Résister...

Karl Barth, um/autours de.1921 (Foto: Karl Barth Archiv, Basel)
Karl Barth, um/autours de.1921 (Foto: Karl Barth Archiv, Basel)
Mit dem Wort «résister», das die Hugenottin Marie Durant (1711–1776) in ihre Kerkerwand in Südfrankreich geritzt hatte, warnte der reformierte Theologe Karl Barth am 21.1.1934 seine deutschen Kollegen vor Kompromissen gegenüber nationalsozialistischen Anschauungen der Deutschen Christen. Karl Barth war von 1911 bis 1921 Pfarrer in Safenwil.
pour le français, voir ici.

Texthinweis in Safenwil zum Hugenotten- und Waldenserweg

«Verzeihen Sie, dass es diesmal nicht der solenne theologische Rat ist, was Sie von mir bekommen, sondern eben nur diesen Zuruf: Résistez! Wenn irgend einmal, dann jetzt!»
(Karl Barths Vorträge und kleineren Arbeiten 1934-1935, TVZ Zürich 2017, S. 114)

Résister… Das Dorf Safenwil ist eines der Etappenziele auf dem Hugenotten- und Waldenserweg durch den Aargau. Mit Safenwil verbinden viele Reformierte den Namen von „Karl Barth“. Der berühmte Theologe wirkte dort von 1911 bis 1921 an seiner ersten Stelle als Dorfpfarrer. Von 1921 bis 1935 war er in Deutschland Professor der Theologie, wurde dann in die Schweiz ausgewiesen, weil er die Loyalität gegenüber dem nationalsozialistischen System verweigert hatte.
Die Verbindung zwischen Karl Barth und den vor Jahrhunderten verfolgten Hugenotten und Waldensern führt über das Verb „résister“. Dieses Wort wurde von der Hugenottin Marie Durand, die aufgrund ihres Glaubens 38 Jahre in der Tour de Constance in Aigues-Mortes inhaftiert blieb, auf eine Wand ihres Kerkers geritzt.

„Résistez!“ war auch die kurze Antwort, die Barth einem deutschen Kollegen schrieb, der seine Meinung über die Situation der deutschen evangelischen Kirche hören wollte, in der viele Verantwortliche Sympathie für den Nationalsozialismus geäussert hatten. Zusammen mit anderen Hitlergegnern hatte Barth anlässlich der Barmer Synode die Bekennende Kirche gegründet.
„Résister“ heisst „Widerstand leisten“. Anders als „Resilienz“ bedeutet „Widerstand“ den aktiven Kampf gegen die Ungerechtigkeit, gegen das Böse, auch wenn das eigene Überleben im Spiel ist. So schliesst sich der Kreis zwischen Marie Durand und Karl Barth, zwischen den Hugenotten und Waldensern und den vielen, bekannten oder unbekannten Helden im Kampf gegen den Nazi-Faschismus.
Und wie fordert uns das Wort «résister» von Marie Durand heute heraus? Was ist unser Glaube, zu dem wir uns bekennen – gegen den Trend oder herrschende Mächte? Lassen wir uns ermutigen, uns selber und unserem Glauben treu zu bleiben.

Marcella Bodmer, Vorstand Hugenotten- und Waldenserweg AG-ZH-SH