Doris Brodbeck

Was mich beim Gang durch den Friedhof tröstet - Bibel einfach erklärt

Heidrun Werder (Foto: SN Bibelkolumne)

Heidrun Werder (Foto: SN Bibelkolumne)

Der Gedanke an die Lebendigkeit Gottes gibt in der Trauer Halt.
LUKAS KAPITEL 20, VERS 37-38
«Dass aber die Toten auferweckt werden, darauf hat auch Mose beim Dornbusch hingedeutet, wenn er den Herrn den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er aber ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden, denn für ihn leben alle.»

Wenn ich in diesen Novembertagen durch den Friedhof gehe, sehe ich die schön geschmückten Gräber, und es fällt mir schwer zu glauben, dass unsere Verstorbenen leben. Ich verstehe alle Menschen, die über den Verlust eines lieben Menschen traurig sind und Zeit brauchen, den Abschied hinzunehmen. Wieviel verändert doch ein solcher Abschied in unserem Leben! Wir suchen Halt, wir suchen Trost, und dankbare Erinnerungen helfen uns beim Verarbeiten. Was aber ist mit unseren Toten, wo sind sie? Diese Frage wurde damals Jesus gestellt.

Die Sadduzäer gehörten zu einer einflussreichen Priestergruppierung und hielten auch aufgrund ihrer Bibellektüre ein Weiterleben nach dem Tod für unwahrscheinlich. Jesus antwortete mit einem Bibelvers aus dem Alten Testament und mit dem Grundsatz, dass Gott nicht ein Gott der Toten sei.
Dass Gott lebt, diese Überzeugung ist mir seit meiner Kindheit nie entschwunden. In meiner Vorstellung hat der Tod in Gottes Gegenwart keine Macht, ja nicht einmal einen Ort, wo er existieren könnte. Für mich ist Gott Leben und Zukunft, die Vergänglichkeit ist durch Jesus Christus überwunden.
Jesus verbindet in seiner Antwort an die Sadduzäer die Verstorbenen mit dem lebendigen Gott und verwendet dazu die Selbstaussage Gottes, der sich als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs bezeichnet. Dass sich der lebendige Gott mit Toten identifiziert, das kann auch ich mir nicht vorstellen, in diesem Punkt kann ich der Argumentation Jesu gut folgen. Deshalb überzeugt mich auch Jesu Schlussfolgerung: Wenn Gott gleichzeitig der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist, heisst das, dass die drei leben, obwohl sie schon gestorben sind.

Wenn ich in diesen Novembertagen durch den Friedhof gehe, nehme ich die Vergangenheit wahr mit ihren Schmerzen, dem Verlust, aber auch der dankbaren Erinnerung. Wenn ich gleichzeitig daran denke, wie der Tod in Gottes Gegenwart keinen Platz hat, und Gottes Gegenwart weder zeitlich noch örtlich begrenzt ist, dann ist Gott auch bei mir und auf diesem Friedhof gegenwärtig, und dann sind auch unsere Toten bei ihm lebendig. Die Trauer des Abschieds bleibt, findet aber einen Halt in der Gegenwart des lebendigen Gottes.

Heidrun Werder
Reformierte Pfarrerin
Thayngen- Opfertshofen


Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
Archiv der Bibelkolumnen
Bereitgestellt: 20.11.2021      
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