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Thomasmesse Ehe für alle

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So aktuell wir diesmal sind wir bei der Thomasmesse nicht immer: "Ehe für alle" - der gottesdienstliche Zugang zu diesem Thema ermöglichte eine innere Auseinandersetzung ohne Schlagworte, aber mit viel Gefühl
Martin Edlin,
Alle sind «Mitgeschöpfe
in Gottes bunter Welt» SN-Zeitungsartikel vom 4.11.19 von Martin Edlin





«Ehe für alle», aber nicht mit
Frage-, sondern mit Ausrufe-
zeichen: Die «Thomasmesse»
am Samstagabend im Münster
wurde ein bekennendes Ja zum
gleichgestellten Lebensbund
für Schwule und Lesben.

SCHAFFHAUSEN. Die Thomasmesse, die in der reformierten Kirche Finnlands entwickelte Form eines ganzheitlichen, unter ein Thema gestellten Gottesdienstes mit mystischem Charakter inklusive Abendmahl in ökumenischer Gastfreundschaft hat seit vielen Jahren auch in Schaffhausen Fuss gefasst. Die Untertitelung als ein «etwas anderer Gottesdienst für Zweifelnde und andere gute Christen» mochte am vergangenen Samstagabend, als sich über hundert Kirchgänger im Münster zusammen fanden, nicht ganz zu überzeugen: Sie hatten keine Stimme, die Zweifler, die eine «Ehe für alle – gleich und verschieden geschlechtlich» für biblisch nicht vertretbar halten. So wurde der Anlass zu einer ungestörten Manifestation des Bekenntnisses, dass «die Schöpfung mehr Beziehungsvarianten enthält, als die kirchliche Tradition es bisher glauben machte» (wie es bereits in der Einladung hiess und dem wohl auch niemand widerspricht).

«Was, du bist ein Hetero!»
Dass heute auch in der Kirche Homosexualität zur Normalität gehören bewies bereits das diese Thomasmesse gestaltende Team von der Predigerin (die christkatholische Pfarrerin Melanie Handschuh aus Zürich) über den Neuhauser reformierten Pfarrer Matthias Koch bis zu den «betroffenen» Interviewten (Organist Peter Leu und Schulratspräsidentin Katrin Huber), alle in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften lebend. Keiner von ihnen berichtete von eigenen Erfahrungen mit (gesellschaftlichen oder kirchlichen) Ausgrenzungen oder gar Diskriminierungen. Wenn es Katrin Huber auch «nicht an die grosse Glocke hängt», so ist Peter Leu doch überzeugt: «Je mehr man dazu steht, umso grösser ist die Akzeptanz.» An Letzterer etwas zweifelnd, malte Melanie Handschuh das Bild eines «Parallel-Universums», in dem die Mehrheit homosexuell ist und sich die zehnprozentige Minderheit stets ein erstauntes «Was, du bist ein Hetero!» anhören muss. Und einen (allerdings von niemandem artikulierten) evangelikalen Einwurf zur Unvereinbarkeit der Homosexualität mit dem christlichen Glauben («In der Bibel steht es doch anders!») wischte die christkatholische Theologin mit dem Satz weg: «Ich nehme die Bibel zu ernst, um sie nur wörtlich zu verstehen.»

Gleichstellung als Dessert
Und die «Ehe für alle», also die Aufwertung der bisherigen eingetragenen Partnerschaft von Homosexuellen zum voll gleichgestellten Ehestand inklusive Recht auf Adoption von Kindern? Peter Leu griff zu einem Vergleich: «Wie bei einem viergängigen Festessen, bei dem schon alle satt sind und nun der Dessert gereicht wird… aber nicht allen!» Katrin Huber bekräftigte: Vielleicht juristisch nicht allzu relevant, aber «wichtig, dass die Kirche zustimmt; denn es geht um den Menschen.» Genau das formulierte Pfarrer Matthias Koch in seiner Meditation «Gott-sei-Dank»: «Ich bin Mitgeschöpf in Gottes bunter Welt.» Da darf niemand ausgeschlossen sein.
Die locker-erfrischende Moderation dieser Thomasmesse, die musikalisch vom Gospelchor Nasholim aus Jestetten sehr stimmungsvoll bereichert wurde, lag bei Michèle Wiehler, der ehemaligen «Radio Munot»-Mitarbeiterin und Theologin, die sich auf den Pfarrberuf vorbereitet. Zu Beginn hatte sie die Hoffnung gesetzt, dass die Meinungsbildung an diesem Abend zu einem klaren Statement führt. Ihr Schlussvotum war nüchterner: «Ob es die Ehe für alle geben wird, werden wir sehen.»

Bereitgestellt: 10.11.2019      
aktualisiert mit kirchenweb.ch