Karfreitag

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Karfreitag ist ein dunkler Tag. Draussen hält der Frühling Einzug. Die Sträucher und Bäume spriessen. Es ist eine wahre Freude. Neues Leben entsteht nach dem kalten Winter.
Martin Baumgartner
Karfreitag aber erinnert uns an andere Lebenserfahrungen, an dunkle, schwierige, hoffnungslose, traurige Lebenserfahrungen. Es ist gut, wenn wir diese Seite des Lebens nicht ausblenden. Karfreitag erinnert uns an solche Lebenserfahrungen.
Wir bedenken deine Passion, heisst es in einem Passionslied. Wenn wir uns an die Passionsgeschichte Jesu erinnern, an seinen Tod auf dem Hügel Golgatha, fragen wir uns, was sein Tod für uns heute bedeutet.
Ich habe im Gottesdienst Texte der Passionsgeschichte aufgenommen. Auch Texte von Judas, vom Jünger, der Jesus verraten hat. Von ihm distanzieren wir uns. Seine Rolle in diesem Drama der Passionsgeschichte ist uns nicht verständlich. Verräter wird er genannt. Beim Evangelisten Johannes wird sogar erwähnt, dass er aus der Gemeinschaftskasse der Jünger gestohlen habe. Mit so einer Person wollen wir uns nicht identifizieren. Aber wir müssen uns trotzdem die Frage stellen, welche Rolle er in diesem Drama spielt. Ist uns seine Haltung so fremd? Kennen wir das nicht auch, dass wir uns von Menschen distanzieren, mit denen wir erst noch ein Herz und eine Seele waren? Nähe kann in Distanz umschlagen. Eine Enttäuschung kann eine Beziehung grundlegend verändern. Warum hat Judas Jesus verraten? Hatte er Angst? Wurde er enttäuscht?
Sein Beiname Ischariot könnte darauf hinweisen, dass er zu den Zeloten gehörte. Das war eine terroristische Gruppe, die die Römer gewaltsam aus dem Land vertreiben wollte. War Judas enttäuscht, weil Jesus nicht zum Schwert griff und zum Bewaffneten Kampf aufforderte?
Jesus ahnte, dass er leiden würde. Beim Abendmahl am Gründonnerstag deutet er Brot und Wein auf sein bevorstehendes Leiden. Später spricht er dreimal von seiner Passion. "Der Menschensohn müsse viel leiden und werde von den Aeltesten und den Hohenpriestern und SChriftgelehrten verworfen und getötet werden. Wollte Judas das nicht wahrhaben? War für ihn Jesus ein Idol, das nicht leiden durfte'
Petrus hat sich distanziert. Er hat Jesus dreimal verleugnet. Er sagte, dass er Jesus nicht kenne. Die Jünger hatten Angst, sie standen Jesus nicht zur Seite, als er im Garten Getsemane mit seinem Schicksal haderte. Sie liessen ihn im Stich.
Judas hat auch eine Rolle in diesem Drama. Er hat Jesus ausgeliefert. Vielleicht hatte er Angst. Angst, dass er selber in dieses Geschehen hineingezogen würde. Angst, dass er das gleiche Schicksal erleiden würde. Mitgegangen, mitgehangen, heisst das bekannte Sprichwort. Hatte Judas Angst? Wollte er seine eigene Seele retten?
Judas hat Jesus verraten. Er steht nicht mehr zu ihm. Er lässt Jesus fallen. Karfreitag erinnert uns an solche Lebenserfahrungen, wo bei uns Wertschätzung in Enttäuschung umgeschlagen hat. Karfreitag ist ein schwarzer Tag. Der Glaube sagt nun, dass Gott Jesus nicht allein gelassen hat. Er ging mit ihm auf seinem Leidensweg. Am Kreuz hat er gerade das ausgehalten und überwunden, woran wir alle beteiligt sind. Wir feiern Karfreitag als einen schwarzen Tag. Aber Karfreitag hat in diesem Drama nicht das letzte Wort. Nach Karfreitag geschah Ostern. An Ostern wurde offenbar, dass Karfreitag ein Drama der Ueberwindung ist. Der Ueberwindung des Dunklen, des Bösen, der Verzweiflung. Durch Gott. An Ostern ist Jesus von Nazareth auferstanden. Ostern sagt uns, dass die Enttäuschung, der Hass, der Tod noch nicht das letzte Wort haben. Ostern zeigt uns Gottes Liebe und Treue. Die Osterbotschaft ist uns ein Trost und eine grosse Hoffnung. Sie gilt für uns.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Amen
Bereitgestellt: 02.04.2021      
aktualisiert mit kirchenweb.ch