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Keine Angst vor dem Virus - Angst zu verhungern

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Unsere Freunde und Partner von Projekt Onesimo schicken alarmierende Nachrichten aus den Slums von Manila.
Matthias Küng,
Im Folgenden der Bericht der Schweizerin Barbara Stankowski (Projekt Onesimo - Servants Switzerland), die mit ihrer Familie in den Slums lebt:

Ein kleiner Tropfen auf einen sehr heissen Stein

Seit 16. März steht Manila unter Quarantäne. Und damit hat sich hier alles verändert. Nur
noch eine Person pro Haushalt darf zum Einkaufen hinausgehen und nachts gibt es eine komplette Ausgangssperre. Alle Geschäfte, die nicht Lebensmittel und Medikamente verkaufen,
wurden geschlossen, der öffentliche Verkehr steht still.


Damit haben auf einen Schlag Millionen
von Menschen ihre Arbeitsstelle verloren.
Viele verdienen jeden Tag gerade so
viel, wie sie zum Überleben brauchen.
Ohne Arbeit haben sie keinen Lohn und
kein Essen. Bereits am zweiten Tag des
Lockdowns hatten Familien in unserer
Nachbarschaft nicht mehr genug zu essen.
Filipinos kommen mit wenig aus
und helfen sich gegenseitig. Aber wenn
niemand mehr Arbeit hat, funktioniert
das nicht mehr. Die Regierung lässt zwar
Lebensmittelpakete in unserem Quartier
verteilen, aber das reicht bei Weitem
nicht aus. Zurzeit wird darüber gesprochen,
dass alle armen Familien einen finanziellen
Zustupf erhalten sollen. Aber
das ist noch offen.

Verteilung von Lebensmitteln

Als Team wollten wir nicht einfach zuschauen,
wie unsere Nachbarn hungern.
Aber was können wir angesichts
der Dimension der Not tun? Wie können
wir Essen auf kluge Art verteilen?
Wie finden wir die Ärmsten? Wir wollen
nicht auch noch Neid und Missgunst
fördern. Mit gut gemeinten, aber
unklugen Aktionen kann man viel
falsch machen.
Jedes Quartier von Manila ist in viele sogenannte
Puroks unterteilt, die ein paar
Strassenzüge umfassen und von einem
Vorsteher geleitet werden. So haben wir
in den Gebieten, wo jemand aus unserem
Team lebt, die Purok-Vorsteher um
eine Liste der Ärmsten gebeten. Dann
haben wir Lebensmittelpakete mit Reis,
Sardinen, Linsen, Nudeln und Kaffee
zusammengestellt und an rund tausend
sehr arme Familien verteilt.

Virus und Hunger

Da Servants seit über dreissig Jahren
in Manila tätig ist, sind wir mit vielen
Menschen in den Armenvierteln
verbunden. Über die Kirchgemeinden
von «Living Springs» konnten wir weitere
1500 arme Familien mit einer Verteilaktion
unterstützen. Immer wieder
hören wir den Satz: «Wir werden nicht
am Virus sterben. Wir werden verhungern.»
Die Not ist überwältigend und
wird auch nach dem Ende des Lockdowns
noch lange dauern. Unsere
Aktionen sind dabei nur ein kleiner
Tropfen auf einen sehr heissen Stein,
bedeuten aber für die Empfänger, ein
paar Tage nicht hungrig einschlafen zu
müssen.

Zwischen zwei Welten

Stärker denn je spüren wir in diesen
Tagen, dass wir zwischen den Welten
leben. Durch die Schule unserer Kinder
haben wir Einblick in die reichere
Welt. In den Elternchats wird über Öffnungszeiten
von Supermärkten, fehlende
Produkte in den Regalen, lange Wege
von der Kasse bis zum Auto und über
die Angst vor Plünderungen diskutiert.
Es ist mir ferne, dies zu belächeln. Aber
der Gegensatz zu den Sorgen der Armen
ist krass. Einmal habe ich im Chat von
der Not unserer Nachbarn erzählt. Die
andern Eltern zeigten sich sehr betroffen
und das hat mich berührt und mir
auch gezeigt, wie wenig die Mittelklasse
über die Realität der Armen weiss. Gerne
möchten wir eine Brücke bilden zwischen
diesen gegensätzlichen Welten,
die so nahe beieinander liegen.

