Doris Brodbeck

Gefühl, Glaube, Vertrauen - Bibel einfach erklärt

Ingo Baecker (Foto: SN Bibelkolumne)

Ingo Baecker (Foto: SN Bibelkolumne)

Vertrauen ist eine wesentliche Grundlage unseres Lebens. Ohne Vertrauen brechen wir ein. Wem vertrauen Sie?
Eine Glaubensgeschichte aus der Bibel:
MATTHÄUS, KAPITEL 14, VERSE 25-31:
«In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie und schrien vor Angst. Doch Jesus sagte: Habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht. Darauf erwiderter ihm Perus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?»

Eine Gefühlsgeschichte aus dem Leben:
In den letzten Ferien gingen meine Frau und ich einen ziemlich holperigen Weg über Stock und Stein. An einer besonders steilen Stelle reichte ich ihr die Hand, damit sie sich darauf abstützen konnte. Sie kam mir mit ihrer Hand zwar entgegen, stützte sich dann aber schliesslich gar nicht darauf ab, sondern schaffte den Schritt auch ohne mich. Dann der Satz: Manchmal genügt es schon, wenn man das Gefühl hat, dass da eine Hand ist, die mich hält.
Eine ähnliche Erfahrung machen wohl kleine Kinder, wenn sie laufen lernen. Es kommt der Augenblick, wo sie sich an dem Finger, den sie gerade noch festgehalten haben, zwar immer noch halten, ihn aber eigentlich gar nicht mehr brauchen. Es ginge auch ohne.
Tatsächlich? Ginge es wirklich auch ohne?

Manchmal genügt schon das Gefühl eines Fingers, der mich hält. Und ich bin gehalten. Manchmal genügt schon das Gefühl einer Hand, die mich stützt. Und ich bin gestützt.
Manchmal genügt der Glaube, dass da jemand sagt: Komm! Und ich gehe los. Manchmal genügt der Glaube, dass da jemand ist, der mich festhält. Und ich bin gehalten.
All diese Geschichten handeln von Vertrauen. Vertrauen ist ein anderes - nicht unbedingt religiöses - Wort für Glauben. Aber Vertrauen und Glaube sind mehr als ein Gefühl. Denn letztlich geht es immer um den oder die, welche mir den Finger hinhalten, mir die Hand entgegenstrecken oder mich ermutigen, indem sie sagen: Komm!
Manchmal genügt schon das Gefühl. Manchmal genügt der Glaube. Aber immer braucht es Vertrauen zu jemandem.
Ohne Vertrauen geht es nicht. Und ohne diesen Jemand auch nicht.

Ingo Bäcker
Spital- und Gefängnisseelsorger
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Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
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Bereitgestellt: 27.08.2022      
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