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Thomasmesse zur Strafe

Thomasmesse Strafe —  Thomasmesse Nov 18 Gipsy-Singers<div class='url' style='display:none;'>/kg/sjm/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-sh.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>2758</div><div class='bid' style='display:none;'>48913</div><div class='usr' style='display:none;'>1154</div>

"Strafe - muss Strafe sein?!" Gut eingestimmt durch die Gipsy-Singers haben Gefängnisleiter Lorenz Ammann und Gefängnisseelsorger Ingo Bäcker über Strafe und Gefangensein referiert
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Die Thomasmesse, ein Gottesdienst für Zweifler und andere gute Christen, stand unter dem Motto «Strafe – muss Strafe sein».
Die zahlreichen Besucher dieser beeindruckenden Messe wurden bereits während des feierlichen Einzuges des ThomasMesse-Teams mit dem Lied «Laudate omnes gentes», von den Gipsy Singers aus Beggingen musikalisch in das Geschehen mit einbezogen.
Mit wenigen einleitenden Worten verstand es die sympathische Moderatorin Michèle Wiehler von Radio Munot, das Motto, «Strafe – muss Strafe sein» in seiner Mehrdeutigkeit und Tragweite den Anwesenden aufzuschlüsseln. In Ihrem äusserst interessanten Interview mit Lorenz Ammann, dem Leiter des Schaffhauser Gefängnisses, ging es zunächst um das physische Eingesperrtsein von straffälligen Menschen in einer Zelle mit weniger als 9 m2 Fläche. Während den eindrücklichen Schilderungen zum facettenreichen Gefängnisalltag und dem totalen Kontrollverlust der Häftlinge über ihre eigene Lebensgestaltung und völlige Isolation von ihrem Beziehungsfeld wurde klar, dass das Eingesperrtsein wirklich eine Strafe ist.
Auf den anderen Aspekt des Eingesperrtseins, ging Gefängnisseelsorger Ingo Bäcker anhand von fünf Gesprächsbeispielen mit Strafgefangenen ein: Das emotionale Eingesperrtsein der Eingesperrten in ihre Süchte (Drogen, Rauchen, Alkohol), in ihre charakterlichen Prägungen, Traumata und Wunschvorstellungen. Sehr einfühlsam verstand er es, dass auch wir, die Nicht Eingesperrten uns mit der Frage konfrontierten, in was wir uns einsperren (lassen). Da waren wohl Einige versucht, dem Motto «Strafe – muss Strafe sein» ein Fragezeichen hinten an zu stellen. Sehr tröstlich dann am Schluss seiner Predigt, als er die Worte Jesus im Zusammenhang mit der ertappten Ehebrecherin zitierte: «Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.»
Die gut gewählten und wunderschön präsentierten musikalischen Beiträge der Gipsy Singers vermochten, jeweils passend zu den Themen, dem Anlass einen feierlichen, mal meditativen, mal fröhlich hoffnungvollen Rahmen zu verleihen. Erstaunlich wie sie es auch verstanden, die schwierigen akkustischen Eigenheiten des Münsterraumes vorteilhaft zu nutzen.
Die offene Phase des Anlasses ermöglichte es, sich beim Singen von Taizè-Lieder zu beteiligen, sich segnen und salben zu lassen, selbst Fürbitten zu formulieren, Fragen an Lorenz Ammann zu stellen, sich mit Ingo Bäcker über die Predigt zu unterhalten, kritische Anmerkungen oder Anregungen ins ThomasMesse-Buch einzutragen oder ganz einfach, an der Bar einen Kaffee zu trinken.
Und ganz plötzlich fanden wir uns im Querschiff in einem riesigen Kreis stehend wieder. Einander die Hände reichend, -- wir die Zweifelnden und die anderen guten Christen. Dort am grossen festlich geschmückten Abendmahlstisch. Dort bei Pfr. Joachim Finger, wo dieser in den Worten Jesu mit uns in würdiger Weise das Abendmahl feierte und uns segnete.
Die Gipsy Singers sorgten mit ihrem Schlusslied – und der gebührenden Zugabe – für den musikalischen Abschluss dieses festlich denkwürdigen Anlasses. Wie viel der schöne und schlichte Kirchenraum des Münsters zur feierlichen Stimmung beitrug wurde einem spätestens dann bewusst, als man sich wieder hinaus in die dunkle Novembernacht begab.

Hans Esslinger
Bereitgestellt: 04.11.2018     
aktualisiert mit kirchenweb.ch