Brigitte Kohler

Wir trauern um Silvia Pfeiffer

Silvia Pfeiffer <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;profifoto.ch)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/sjm/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-sh.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>1061</div><div class='bid' style='display:none;'>62129</div><div class='usr' style='display:none;'>675</div>

Traurig nehmen wir Abschied von unserer lieben Kollegin im Kirchenstand. Silvias umfassendes Wissen und ihr grosses Engagement zum Wohl der Kirchgemeinde Buchthalen, aber auch ihr humorvolles Wesen und ihre Herzlichkeit werden uns fehlen. Wir behalten Silvia in liebevoller und dankbarer Erinnerung.


In seinem Nachruf würdigt a.Pfarrer Paulus Bachmann die engagierte Kirchenfrau wie folgt:

Sie kämpfte für die Schwachen

Uns allen, die wir der lieben Silvia nahestanden, verbunden waren und es weiterhin sind, hat die Nachricht ihres Ablebens nicht überrascht, zumal Silvias Gesundheitszustand sich zusehends verschlechterte, worunter die Liebe sehr zu leiden hatte.

Am 25. September ist Silvia Pfeiffer davon erlöst worden. Sie durfte endlich, um es mit Matthias Claudius zu sagen, ihren schäbigen Rock eintauschen gegen den neuen, unvergänglichen in der Geborgenheit Gottes. Das gönnen wir ihr herzlich nach ihrem bis zuletzt unermüdlich engagierten, aufopferndem Leben, wahrhaftig gelebter Nächstenliebe! Mit ihrer einmalig ausgeprägten Sozialkompetenz, setzte Silvia sich trotz allem politischen Gegenwind unbeirrt stets für die gesellschaftlich Schwachen und Randständigen ein! Ein namhafter Politiker äusserte sich bei Gelegenheit einmal so über sie. «Man muss bei ihr aufpassen. Sie hat Samtpfötchen mit «Chrälleli dra».

Feststeht, ohne wesentliche Unterstützung unserer Silv Pfeiffer gäbe es wohl weder den Verein für Jugendfragen, Prävention und Suchthilfe (VJPS) noch die Gründung eines Frauenhauses in Schaffhausen ! Persönlich engagierte sich Silvia auch noch im schriftlichen Behördenkontakt für die Rechte von Migranten und erwähnte mitunter schmunzelnd, dabei ausnahmsweise ihren Doktortitel zu verwenden.

Als Kirchenstandsmitglied, Kirchenrätin und Kirchenratspräsidentin unserer Evangelisch -Reformierten Kirche Schaffhausen und Mitglied des Rates des Schweizerischen Kirchenbundes hat Silvia Grosses geleistet und bewirkt mit ihrem profunden, breit abgestützten Wissen, verbunden mit der ihr eigenen Sachlichkeit, Überzeugungskraft und Herzlichkeit. Sie kämpfte für Demokratie wie für Respektierung der Minoritäten gleichermassen. So hat sie als Vizepräsidentin des Evangelischen Kirchenbundes (SEK) bei der Totalrevision deren Verfassung wesentlich dazu beigetragen, die Kantonalkirchen samt der Evangelisch-methodistischen Kirche zu einer Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) umzuformen und zu verhindern, dass dessen Vorsitz zum Bischofsamt(!) erhoben wurde!

Als Kirchenratspräsidentin setzte sie sich kräftig für das Thema Gleichgeschlechtlichkeit und für die Segnungshandlungen nicht-ehelicher Lebensgemeinschaften ein.
Der Kirchenrat hat zutreffend über der Todesanzeige Leonhard Ragaz zitiert:
"Gott führt die Liebe zu ihrem tiefsten Wesen: Dieses aber ist Verbundenheit, Verantwortung, Rücksicht."

