Wie wenn das Wasser auf einmal geglättet wird - Bibel einfach erklärt (SN)

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Bernadette Peterer (Foto: Bibelkolumne)
Eigene Gefängnisse zu öffnen ist nicht einfacher als von aussen auferlegte. Beide aber lassen sich aufschliessen. Materielle durch Menschen, innere durch Versöhnung, Liebe, Mit-Sein. Gaben von Gottes Geist.
JOHANNES, KAPITEL 20, VERSE 19 BIS 22:
«Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!»

"Wie wenn das Wasser auf einmal geglättet wird" – so kam Jesu Zuspruch bei einer Freundin an, die chronisch krank und seit vielen Jahren ans Haus gebunden ist.
Innerer Aufruhr, entstanden durch das Eingesperrtsein, wird beruhigt und miteingeschlossene Geschichten finden einen Ausgang.
Bei den Jüngern mag es Angst und eigenes Versagen sein, das sie sich hat verschliessen lassen. Sie haben Jesus allein gelassen in der Bedrängnis, ihn aus Feigheit verleugnet, sind geflohen, als es darauf ankam – das setzt zu. Und nun sind sie zusammen, verbarrikadiert hinter verschlossenen Türen. Stellen Sie sich die Atmosphäre, die Stimmung, ja sogar den Duft vor in diesem Raum!
Bei meiner Bekannten ist es keine solche Geschichte, die sie sich eingeschlossen fühlen lässt. Vielmehr sind es Schmerzen, absolute Kraftlosigkeit, mangelnder Austausch mit anderen und die fehlende Möglichkeit, sich am Geschehen der Gesellschaft beteiligen zu können.
Wie ein Konzentrat in einen Raum gepackt – verdichtetes Aufgewühltsein, das gleichzeitig ruhelos und lähmend ist.
Jesus tritt durch die undurchdringliche Tür. „Friede sein mit euch! Seht meine Wunden, sie wurden mir geschlagen, sie sind sichtbar, aber sie sind gewandelt. Seht meine Wunden, auch ihr habt sie mir geschlagen und euch damit selbst verwundet. Auch sie werden gewandelt“.
Könnte so Jesus zu den Jüngern gesprochen haben? So zu uns sprechen? Dass der Schrecken des Eingeschlossenseins durch Versagen, Feigheit und Angst, dass das Abgeschnittensein durch Krankheit, Scham und Dinge, die nur wir persönlich kennen, verwandelt wird?
„Empfang den Geist, der Versöhnung schenkt und Neuem Raum schafft“ – in unsere persönlichen Situationen werden diese Worte gesprochen. Hinein in je eigene Gefängnisse, die uns lähmen und verunsichern.
"Wie wenn das Wasser auf einmal geglättet wird" – das lösten die Worte Jesu bei meiner Bekannten aus. Frieden, der überhaupt wieder wachsen lässt. Der verschlossene Türen öffnet und lebensfeindliche Spiralen durchbricht. Der uns zu versöhnten und versöhnenden Menschen werden lässt.

Bernadette Peterer, Theologin, Kath. Pastoralraum Schaffhausen
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