Frauenfeindliche Hindus?

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Ein Randereignis eigentlich – ein paar Hindumönche wollen keinen Frauen begegnen. Für die Medien aber ein gefundenes Fressen: Schaut her, Frauenfeindlichkeit, Religion, Behörden kuschen! – Eine Einordnung.
Joachim Finger,
Es ist – leider – eine Tatsache: Fehlende Gleichberechtigung und auch Frauenfeindlichkeit gibt es in jeder der Weltreligionen. Auch die Mönche auf Athos wollen keine weiblichen Wesen sehen. Kopfbedeckung und Unterordnung lassen sich mit verschiedenen Stellen aus dem Neuen Testament fordern. Von Buddha selbst ist eine Aussage überliefert, die Frau sei die Grundlage allen Übels. Ebensolche Ansichten lassen sich in den Lehren des Islam und des Judentums finden. Und selbst bei den Baha’i können Frauen nicht ins oberste Gremium gewählt werden.
Im Hinduismus gibt es weibliche Gottheiten mit grosser Kraft und Ausstrahlung. Die Darstellung mancher männlicher Gottheiten ist nach westlichem Empfinden androgyn. Und Shiva gibt es als Ardhanaishvara, halb Frau, halb Mann. Dennoch habe ich bei meinen Studienaufenthalten in Indien immer wieder gehört – und nicht nur von Mönchen – dass es z.B. nicht nur gesellschaftlich, sondern auch spirituell besser sei, als Mann wiedergeboren zu werden denn als Frau. Und dass man(n) sich speziell als Sannyasin oder Sadhu von Frauen fernhalten solle.
Nun war Swaminarayan (geboren 1781 als Ghanshyam Pande, später auch bekannt als Sahajanand Swami) eigentlich ein Reformer, der sich zu seiner Zeit u.a. für die Besserstellung er Frau eingesetzt hatte. Auf ihn führen sich heute mehrere Organisationen zurück, unter anderem die in den Presseberichten genannte, 1907 gegründete Bochasanwasi Shri Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha (BAPS).
Sanstha bedeutet Institution, Bochasan ist ein Ort im indischen Bundesstaat Gujarat, Shri ist ein Titel, Akshar meint einen Schüler von Swaminarayan, der mit ihm zusammen als Erscheinung Gottes verehrt wird, Purushottam bedeutet «höchstes Wesen».
Es ist nach meinen Beobachtungen nicht ungewöhnlich, dass Guru-Bewegungen im 20. Jh. Anschluss an hindunationalistische Strömungen gesucht haben, welche z.T. der Linie rechtspopulistischer Bewegungen im Westen entsprechen. Zum einen ist es ein Ausgleich zu der abwertenden Haltung er Kolonialzeit und der Erfahrung der Unterdrückung. Geschichten berichten von vergangener Grösse indischer Reiche und der Überlegenheit hinduistischer Geistesgeschichte und Zivilisation. Zum anderen ist es die Erfahrung des Interesses westlicher Menschen für hinduistische Spiritualität.
Beides mündet in einer Idee der Wiederbelebung des «Hindutums» (hindutva), welche die Regierungspartei seit Jahren auch gesellschaftspolitisch durchzusetzen versucht. Dies ist für manche Organisation innerhalb des Hinduismus anschlussfähig, zumal wenn sich daraus auch gute Beziehungen ergeben. Es darf nicht übersehen werden, dass es in «Hindutva»-Spektrum auch eine durchaus anerkannte Organisation gibt, die vor Gewalt nicht zurückschreckt (RSS – Rashtriya Svayamsevak Sangh). Hinduismus ist eben nicht nur «Mahatma Gandhi». Vor diesem HIntergrund wundert mich die fordernde Haltung der BAPS-Delegation nicht.