Feinde lieben? - Bibel einfach erklärt

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Ruedi Waldvogel (Foto: SN Bibelkolumne)
Feindesliebe ist keine Überforderung, sondern ermöglicht Schritte zum Frieden aus Respekt für die Gegner. In der Tiefe sind wir alle verbunden.
MATTHÄUS, KAPITEL 5, VERSE 44 BIS 45:
«Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, so werdet ihr Söhne und Töchter eures Vaters im Himmel; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.»

Die Bergpredigt ist eine Art «Weltkulturerbe». Wir lesen hier einen der Spitzensätze Jesu. Am Anfang des neuen Jahres blicken wir mit Kopfschütteln und Angst auf alle Gewalt In der Ukraine, in Israel/Palästina, im Sudan, in Nigeria. In Europa, auch in der Schweiz, herrscht bereits wieder ein weitgehender Konsens: Aufrüsten, um dem Feind die Stirne bieten zu können. Abschreckung. Sicherheit durch Waffen zu Land, in der Luft und im elektronischen Raum. Das muss jedem Menschen, der sich durch Jesus inspirieren lässt, weh tun. In der Bergpredigt postuliert Jesus die Feindesliebe. Dass Gottes Sonne über Freund und Feind aufgeht, lässt uns ahnen, dass wir als gespaltene Menschheit im tiefsten Grunde doch eins sind. Schöpferische, kreative Liebe wirkt tiefer und höher als alle Gräben, die durch Macht- und Militärpolitik aufgerissen sind. Wirklich? Funktioniert Gewaltlosigkeit und Feindesliebe als Antwort auf Gewalt? Kann die Bergpredigt als Weltkulturerbe ein Wegweiser zur De-Eskalation, zum dauerhaften Frieden sein? Oder bleibt sie Illusion? Überforderung? Wir tun gut daran, das Bild der göttlichen Sonne über Allen im Herzen zu behalten. Es geht um die tiefe Einheit der Menschheit. Ob wir gläubig sind oder säkularisiert, das biblische Bild der liebenden und geliebten Kinder Gottes regt uns an, Schritte zum Frieden zu finden.

Ruedi Waldvogel, pensionierter Pfarrer, Schaffhausen
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