Beat Frefel

Die Hurbig Töffli Gäng in der Kirche: Ein etwas anderer Gottesdienst

Den Kirchenrank runter (Foto: Toni Saller)

Für einmal parkieren vor der Kirche nicht die heute üblichen Automarken, es sind Töfflis mit 50 Kubikzentimetern, auf deren wenigen Liter fassenden Tanks und Motoren Namen stehen wie: Puch, Sachs, Cilo, Pony, Hercules ...
Toni Saller
Damit geht an diesem Sonntag, dem 9. August, ein lang gehegtes Projekt von Pfarrer Beat Frefel in Erfüllung: Der mittlerweile 27 Mitglieder umfassende Verein 'Hurbig-Töffli-Gäng' und ihr Präsident Gregor Gerber sind zu Gast am Zmittagsgottesdienst in seiner Kirche. Zusammen mit den Gemeinden Rafz und Eglisau und mit musikalischen Einlagen der 'Rocker' Bruno Amatruda an seiner 'Fender Stratocaster' und Francisco Serrano am Schlagzeug.

Der noch junge Verein wurde ganz genau am 20.10.2020 um 20:10 von 20 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen, allesamt töfflibegeisterte BuchbergerInnen und RüdlingerInnen im Alter zwischen 15 und 60 Jahren.

Was ein Töffli ausmacht, so erklärt uns Gregor Gerber in seinem historischen Ausflug, beruht auf einem eidgenössischen Gesetz aus dem Jahre 1961, mit dem der jungen Landbevölkerung ermöglicht werden sollte, die Schule / Lehre bequemer besuchen zu können: Ein motorbetriebenes Zweirad mit maximal 50 Kubikzentimetern Hubraum, nicht lauter als 76 Dezibel und nicht schneller als 30 km/h! Prüfungsfrei, also ohne Ausweis ab 14 Jahren zu fahren und mit Pedalen ausgerüstet für den zu erwartenden Notfall.

Der Erfolg wurde durchschlagend: 1970 gab es in der Schweiz eine halbe Million solcher Töfflis oder Mofas, etwa 60 – 70 Firmen, die sie bauten und verkauften. Heute erlebt das Gefährt zwar ein Reviewal, der Verein ist aber vorwiegend 'Nostalgie'. Beim grössten und beliebtesten Treffen in der Schweiz, der 'Teffli-Rally' in Ennetmoos (Nidwalden), sind jeweils 1200 Mofas und 30'000 Besucher vor Ort.

Die Gruppe um Gregor Gerber ist in etwas bescheidenerer Formation unterwegs. Sie machen regelmässig kleinere Touren, besuchen zum Beispiel das Töffli-Treffen in Rafz sowie Winterthur und haben mit verschiedenen Anlässen, zum Beispiel einem grossen Familienfest am Ostermontag ein aktives Vereinsleben etabliert. Selbst im für Töfflis unfreundlichen Winter haben sie mittlerweile einen 'Höck', der im Kalender der Mitglieder dick angestrichen ist. Ihre längste Tour bisher führte auf einen Rundkurs ins Tösstal und über den Seerücken wobei über 230 Kilometer absolviert wurden.

Der liebe Gott ist kein Mechaniker

Pfarrer Beat Frefel mahnt die Anwesenden mit der Einhaltung der Liturgie gleichsam immer wieder daran, dass wir uns in einem Gottesdienst befinden. Mit Humor versucht Gregor Gerber die Verbindung vom Töffli mit der Kirche, bzw. dem 'Glauben': Die grösste Glaubensfrage bei ihren Mitgliedern sei die zwischen Sachs und Puch, den früheren Marktführern und Konkurrenten der Mofa-Branche also. Und vor jeder Tour bete man: Hoffentlich springt die Maschine auch an! Dabei erinnert und würdigt er gleich ihr wichtigstes Vereinsmitglied: Christian 'Chnudli' Waldvogel, den Mechaniker und Tüftler ihrer Gruppe, gelernter Landmaschinenmechaniker, der auf keiner Tour fehlen darf.

Beat Frefel nimmt den Ball sogleich elegant auf und meint, dass es falsch wäre, den lieben Gott als Mechaniker zu betrachten, von dem man verlange, die kaputte Welt zu flicken und wieder in Ordnung zu bringen. Das sei er gerade nicht, sondern 'bloss' einer, der uns mit seiner Nähe das Vertrauen und die Stärke zu geben fähig sei, auf unsere Nächsten zuzugehen, um mit ihnen gemeinsam Lösungen für die von uns Menschen selber verursachten Probleme zu finden.

Der Pfarrer überreicht zum Schluss des Gottesdienstes seinem Gast ein Geschenk, der ihn wiederum sogleich auf eine kleine Tour durch die nähere Umgebung einlädt. Der grosse Applaus und die fast vollbesetzte Kirche Buchberg-Rüdlingen zeugen vom Erfolg, den die kreative Kirchgemeinde mit ihren Formaten 'Zmittagsgottesdienst' und 'Elf Uhr Gottesdienst' erreicht hat. Auch den vielen Helferinnen und Helfern zu verdanken, die im Anschluss den Gästen sogar ihr mitgebrachtes Essen zubereiten.

Um Punkt 13:30 Uhr wird es dann laut rund um die Kirche, die Hurbig-Töffli-Gäng schwingt sich auf ihre Maschinen, den älteren Kirchgängern wird beim aufsteigenden Geruch warm ums Herz, Nostalgie pur! Der Kirchgang hat sich für die 'Gregorianer' gelohnt: Gemäss unseren Informationen sind Sachs, Puch und Konsorten problemlos angesprungen und 'Chnudli' musste nicht eingreifen.
Bereitgestellt: 14.08.2026      
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