Sorget euch nicht

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Diese Worte Jesu sind ein harter Brocken. Jetzt, in der Pandemie sorgen wir uns um so vieles. Was können wir von diesen Worten aus der Bergpredigt lernen?
Admin Steig,
Die Sorge gehört zu unserem Leben. Wir können sie nicht verdrängen. Sie ist da und bestimmt unseren Alltag. Die Eltern sorgen sich um ihre heranwachsenden Kinder. Die Jugendlichen sorgen sich um die Lehrstelle oder um ihre weitere Ausbildung. Der Student macht sich Sorgen um die Abschlussprüfung. Der Geschäftsführer sorgt sich, wenn er in diesen Tagen die Jahresabschlüsse sieht und feststellt, dass wegen der Pandemie ein massiver Einbruch im vergangenen Jahr zu verzeichnen ist. Ein Angestellter liest am Morgen die Zeitung, sieht die schlechten Nachrichten im Wirtschaftsteil und denkt: "Man kann nie wissen. Schon morgen kann es mich treffen." Eine ältere Frau macht sich Gedanken im Blick auf ihre Pension. Wir es reichen in diesem Jahr, fragt sie sich.

Wie vertraut sind uns diese sorgenvollen Stimmen. Die Sorge trifft uns in verschiedenen Situationen des Lebens. Es ist eine schwere Kraft, die uns manchmal den Schlaf raubt. Wir können dieses Gefühl nicht verdrängen. Sie gehört zu unserem Leben. Wie können wir aber damit umgehen?

Die Worte Jesu aus der Bergpredigt wollen uns nicht sagen, wir sollten eine grössere Distanz zum Leben einnehmen. Jesus setzt voraus, dass wir unsere Begabungen einsetzen, von unseren Lebensmöglichkeiten Gebrauch machen und unsere Verantwortung wahrnehmen an dem Ort, wo wir arbeiten und leben.

Was ist die Sorge überhaupt für ein Gefühl? Die Sorge bereitet uns Schmerzen, davon weiss Goethes Faust zu berichten. Er entdeckt die Wirkung der Sorge. Meistens nehmen wir Dinge vorweg, die wir noch gar nicht wissen. Wir tun aber so, als seien sie bereits eingetroffen. Meistens nehmen wir die schlechteste aller Möglichkeiten vorweg und lassen uns nur noch davon bestimmen. In der Sorge konzentrieren wir uns nur noch auf uns selber. Wir sehen nur noch einen möglichen Weg. Andere Wege werden ausgeblendet. Damit aber verlieren wir den Boden unter den Füssen und vergessen den grösseren Lebenszusammenhang, in dem wir stehen.

Genau diese Haltlosigkeit hat Jesus im Blick, als er vor dem Sorgen warnt. Die Sorge um das, was kommen könnte, sie nimmt uns gefangen. Die Gegenwart wird nur noch von der Sorge bestimmt.

Statt um sich selber zu kreisen, fordert uns Jesus auf, in die Natur zu blicken und unser Mitgeschöpfe anzuschauen. Schaut auf die Vögel des Himmels, wie sie genährt werden! Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie prächtig dastehen!

Als ich diese Photo von der Möwe am Rhein geknipst habe, erinnerte ich mich an diesen Vergleich von Jesus. Jesus weist auf solche Bilder in der Natur hin. Sie sind wie ein Gleichnis für unsere Leben. Sie wollen uns auf eine Glaubenswahrheit hinweisen. Jesus möchte unseren Blick wenden. Er weist uns auf die grösseren Lebenszusammenhänge hin. Es geht darum, unseren Blick zu wenden.

Unseren Blick zu wenden, das könnte heissen: Schau einmal in dein Leben, werde dir bewusst, wie Dein Umfeld Dir Vertrauen entgegenbringt. Zum Beispiel ein kleines Kind. Es steht mit leeren Händen vor dir. Es schaut dich an voller Vertrauen und voller Erwartung. Du weisst nicht, was der Grund für dieses Vertrauen ist. Du hast nichts dafür getan. Kinder sind nicht sorglos. Aber sie definieren das Leben nicht nach Arbeit und Besitz. Sie leben vielmehr in der Gegenwart. Da suchen sie eine lebendige Beziehung. Im Vertrauen können sie leben.

Unseren Blick zu wenden, das könnte heissen: Erinnerst du dich an einzelne Begegnungen im Leben - Begegnungen, wo dir Verständnis und Liebe entgegengebracht wurde. Wie war es damals? Wurdest du nicht von vielem befreit, worüber du dir Sorgen gemacht hast?

Unseren Blick zu wenden, das könnte heissen. Bist du das, was du heute bist, dank deinem eigenen Zutun, dank deinem eigenen Bemühen? Wie vieles wurde dir doch geschenkt. Durch die Eltern, Geschwistern, den Partner und die Kinder. "Im normalen Leben wird es einem gar nicht bewusst, dass der Mensch viel mehr empfängt, als er gibt", schrieb Dietrich Bonhoeffer in seinem Tagebuch.

Unseren Blick zu wenden, das könnte heissten. Bist du dir bewusst, dass das Leben ein Geschenk ist und bleibt? Du empfängst das Leben mit leeren Händen. Du hast nichts dafür getan. Wie die Möwe unten am Rhein das Leben geschehen lässt, so sollst es du empfangen. Das Leben kannst du nicht selber erschaffen und erhalten - auch nicht mit all dem, was du an Nahrung und Kleidung dir zuführst.

Unseren Blick zu wenden, das könnte heissten: Blicke einmal zurück auf dein Leben. Kam nicht vieles von dem, was dein Leben bereichert hat, ganz unverhofft? Ohne dass du es erwartet hast. Wie oft hast du dir Sorgen gemacht, aber ganz unerwartet wurde dir eine Tür aufgetan, ein neuer Weg wurde dir eröffnet. Da und dort wurde dir geholfen. Es war ein Geschenk, sagen die einen. Es war Glück, sagen die anderen. Es war Gnade, sagen wir hier in der Kirche.

Unseren Blick zu wenden, das könnte heissen. statt dass du dich fixierst auf eine mögliche Zukunft und dich allein davon bestimmen lässt, vertrau dich dem Gott an, der noch ganz andere Möglichkeiten hat, der noch ganz andere Wege offenhält. Wenn wir unseren Blick wenden und uns dieses Vertrauen schenken lassen, sind wir Kinder Gottes, die alles von ihm erwarten. Darum möchte ich Ihnen dieses Wort ans Herz legen. "Sorget euch nicht um den morgenden Tag, denn der morgende Tag wird seine eigene Sorge haben."


Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Amen
Bereitgestellt: 12.02.2021      
aktualisiert mit kirchenweb.ch