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So fröhlich sind die Christen in Hongkong

IMG_8296 China 1 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Stefan&nbsp;B&ouml;sch)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/thayngen-opfertshofen/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-sh.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>1019</div><div class='bid' style='display:none;'>62704</div><div class='usr' style='display:none;'>1004</div>
Nun liegt meine Reise zwar schon mehrere Monate zurück, doch viele Eindrücke und Kontakte sind geblieben. Es war eine ausserordentlich grosse Bereicherung, im August letzten Jahres mit einer internationalen Gruppe nach Hongkong reisen zu können.
Stefan Bösch,
Die überaus wertvollen Begegnungen waren von Tobias Brandner, Dozent an der Theologischen Hochschule und Abgesandter von Mission 21 in Hong Kong, vermittelt worden. Unsere Gruppe bestand aus fünf Schweizer Pfarrerinnen und Pfarrern, fünf Theologiestudierenden und zwei kirchlichen Mitarbeitenden, einer Dozentin und Pfarrerin und zwei Theologiestudenten aus Indonesien, einem Pfarrer aus Malaysia und einem Pfarrer aus Tansania. Alle anderen an der Reise Interessierten, die aus anderen Teilen Afrikas stammten, hatten kein Visum für China erhalten und konnten deshalb leider nicht teilnehmen. Auch das war eine Tatsache, China lässt Menschen aus Afrika mit Ausnahme Tansanias nicht einreisen.

Trotzdem brauchte es noch viele Gespräche, damit der Pfarrer aus Tansania, der eine Genehmigung für Hong Kong bekommen hatte, dann auch tatsächlich nach China mitreisen durfte. Beim Grenzübergang von Hong Kong nach China wurde die Gruppe getrennt, nur ein Teil der Leute wurde durchgelassen, alle anderen wurden festgehalten. Ich selbst wurde fast zwei Stunden lang in einer weiss gekachelten Kammer isoliert und verhört, weil in meinem Reisegepäck ein Buch von Mission 21 gefunden worden war. Den Behörden war ausserdem suspekt, dass ich als Pfarrerin nach China reisen wollte. Im Rückblick war das eine gute Erfahrung, einmal am eigenen Leib zu erleben, was es heisst, ausgeliefert zu sein, nicht zu wissen, ob man das Reiseziel mit der Gruppe tatsächlich erreicht oder ob man wieder zurück in die Schweiz geschickt wird.

In China angekommen, wollten wir das Museum der Basler Missionsgeschichte in Langkou besuchen, was nach der Grenzübertrittserfahrung nun nicht mehr möglich war, weil wir zu einer beobachteten Gruppe geworden waren. Auch waren keine Begegnungen mit Untergrundkirchen mehr möglich, weil wir sie in Gefahr gebracht hätten.

Wir konnten aber offiziell registrierte Kirchen besuchen, welche zu meinem Erstaunen sehr lebendig und gross waren, niemals weniger als 100 Kirchenbesucher aufwiesen, sonntags mehrere Gottesdienste anboten, Hausgruppen führten, care-groups für alleinerziehende Mütter unterhielten, Angebote für Jugendliche, u.a. vielseitige Sportangebote führten und manchmal über einen Sportplatz verfügten. 80% der Leute im Gottesdienst waren Frauen. An Weihnachten, dem grössten Fest der Kirchen, werden dann auch die Männer in die Gottesdienste mit eingeladen.
Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft fiel sofort auf, der karitative Aspekt der Gemeinden stach heraus: Jede Kirche unterhielt entweder eine Schule oder ein care-center für einen Mutter-Kind-Treff oder für Senioren, die oft an der Armutsgrenze leben, ein Krankenhaus, eine Einrichtung für Blinde oder sonst eine soziale Einrichtung.

Die Gemeinden, welche wir besuchten, waren allesamt Gemeinden, welche sich um ihre Mitglieder kümmerten. Kamen sie in ihren Gottesdienst, registrierten sie sich in einem Computer. Wenn ein Kirchenmitglied einmal länger gefehlt hatte, wurde es besucht.
Die Gemeinden wuchsen alle. Als Gründe für dieses Wachstum wurde unter anderem angegeben: Gebet für Kranke, Kirchgemeinde als Familienersatz (durch die Ein-Kind-Politik sind die Grossfamilien weggebrochen), Vermittlung von sozialen Werten und Vermittlung von Werten gegen das rein materialistische Denken in China.

Sehr gewöhnungsbedürftig waren die vielen Kameras in den Gottesdiensträumen und auch in allen anderen öffentlichen Gebäuden, an jeder Strassenecke, die permanente Aufzeichnung und Überwachung. Wir hatten kein Internet und fühlten uns dadurch von der Aussenwelt ein Stück weit abgeschnitten. Das Gefühl, überwacht und kontrolliert zu werden, war permanent vorhanden.

Wieder zurück in Hong Kong besuchten wir ein Flüchtlingsheim und ein „Shelter for Migrant Workers“. Die Begegnungen an diesen Orten waren sehr berührend. Hier bietet die Kirche Hilfe, juristische Beratung und Unterkunft an und finanziert Rückflüge für misshandelte und ausgenutzte „migrant workers“(Hausangestellte aus den Philippinen und Indonesien). Beide Institutionen haben unsere Gruppe tief beeindruckt. Ich habe den Eindruck, dass auch die Kirche in Hong Kong eine fürsorgliche Kirche ist, die Menschen in tiefer Not beisteht und dadurch eine Ausstrahlung hat, die auch zum Gemeindewachstum beiträgt.

Ich bin dankbar, dass ich diese Kirchen in China und Hong Kong besuchen durfte und diesen trotz Kontrolle und Überwachung fröhlichen Christen begegnet bin. Einen noch unmittelbareren Eindruck von solchen Begegnungen und vielem mehr bieten zwei Filme zu dieser Reise (Klick auf die Links unten):
Kurzversion (7 Minuten, englischer Kommentar mit deutschen Untertiteln)
Langversion (21 Minuten mit englischem Kommentar)

Ich wünsche mir von Herzen, dass auch wir in unserer erweiterten Dorfgemeinschaft eine fürsorgliche Kirche sein können, die für den Nächsten da ist und die Not des Nachbars nicht übersieht.

Gott segne unsere Begegnungen und unsere Dorfgemeinschaft.

Pfarrerin Heidrun Werder, Opfertshofen
Evang.-ref. Kirchgemeinde Thayngen-Opfertshofen
Dorfstrasse 32, 8240 Thayngen
052 649 16 58
Stefan Kirchenstand 2019 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Stefan&nbsp;B&ouml;sch)</span>
Verantwortlich: Stefan Bösch
Bereitgestellt: 20.11.2020