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Begegnung

20220826_195235 (Foto: Anne Faisandier)
Die elf Gäste aus der reformierten Kirche Marseille verbrachten vier Tage in Thayngen und Umgebung. Der Austausch und die Begegnungen waren bereichernd und erfrischend und erweiterten unseren Horzont.
Matthias Küng,
Nach einer langen Autofahrt mit etlichen Staus wurden die Gäste von Paula Richoz mit einem feinen Abendessen mit liebevoll gestalteter Schweizer Dekoration empfangen. Die Überraschung war perfekt! Schon bald wurden die Gäste von den Gastgebern abgeholt und verbrachten die erste Nacht in Thayngen.

Am nächsten Morgen besuchte eine Gruppe den Französischunterricht bei Martina Messora im Reckenschulhaus. Französischlernen mit dem Lied «Le petit pain au chocolat» machte Spass. Und die Schüler durften den Franzosen sogar etwas Deutsch beibringen und merken, dass Sprachenlernen nicht nur für sie eine Herausforderung ist. Die Gäste waren beeindruckt von der Schweizer Unterrichtskultur.

Am Nachmittag wanderten wir ein kleines Stück auf dem Hugenottenweg und riefen die leidvolle Geschichte der reformierten Glaubensflüchtlinge in Erinnerung, die am Ende des 17. Jahrhunderts zu Tausenden an der Schweizer Grenze strandeten und hungernd und frierend auf freiem Feld zwischen Herblingen und Thayngen ausharrten. Die Erinnerung an die Zeit der Verfolgung ist noch in manchen Familien der reformierten Gemeinde in Marseille lebendig. Dementsprechend bewegt waren die Gäste, als wir die Geschichte bei der Gedenktafel im Langloch erzählten.

Am Donnerstagabend stellten die Gäste ihr Innenstadt-Projekt vor, das unsere Gemeinde im Rahmen der Protestantischen Solidarität unterstützt. Beim Hören bekam man eine Ahnung davon, wie viel Mut es brauchte, sich als «normale» Kirchgemeinde für die Not in diesem Quartier zu öffnen und sich dort langfristig zu engagieren. Ihr Glaube und ihre Hoffnung waren ansteckend: In einem Umfeld, wo alle sagten «es gibt keine Hoffnung», hielten und halten sie an der Hoffnung des Evangeliums fest.

Das Fest am Freitagabend auf dem Kirchplatz brachte nochmals viele neue Begegnungen, auch unter den Thayngern. Leute gingen aufeinander zu. Bekanntschaften wurden geschlossen. Zu den Alphornklängen von Paul Ryf und Samuel Ruh und den Jodelliedern Stefan Steinemanns erlebten wir einen wunderschönen Sommerabend. In der Kirche erfuhren wir manche spannende Geschichte aus den beiden Kirchgemeinden, die zum Nachdenken brachte oder zum Schmunzeln. Manchmal braucht es das Gegenüber einer anderen Kirchgemeinde, um die eigene wieder neu zu entdecken. Viele empfanden es als bereichernd, einmal über die Gemeindegrenzen hinaus zu sehen. Die Tatsache, dass diese Menschen sich auf den Weg machten quer durch Europa, um etwas von ihrem im Glauben Erlebten weiterzugeben, machte Eindruck.

Der krönende Abschluss war der bewegende Gottesdienst am Sonntagmorgen, den die Gäste mitgestalteten. Im Zentrum stand das Wort des Apostels Paulus aus dem 2. Korintherbrief: «Ihr seid ein Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern auf andere Tafeln: in Herzen aus Fleisch.» In diesen Momenten wurde uns gegenseitig bewusst, dass wir in diesen Tagen in den Leben der anderen gelesen haben wie in einem Brief. Wir lasen, was Christus in unsere Leben bzw. Herzen geschrieben hat. Dieses Bewusstsein, dass Christus in uns allen am Schreiben ist, gab uns ein starkes Gefühl der Verbundenheit. Wie wird Christus wohl die Geschichte weiter schreiben zwischen unseren zwei Kirchgemeinden?

Ein herzliches Dankeschön an alle Gastfamilien, die durch ihre Bereitschaft und Umsetzung der Unterbringung viel zum Gelingen der Woche beigetragen haben.
Es war sehr erfreulich zu sehen, wie sich eine Familie nach der anderen bei uns gemeldet hat und sich bereit erklärt hat, unsere Gäste aus Marseille für Übernachtung/Frühstück bei sich zu Hause aufzunehmen.
Die Gäste haben sich in den Familien sehr wohlgefühlt und haben etliche Male betont, wie gastfreundlich und persönlich der Aufenthalt war. Geschätzt haben sie auch die Vielfalt des Frühstücks und das Vertrauen, das unseren Gästen entgegengebracht wurde. Viele gute Gespräche sind in den 5 Tagen zustande gekommen, was uns natürlich sehr freut.

Auch allen anderen Mitarbeiter/Innen, die sich während des Aufenthalts engagiert haben, möchten wir herzlichst danken. Sei es die Organisation eines Abends mit allem was dazu gehört oder die Beteiligung an einem der Anlässe oder aber ein Dabeisein bei den Ausflügen. Und natürlich auch alles, was im Hintergrund gelaufen ist und nicht auf den ersten Blick sichtbar war. Es war ein sehr schönes Miteinander und es motiviert uns, gemeinsam weitere Projekte zu planen.

Matthias Küng und Brigitte Tartler

Besuch aus Marseille 2022
09.09.2022
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Fotograf/-in
Anne Faisandier und Weitere

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20191123_kirchenstand_PANA1127 (Foto: Peter Schäublin)
Verantwortlich: Matthias Küng
Bereitgestellt: 09.09.2022