast nur) darüber nachgedacht habe. Und ich bin gespannt, ob es mir gelingt, auch bei den Konfirmanden und Konfirmandinnen Verständnis für den Gottesdienst zu wecken.