Kirche Hemmental (Kunst- und Kirchengeschichte)

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Hemmental (Foto: Doris Brodbeck)
Die Kirche in Hemmental ist aufgrund seiner mittelalterlichen Fresken mit der Darstellung des Heiligen Nikolaus besuchenswert. Die mutige Farbgebung der Aussenwand verdankt es der Renovation von 1929.
Doris Brodbeck,
Ortsgeschichte (vgl. » www.hls.ch)

Eine Kirche in Hemmental ist für die 1. Hälfte des 12. Jh. urkundlich bezeugt. Zwischen 1090 und 1100 schenkte Graf Burkhard von Nellenburg Hemmental dem Schaffhauser Kloster Allerheiligen. 1122 wird Hemmental als Dingstätte des klösterlichen Vogteigerichts genannt. Zum hohen Gericht erwarb das Kloster 1346 die Niedergerichtsrechte. Durch die Säkularisierung des Klosters Allerheiligen in der 2. Hälfte der 1520er Jahre erlangte Schaffhausen die Oberherrschaft über Hemmental. In der frühen Neuzeit bildeten Hemmental, Beringen und Griesbach bis 1798 die Obervogtei Beringen der Schaffhauser Landschaft.

Im Mittelalter feierte ein Konventuale des Klosters Allerheiligen den Gottesdienst in Hemmental. Nach der Reformation besoldete das Klosteramt einen Geistlichen für den sonntäglichen Gottesdienst. Der heutige Kirchenbau stammt im Kern aus dem Mittelalter, mit späteren Umbauten und Erweiterungen (Reste von Fresken aus der Zeit um 1400).

Der Heilige Nikolaus

Die Kirche in Hemmental ist dem Heiligen Nikolaus geweiht (1492 urkundlich bezeugt). Zwei bis heute erhalten gebliebene Wandfresken zeigen den Heiligen Nikolaus, wie er drei unschuldig zum Tod verurteilte Jünglinge vor der Enthauptung rettet, sowie die Szene an seinem Totenbett. Hören Sie dazu das Radiointerview mit Pio dalla Valle vom 25.2.09 im Unterwegs auf Radio Munot: » » mp3

Kirchenrenovation, Kirchenfenster und Einbau der Orgel

1929 wurde die Hemmentaler Kirche gründlich umgestaltet und mit einer Orgel ausgestattet. Aus eigenen Mitteln finanzierte der Hemmentaler Ehrenbürger Heinrich Hatt-Haller Ende der Zwanzigerjahre die grosse Kirchenrenovation. Dafür zog er den damals sehr bekannten Architekten Martin Risch bei, dem unter anderem die Renovation des Berner Rathauses und des Klostergutes Paradies anvertraut worden war, aber auch der Umbau des Klosters Allerheiligen zum Museum. Risch, der zeitweise auch im Bündnerland tätig gewesen war, zog zusätzlich den Bergeller Kunstmaler Augusto Giacometti bei. Gemeinsam gestalteten diese Männer die damals gut 800 Jahre alte Dorfkirche grundlegend um, auch in der inneren und äusseren Farbgestaltung. Eine der beiden Türen wurde vermauert. Die Kanzel rückte aus der Mittelachse zur Seite. Der Taufstein dagegen wurde in die Mitte gesetzt und verdrängte dabei den Abendmahlstisch. Das Gestühl zu Füssen der Kanzel verschwand fast vollständig. Die grösste - und wohl auch teuerste - Veränderung bestand im Einbau der Orgel, einem Geschenk von Heinrich Hatt-Haller an die Kirchgemeinde.
1935 erfüllte Heinrich Hatt-Haller einen Wunsch seiner verstorbenen Gattin Marie und stiftete die beiden Fenster mit Figuren aus der erhaltenen romanischen Freske in der Kirche: Im einen den Kirchenpatron Nikolaus von Myra, im anderen den Statthalter Eustachius. Anstelle eines Widmungsbandes erscheinen in den Fenstern die Wappen der Familien Haller und Hatt sowie ihrer Heimatgemeinden Albisrieden und Hemmental.