Silvia (lic.phil. I) hat sich nach 6 Semestern Theolgiestudium in ihrer Dissertation (Politik und Gottesreich...) mit Leonhard Ragaz (1868 - 1945) befasst, evangelischer Theologe, Pfarrer und Professor für Systematische und Praktische Theologie an der Universität Zürich. Ragaz war Mitbegründer der religiös-sozialen Bewegung in der Schweiz. Als Mitglied der SP bekannte er sich zu einem Sozialismus, der in der Botschaft des gegenwärtigen und kommenden Gottesreiches, «in der Kindschaft und Bruderschaft der gegenseitigen Verantwortlichkeit, namentlich der Stärkeren für die Schwächeren begründet ist».

Kurzum im Wortwörtlich-Nehmen und Beherzigen des grössten Gebots Jesu:
Den Nächsten lieben wie sich selbst! Und das ohne Wenn und Aber!
In diesem Sinn und Geist war Silvia eine leuchtende Sozialistin, Christin, Kirchenfrau und Freundin! Ihr vielfältiges soziales und politisches Engagement in Schaffhausen begann als Sekretärin des Stadtschulrates und mit ihrer Wahl zur Präsidentin des Schaffhauser Konsumentinnenforums. Bald darauf schaffte sie die Wahl in den grossen Stadtrat und drei Jahre später in den Grossen Rat (Kantonsrat).

Persönlich durfte ich Silv als Mitglied des Stadtschulrates, deren Präsidentin sie war, «hautnah» kennen und schätzen lernen. Die politische Couleur der Ratsmitglieder spielte damals keine Rolle. Es ging stets um die gemeinsame, bestmögliche Lösung der anstehenden Probleme, wobei die Präsidentin in Abwägung des Sachverhaltes konsequent gemäss des grössten Gebots Jesu tendierte. Da ging es schlicht und einzig allein um den verantwortlichen Dienst! Ich denke überaus dankbar an diese Zeit zurück. Nicht zuletzt auch, dass damals noch kein rigoroses Rauchverbot herrschte, so dass Silv ihre Stümpchen und ich mein Pfeifchen paffen durften!

Unsere Verbundenheit blieb bestehen. Wir trafen uns oft zum Gedankenaustausch in einem ihrer Vorzugsbeizchen bei einem Glas Wein! Hochbegabt, geerdet und bescheiden, wie Silv gewesen, wird sie mir als Gesprächspartner fortan sehr fehlen. Ebenso, dass sie mich zum Schluss nicht mehr nach dem neuesten Witz fragen wird, den sie sich jeweils so einprägte, in der Hoffnung, ihn ihrem Ruedi dann auch korrekt weitergeben zu können.

Wenn wir schliesslich bedenken, wo überall und wie (je ganz der Sache gewidmet!) Silvia Pfeiffer sich eingebracht hat, können wir nur ahnen, wieviel Knochenarbeit damit für die Liebe verbunden war! Nur zum Beispiel mit ihrer ausgezeichnete Ansprache als Kirchenratspräsidentin zur Feier der Setzung des Täufersteins am 28. März 2004. Damit lasse ich abschliessend Silvia Pfeiffer noch selbst zu Wort kommen:
«Christen nehmen Abstand vom alleinigen Anspruch auf Rechtgläubigkeit und begegnen den Brüdern und Schwestern auch im interkonfessionellen Dialog mit Respekt und Achtung vor den je anderen Glaubensinhalten und Glaubenstraditionen.»

Und Silvias Antwort auf die Frage zu Brutalität und Elend in dieser Welt:
«Wir tragen die Antwort in uns selbst. Wir haben uns zu entscheiden für die Achtung der Menschenwürde, für die Mitmenschlichkeit, für die Gerechtigkeit, für den Frieden gegen den Krieg, für die Gewaltlosigkeit gegen die Gewalt, für die Liebe gegen den Hass. Das Liebesgebot, das im Zentrum des Evangeliums steht, verpflichtet uns dazu.»

Paulus Bachmann


Der Kirchenstand Buchthalen nach der Gesamterneuerungswahl 2019 mit Silvia Pfeiffer in seiner Mitte.
Kirchenstand Buchthalen 2019
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Fotograf/-in profifoto.ch
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Bereitgestellt: 08.10.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch