Brigitte Kohler

"Wie das Heilige menschlich macht"

Dialog im Zwingli<div class='url' style='display:none;'>/kg/sjm/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-sh.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>3049</div><div class='bid' style='display:none;'>29553</div><div class='usr' style='display:none;'>1215</div>

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Dialog im Zwingli" entschlüsselte der Theologe Ralph Kunz, Professor an der Universität Zürich,wo uns das Heilige im Alltag begegnet.
Adriana Schneider,
«Wie macht das Heilige menschlich?» Das fragte Ralph Kunz zu Anfang seines Referats im Rahmen des «Dialog im Zwingli», einer Veranstaltungsreihe des Schaffhauser Pfarrkapitels. Er beantwortete diese Frage durch ein dreiteiliges Referat, ergänzt durch Improvisationen der Pianistin Stephanie Senn am Flügel. Immer wieder nahm er Bezug zu den Glasmalereien von Marc Chagall im Fraumünster Zürich.

Im ersten Teil, dem «Einstieg», sagt Ralph Kunz: «Gott ist Beziehung. Nicht tabu». Er suche den Menschen, wolle einen Bund, rufe und warte auf Antwort. Im zweiten Teil, dem «Aufstieg», zitierte er das Bibelwort: «Ihr sollt heilig sein; denn ich, der Herr bin heilig»: «Es ist unsere menschliche Bestimmung, heilig zu werden. Das bedeutet, dass wir lernen zu lieben». Die Liebe Gottes zu den Menschen sei eine Liebe, die alles sprenge, während der Mensch die Liebe zu Gott durch Kunst ausdrückt. Zum Beispiel als gesungene Verse in Psalm 139, oder in heutigen Worten durch Spielen, Singen, Dichten, Tanzen und Malen.

Im dritten Teil, dem «Abstieg», beschreibt er, wie Gott sich den Menschen zuwendet: «Gott von ganzem Herzen lieben kann ich, wenn er mir nahe ist. Es ist der Gott, der völlig heruntergekommen ist. Der ganz absteigt. Wir sind seine Absteige. Bei uns kommt er an».

Ralph Kunz erzählt vom tiefen Bedürfnis des Menschen, zum Heiligen zu kommen: «Glaube beinhaltet für mich die Erfahrung, dass das Heilige nicht nur etwas ist, wonach ich mich sehne, sondern das, was mir entgegenkommt, das sich nach mir ausstreckt, mich findet».

„Liebesbeziehung“ sei der treffende Ausdruck dafür: «Kein Mensch kann lieben, wenn er nicht geliebt wird, kein Mensch kann Liebe annehmen, wenn er nicht selbst liebt. Das ist unsere tiefste Sehnsucht: lieben und geliebt werden. Dort, wo beides zusammentrifft, geschieht diese Liebe».
In Bezug auf Gott sei das erlebbar: «Vielleicht ist dies das Geheimnis des Glaubens: Dass der Glaube zwischen Gott und Mensch unterscheidet. Der Glaube befreit uns davon, das Heilige in uns selber oder in einem anderen Menschen suchen zu müssen. Er stutzt uns auf eine liebevolle Art auf unser eigenes Mass zurück».

Das Heilige sei ein Geben und Nehmen: «Das Heilige entdecken bedeutet, das Herz zu öffnen für diese andere Welt, die wirklich und um uns herum ist und uns hält und trägt, wie im Psalm 139 so wunderbar beschrieben». Das sei durchaus alltagstauglich: «Wenn wir etwas von diesem Getragensein zurückholen in unser Leben, holen wir den Glanz des Heiligen in unser Leben als einen Segen, den wir an andere weiterschenken können».

Bei einem Apéro riche, zusammengestellt von Melanie De Matteis, notierten sich die Gäste ihre Fragen an den Referenten. Diese liessen Nyree Heckmann, Andreas Heieck und Beatrice Kunz Pfeiffer in das folgende Podiumsgespräch einfliessen, und Ralph Kunz verstand es, geistreich darauf zu antworten. Mit einem Dank an alle Beteiligten schloss der gelungene Abend.
Bereitgestellt: 17.01.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch