Gratulation zum 90. Geburtstag

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Gottfried Ganser, Lugano (ehemals Pfr. in Opfertshofen) (Foto: Doris Brodbeck)
Am 12. Mai feierte der ehemalige Pfarrer von Opfertshofen-Altdorf-Bibern-Hofen, Gottfried Ganser, seinen 90. Geburtstag. Die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Schaffhausen gratuliert dem Jubilar in Lugano mit herzlichen Segenswünsche zum hohen Geburtstag.
Christoph Buff,
Geboren am 9. Mai 1922 in La Chaux-de-Fonds, aufgewachsen in Lugano, war er nach seiner Ordination in Basel Pfarrer in Stampa-Maloja GR und in Bellinzona TI, bevor er während 12 ½ Jahren, von 1974 bis zu seinem Ruhestand 1987, als Seelsorger der Gemeinden im „unteren Reiat“ amtierte. Älteren Kolleginnen und Kollegen ist er unter anderem in guter Erinnerung als versierter Übersetzer beim Besuch des Pfarrkonvents in der Waldenserkirche in den Tälern östlich von Turin. Herzliche Gratulation und Segenswünsche zum hohen Geburtstag gehen aus der Schaffhauser Kirche nach Lugano zu Gottfried Ganser.
In seinen persönlichen Erinnerungen schreibt Otto Streckeisen, damals Pfarrer in Lohn, zum Geburtstag seines ehemaligen Nachbarkollegen:
• Meine erste Begegnung mit Gottfried Ganser fand an der Hebelstrasse in Basel statt: Wir waren beide mindestens ein Semester lang dort im Studentenhaus „Alumneum“. Nur wussten wir noch nicht, dass wir einmal auf dem Schaffhauser Reiat Kollegen würden.
• Die zweite Begegnung im Frühling 1976 war eigenartig: Im bepackten Möbelwagen fuhr ich das Freudental hinauf unserem neuen Arbeitsort Lohn entgegen, und gleich nach dem Friedhof überholten wir eine schwarze Gestalt im Talar. Es war Gottfried, mein zukünftiger Kollege, der von einer Abdankung her des Weges ging.
• Ein Mal im Monat gab es nun einen Kanzeltausch zwischen Opfertshofen und Lohn. So lernten wir uns näher kennen. Da er bereits geschieden war und auch keine Haushälterin hatte, war er dann jede Woche ein Mal Gast bei uns im Pfarrhaus Lohn. Er kam immer zu spät, sodass Friedel sich angewöhnte, die Speisen erst zu wärmen, wenn er auftauchte.
• Im Übrigen war er ein lieber und friedlicher Gast mit Sinn für Spass. Zum Spass gehörten auch Friedels Vorwürfe an ihn, er sei ein unpolitischer Mensch. Er hatte – ausser dem Heimatblatt – keine Zeitung abonniert und vertrat bürgerlich-fromme Ansichten.
• Mit der Zeit entwickelte sich eine Freundschaft zwischen uns. Wir stiegen zu zweit auf verschiedene Hegau-Hügel und zu dritt auf einige Hügel des Appenzellerlandes, wo Gottfried sich von einer ganz ausgelassenen Seite zeigen konnte. Auch lud er uns oft zu Autofahrten ins benachbarte Deutschland ein.
• Von seiner Familie lernten wir seine Tochter und seinen Sohn kennen. Nach meiner Pensionierung, vier Jahre vor derjenigen Gottfrieds, ging die gute Beziehung weiter. Einmal besuchten wir zusammen den früheren Lohnemer Pfarrer Walter Sonderegger, als dieser schwer herzkrank in der Klinik am Untersee lag. Bei diesem Besuch lernte ich Gottfried noch von einer weiteren Seite kennen: als den Seelsorger, der sich auch mit schlichten Bibelworten dem kranken Kollegen zuwandte.
• Als Friedel im Jahre 1987 erkrankte, wollte Gottfried sie noch einmal besuchen und kam gerade zur Zeit ihres Sterbens. So war auch er dabei, als wir, unsere Kinder und ich, von ihr Abschied nehmen mussten.
• Vier Jahre nach mir, im Jahre 1991, wurde auch Gottfried pensioniert, verliess Opfertshofen und zog in das ihm vertraute Lugano, wo seine Brüder wohnten. Dort übernahm er – der Bilingue – stellvertretend Abdankungsfeiern und gründete bald auch einen deutschsprachigen Gesprächskreis, der jeden Monat zusammenkam. Zu solchen Zusammenkünften lud er immer wieder auch Maria Steinauer und mich ein zu allerlei musikalischen und anderen Darbietungen. Bei solchen Gelegenheiten zeigte er uns auch die Schönheiten des Tessin, seiner Heimat.
• So habe ich Gottfried erlebt. Er war ein friedlicher und toleranter Freund. Er hatte es in seinem Beruf nicht immer leicht; aber er machte es andern leichter.

Otto Streckeisen, Walkringen BE