Den Spatz in der Hand? - Bibel einfach erklärt (SN)

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Matthias Koch (Foto: SN Bibelkolumne)
Oft wäge ich ab, was es mir wert ist. Jesus ergänzt meine Frage: Was sind mir die Menschen wert, die von meinen Entscheidungen betroffen sind?
MATTHÄUS, KAPITEL 10, VERSE 29 BIS 31:
«Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Fünfer? Und nicht einer von ihnen fällt zu Boden, ohne dass euer Vater bei ihm ist. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.»

Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Ein kleiner Nutzen auf sicher ist besser als eine vage Hoffnung auf grossen Gewinn. Das Sprichwort mag ratsam sein, ihm darf aber auch widersprochen werden. Mir kommen Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King und andere in den Sinn, die risikobereit gegen Unmenschlichkeit antraten. Sie klammerten sich nicht am Spatz in der Hand fest, sondern wagten den Blick zur Taube auf dem Dach.

Spatz oder Taube? Oft neigt man eher dazu, den Spatz in der Hand festzuklammern. Die Angst, zu verlieren, wiegt schwerer, als eine kaum greifbare Hoffnung. Hinter dieser Abwägung steckt die Frage: Was ist es mir wert?

Jesus kannte das Sprichwort vom Spatz in der Hand nicht. Vögel flatterten bei ihm frei herum. Er vergleicht das Reich Gottes mit einem wuchernden Strauch, in dessen Zweigen eine bunte Vogelschar Schutz findet. Die Vögel des Feldes sind bei ihm Sinnbild für ein Vertrauen auf Gott, das sich nicht ängstlich festklammert, sondern offen in die Zukunft und wohlwollend auf Menschen schaut.

Was ist es mir wert? Diese Frage beantwortet Jesus auf seine ganz eigene Weise. Kein Klammern, keine Angstmacherei – dafür eine ungeheure Wertschätzung, wie der Vergleich mit den Spatzen zeigt.

Spatzen waren billige Handelsware. Schnell waren sie verkauft und landeten auf dem Teller. Jesus hielt dagegen: Selbst sie sind Geschöpfe Gottes, ihr Leben ist nicht wertlos. Umso kostbarer ist der Mensch. Jesus sagte das nicht zu Leuten, denen alles gelang und die mit Netz und doppeltem Boden abgesichert waren. Er sagte es zu seinen Freunden, die ins Ungewisse aufbrachen, um sein Werk fortzusetzen. Er sagte es als Ermutigung in einer fraglichen Lage mit unsicherem Ausgang.

Spatz oder Taube? Jesus hätte die Frage anders formuliert: Was sind mir die Menschen wert, die von meinen Entscheidungen betroffen sind? Dabei hätte er den Klammergriff gelöst und sich mit den vergnügten Spatzen am Leben gefreut.

Matthias Koch, reformierter Pfarrer in Neuhausen am Rheinfall
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