Nicole Russenberger

Gesamtstädtischer Nachmittag

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Anstelle von James Bond rettet die Geheimagentin Jane Blond die Welt.
Beim Improvisationstheater «die Redaktion» durfte das Publikum in der Kirche Steig selber mitbestimmen.
Nicole Russenberger,
Bericht von Miriam Barner Schaffhauser Nachrichten
Bei den meisten Filmen und Theateraufführungen sitzt man entweder machtlos vor der Mattscheibe oder im Publikum. Manchmal würde man am liebsten den Hauptdarsteller anschreien: «Nein! Geh nicht in diese verlassene Gasse, dort lauert der Mörder auf dich!»
Doch meist sind die Schauspieler hoffnungslos auf sich alleine gestellt und müssen ihre Entscheidungen schonungslos selbst ausbaden. Nicht so beim Improvisationstheater, das am Mittwochnachmittag in der Kirche Steig aufgeführt wurde. Anlässlich des gesamtstädtischen Nachmittags des Verbandes evangelisch-reformierter Kirchgemeinden in der Stadt Schaffhausen trat das Improvisationstheater «die Redaktion» aus Winterthur auf. Die drei Darsteller nahmen Inputs der Besucher auf und banden sie sofort in die Handlung ein. Dazu wurden die Schauspieler mit Musik und Tönen von Christian Riesen begleitet und somit den Szenen mehr Authentizität eingehaucht. Auch war es besonders, dass das Publikum drei Anfänge von verschiedenen Geschichten sehen durfte. Danach wurde per Applaus abgestimmt, welche zwei Geschichten fortgesetzt werden. Die klaren Favoriten waren eine Liebesgeschichte und auch eine actionreiche Geschichte von Jane Blond (die weibliche Version von James Bond). Die Geheimagentin musste die Welt vor einem Höllenhund namens Fido retten. Ob sie es geschafft hat, wird das Publikum nie erfahren, denn es entschied sich, das Ende der Liebesgeschichte zu erfahren.
«Wo soll diese Szene stattfinden?», fragt Schauspielerin Andrea Leutert direkt ins Publikum. «In der Badi!», sagt eine Zuschauscherin. «Und welchen Beruf übt die Hauptperson
in der Badi aus?», fragt Leutert erneut. «Schwimmlehrer!», ertönt eine Stimme aus der Menge. «Oder Bademeister!», sagt eine andere. Schliesslich ergibt sich aus den Wünschen
des Publikums und den Ideen der Schauspieler eine romantische Liebesgeschichte: Eine junge Dame (Manuela Mühlemann) besucht die Dorfbadi, legt sich mit ihrem Badetuch auf die Wiese und will sich mit der Sonnencreme einschmieren. Doch da kommt ihr ein humpelnder Schwimmlehrer (Miro Hintermüller) in die Quere: Er will, dass sie die Stelle verlässt, da er dort mit seinem Schwimmkurs Aufwärmübungen machen will. Sie fällt ihm ins Wort und bittet ihn um Hilfe beim Eincremen ihres Rückens. Doch da geraten sie aneinander, da sie die Bitten des
anderen nicht folgen. Doch die Lösung lässt nicht lange auf sich warten: Sie einigen sich auf eine Partie «Schere, Stein, Papier». Er gewinnt, sie verliert. Er freut sich, sie weint. Er tröstet sie, sie verlieben sich. Kurz vor dem Happy End fällt der Dame auf: Sie hat vergessen, ihren Rücken einzucremen, prompt verlässt sie aufgebracht die Badi. Der junge Mann hat aber in ihr seine grosse Liebe gefunden und kauft ihr zur Versöhnung eine Blume. Aber dann fällt ihm ein, dass er weder Namen noch Wohnort der Dame kennt. Kurzerhand schreibt er ihr ein Gedicht, dass er mit Foto per Zeitungsannonce aufgibt. Schliesslich treffen sie vor seiner Haustüre aufeinander, doch vor lauter Nervosität weiss der Mann nicht, was er tun soll. Aus dem Publikum tönt es: «Umarm sie doch einfach!» Was der junge Herr dann auch tut!

Bereitgestellt: 30.10.2018     
aktualisiert mit kirchenweb.ch