Religion und Politik, das sollte man doch auseinanderhalten, oder? Doch gerade in Kreisen, welche die sog. Amtskirchen gern aus der Politik heraushalten möchten, wird Luthers Zwei-Reiche-Lehre nicht beachtet. «Heil von Rechts?» war darum der Titel der Jahrestagung der Evang. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, die in der zweiten Märzwoche in Würzburg stattfand.
Joachim Finger,
Zahlreiche Namen und personelle Verflechtungen wurden aufgezeigt, denen gemeinsam ist, dass sie ein ablehnendes Verhältnis zur Grundidee menschlicher Fundamentalgleichheit haben. Das Christentum wird als Hallraum für ihre Ideologien benutzt, die sie als Heilsrezepte für Gegenwart und Zukunft anpreisen. Ausserdem ist es Marker der kulturellen Identität. Damit Rechte Wahlen gewinnen, braucht es eine Diskursverschiebung und Resonanzraumerweiterung, dafür ist alles recht.
Als nachlesbare Strategien wurde belegt:
- Verstellung ist ein legitimes Mittel,
- Selbstverharmlosung,
- Verzahnung mit Aussagen anerkannter Autoritäten,
- kalkulierter Tabubruch zur Normalitätsverschiebung,
- unklares Lagebild erzeugen,
- vorläufiger Burgfrieden mit Konservativen und mit Christen, solange man gemeinsame Feinde hat
Neokonservative Strömungen im Christentum, denen zu wenig entgegensetzt wird, wenden die Strategie der «Normalitätsverschiebung an. Hier findet die Rechte Anknüpfungspunkte: «Kein Recht auf Irrtum», Gottes Wahrheit ist nicht demokratisch, dualistisches Weltbild, scheinbare Naturgegebenheiten und Bibelverse werden z.T. «völkisch» zitiert (z.B. Vaterland statt Land der Väter). In AfD-nahen Predigten wird die Gegenwart als Negativfolie gezeichnet und neben den Eliten der irregeleitete Einzelne im Sinne von Rö 7,19 mitschuldig gemacht.
Die Nähe von IDEA zur AfD wurde belegt und gezeigt, dass das rechte Christentum auf Social-Media-Kanälen eine «christliche Kampfgemeinschaft» konstruiert. Es wird versucht, die Amtskirchen zu delegitimieren und «kleine Kirchen» als alleinige Träger des wahren Christentums und der Wertkultur des Abendlandes zu stilisieren. Die Tonlage ist manchmal heftig: «Der ganze Genderdreck ist zutiefst teuflisch und satanisch.» (Olaf Latzel) «Die AfD ist die einzige christliche Partei, die es noch gibt.» (Alice Weidel)
Aus den USA schwappen Thesen herüber wie, die Gesetzgebung müsse sich wieder an den Vorschriften des Alten Testaments orientieren, Frauen müssten mindestens im Gottesdienst den Kopf bedecken und eigentlich sollte man das Frauenstimmrecht wieder abschaffen, da es der natürlichen Ökologie des Menschen widerspreche.
Viele rechte Thesen haben im Grunde wenig Substanz, sind aber theopolitisch umso gefährlicher.
Man sollte, so hiess es zum Ende, die populistischen Aussagen nicht adeln, indem man sich auf eine inhaltliche Diskussion einlässt, sondern die Strategien der Redenden offenlegen. Ausserdem kann man auf lebensweltliche Widersprüche und Konsequenzen hinweisen. Nicht zuletzt aber gilt es, verletztes religiöses Alltagswissen zu heilen.
Als nachlesbare Strategien wurde belegt:
- Verstellung ist ein legitimes Mittel,
- Selbstverharmlosung,
- Verzahnung mit Aussagen anerkannter Autoritäten,
- kalkulierter Tabubruch zur Normalitätsverschiebung,
- unklares Lagebild erzeugen,
- vorläufiger Burgfrieden mit Konservativen und mit Christen, solange man gemeinsame Feinde hat
Neokonservative Strömungen im Christentum, denen zu wenig entgegensetzt wird, wenden die Strategie der «Normalitätsverschiebung an. Hier findet die Rechte Anknüpfungspunkte: «Kein Recht auf Irrtum», Gottes Wahrheit ist nicht demokratisch, dualistisches Weltbild, scheinbare Naturgegebenheiten und Bibelverse werden z.T. «völkisch» zitiert (z.B. Vaterland statt Land der Väter). In AfD-nahen Predigten wird die Gegenwart als Negativfolie gezeichnet und neben den Eliten der irregeleitete Einzelne im Sinne von Rö 7,19 mitschuldig gemacht.
Die Nähe von IDEA zur AfD wurde belegt und gezeigt, dass das rechte Christentum auf Social-Media-Kanälen eine «christliche Kampfgemeinschaft» konstruiert. Es wird versucht, die Amtskirchen zu delegitimieren und «kleine Kirchen» als alleinige Träger des wahren Christentums und der Wertkultur des Abendlandes zu stilisieren. Die Tonlage ist manchmal heftig: «Der ganze Genderdreck ist zutiefst teuflisch und satanisch.» (Olaf Latzel) «Die AfD ist die einzige christliche Partei, die es noch gibt.» (Alice Weidel)
Aus den USA schwappen Thesen herüber wie, die Gesetzgebung müsse sich wieder an den Vorschriften des Alten Testaments orientieren, Frauen müssten mindestens im Gottesdienst den Kopf bedecken und eigentlich sollte man das Frauenstimmrecht wieder abschaffen, da es der natürlichen Ökologie des Menschen widerspreche.
Viele rechte Thesen haben im Grunde wenig Substanz, sind aber theopolitisch umso gefährlicher.
Man sollte, so hiess es zum Ende, die populistischen Aussagen nicht adeln, indem man sich auf eine inhaltliche Diskussion einlässt, sondern die Strategien der Redenden offenlegen. Ausserdem kann man auf lebensweltliche Widersprüche und Konsequenzen hinweisen. Nicht zuletzt aber gilt es, verletztes religiöses Alltagswissen zu heilen.