Der Lockdown trifft die Armen

Immer mehr erhalte ich den Eindruck,
dass der Lockdown vor allem die Reichen
schützt und die Armen die Hauptlast
tragen. Tests sind rar und für Arme
nicht erschwinglich. Die überfüllten
Spitäler schicken positiv getestete Menschen
nach Hause in die Isolation, was
aber in einem Armenviertel gar nicht
möglich ist. Wir tauschen uns auch
mit anderen Slumworkern in aller Welt
mit den gleichen Herausforderungen
aus. Leider bestehen keine Modelle im
Kampf gegen das Virus für arme Länder
mit schwachen Gesundheitssystemen,
schlechten hygienischen Verhältnissen
und mit einer Bevölkerung, die täglich
von der Hand in den Mund lebt.

Wir bleiben aus Überzeugung

Als Familie standen wir vor der Frage
«gehen oder bleiben?». Eine Rückkehr
in die Schweiz kam nicht in Frage,
aber wir hätten ins Teamhaus ziehen
können, wo wir mehr Platz hätten und
vielleicht besser vor einer Ansteckung
geschützt wären als in unserem Häuschen.
Wir entschieden uns, hier zu bleiben,
denn hier haben die Kinder ihre
Spielsachen und ihre gewohnte Umgebung.
Wir wohnen am Ende eines
Gässchens, wo wir uns auch isolieren
und schützen können. Vom Hunger in
unserer Umgebung bekommen unsere
Söhne nur wenig mit, was uns sehr
wichtig ist. Wir haben als Familie gut in
den Quarantäne-Alltag hineingefunden
und sind dafür dankbar. Noel und Micha
machen es sehr gut. Sie jammern
nicht und streiten auch nicht mehr als
sonst. Wir haben gemerkt, dass es zu
stressig wäre, wenn wir uns beide draussen
engagieren. So ist nun Simon mit
den anderen des Teams an der Front,
während ich bei den Kindern bleibe
und im Hintergrund mithelfe. Meistens
geht es mir gut mit unserer neuen
Rollenaufteilung. Nur manchmal hadere
ich ein wenig damit, dass die anderen
vom Team draussen die «grossen,
christlichen Taten» vollbringen, während
ich mit Kochen, Wäschewaschen
und Spielen beschäftigt bin. Aber diese
Tage gehen zum Glück auch wieder
vorbei, darauf freue ich mich. Unsere
Nachbarn halten sich möglichst an
die Distanzvorschriften. Aber wir hören
sie oft lachen oder beim Karaoke. Jetzt
tut dieser meist falsche Gesang gut und
vermittelt ein Gefühl von Vertrautheit.
Unsere Nachbarn haben schon viele
Krisen durchgemacht und wissen, dass
das Leben nicht beliebig verfügbar ist.
Sie können mit Ungewissheit leben und
die Dinge so nehmen, wie sie sind. Wir
lernen einmal mehr viel von ihnen.
Barbara Stankowski

Spenden gegen den Hunger

Möchten Sie Servants gerne
beim Kampf gegen den Hunger
finanziell unterstützen?
Spenden kommen zu 100% den Armen
in Manila zugute und sind von der
Steuer absetzbar.
Servants Switzerland,
Rotbergerstrasse 12, 4054 Basel
Postkonto: 40-38079-9
IBAN: CH83 0900 0000 4003 8079 9
Zahlungszweck: Hunger Manila
Evang.-ref. Kirchgemeinde Thayngen-Opfertshofen
Dorfstrasse 32, 8240 Thayngen
052 649 16 58
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Verantwortlich: Matthias Küng
Bereitgestellt: 18.05.2020