Menschen möchten Gott gefallen. Sie folgen dafür auch Kleidungsvorschriften. Doch ich glaube, Gott ist mehr an unserem Inneren gelegen als an unserem Äusseren. Aber wenn es dem Inneren hilft …
1. MOSE, KAPITEL 3, VERS 21:
«Gott, der Ewige, machte für Adam und seine Frau lange Hemden aus Häuten und bekleidete sie.»
Als die Missionare mit den Entdeckern und Kolonialisten die Welt eroberten, kamen sie auch zu Naturvölkern. Manche waren spärlich oder gar nicht bekleidet. Mit der Bibel in der Hand wurde ihnen beigebracht, wie man sich anständig anzieht. Ob das z.B. einem Urwaldklima entsprach, war nicht so wichtig.
Gott schenkte (so wurde es früh verstanden) dem Menschenpaar Kleidung aus Material das schützt. Leder verwendeten die Wüstenbewohner, aber auch herumziehende Propheten. Geschnitten waren die Gewänder als Tunika, der damaligen Mode entsprechend. Heisst das nun, dass Gott dem Menschen genau diese Kleidung verordnet? Sicher nicht – die Dörfler und Städter jener Zeit trugen gewobene Stoffe verschiedener Machart. Aber es gibt schon Regeln in der Bibel. Vor allem das Geschlecht zu entblössen ist verboten. Und gesellschaftlich galten spärliche oder zerrissene Kleidung als beschämend. Oder als Zeichen der Trauer.
Aus bildlichen Darstellungen wissen wir, dass freie Frauen ihr Haar bedeckten. So wünschte es auch Paulus für Frauen in der Kirche und beim Beten. Schon die alten Babylonier hielten es so.
Kleidung ist, zusammengefasst, ein Schutz vor äusseren Einflüssen und vor Scham und ausserdem ein Abzeichen für die gesellschaftliche Stellung. Wie das aussehen soll, das entscheiden Menschen. Manchmal berufen sie sich dabei auf göttliche Eingebung.
Gottes Absicht verstehe ich dabei als Hilfe zu einem geordneten Leben, in dem der Mensch sich spirituell entwickeln kann. Und als Kennzeichnung von bestimmten Rollen, wie z.B. bei der biblischen Priesterkleidung, die voller Symbolik ist.
Was einem geordnetem und religiösem Leben dienlich ist, verändert sich aber durch die Zeiten und Kulturen. Ausserdem leben Menschen in sehr unterschiedlichen Klimazonen und erfüllen verschiedene Aufgaben. Hochgeschlossene Kleidung mag den Missionaren geholfen haben, ihre Rolle zu leben. Ob Kleiderzwang allerding die befreiende Botschaft Gottes repräsentiert, wage ich zu bezweifeln.
Analog der Worte Jesu über den Sabbat: Die Kleidung soll dem (religiösen) Menschen dienen und nicht der Mensch der Kleidung.
Joachim Finger, reformierter Pfarrer im Ruhestand, Löhningen
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Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
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