Markus Sieber

Engagierte Gelassenheit

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Der Buchautor und spirituelle Lehrer Pierre Stutz war zu Gast in der Zwinglikirche und erzählte aus seinem Leben.
Markus Sieber,
Im Namen des Diakoniekapitels und des Pfarrkapitels der Stadt Schaffhausen konnte Bea Graf ein grosses Publikum begrüssen, und sie stellte den Referenten vor. In seinem Vortrag hat Pierre Stutz dann Sätze von Mystikern aus dem Mittelalter mit seinem eigenen Leben verbunden. Im Alter von 38 Jahren erlebte er einen Zusammenbruch und hat dann lange unter Schlaflosigkeit gelitten. Er machte 3 Jahre lang eine Atemtherapie und hat gemerkt, dass er bis dahin nicht richtig geatmet hat. Spiritualität kommt vom Wort 'spirare' und das bedeutet 'atmen'. Und das hat viel mit Loslassen zu tun, wie er es mit einem Glockenseil gelernt hat, wo die Glocke erst läutet, wenn man das Seil wieder loslässt, man muss zupacken und dann wieder loslassen. Und so wurde ihm bewusst, wie beides zusammengehört und dass eine 'engagierte Gelassenheit' kein Gegensatz ist: "Es kommt auf mich an, aber es hängt nicht an mir". Von Meister Eckhart lernte er eine Spiritualität der Gelassenheit und entdeckte das auch in der Bibel, wo es von der Schöpfung heisst, dass alles gut ist, so wie es ist, oder wo Jesus den Menschen die Augen öffnen wollte, dass das Reich Gottes da ist, mitten unter uns und in uns. Bei Johannes Tauler entdeckte er, was es heisst, dass ein gelassener Mensch zu-grunde geht, also zum Grund! Und wer die Augen schliesst (Bedeutung des Wortes 'Mystik'), sieht klarer. Schliesslich zitierte er auch Heinrich Seuse, dass ein gelassener Mensch 'sich entbildet', also sich nichts einbildet auf sein Wissen.
Dazwischen lud er die rund 100 Zuhörer und Zuhörerinnen zu einer kleinen Meditation ein, wo es darum ging, auf den eigenen Atem zu achten und in der Stille die eigenen Gedanken zu beobachten und einfach geschehen zu lassen. Vieles mag banal tönen, wenn es darum geht, beim Duschen zu duschen, oder im Bett mit den Gedanken nicht noch viele andere neben sich zu haben sondern bei sich zu sein. Aber vielleicht genügt es ja, die einfachen Dinge wieder zu lernen und sich damit zu begnügen. Und immer ist es wichtig, sich selber nicht zu überschätzen, so zitierte er auch Karl Valentin, dass zwar schon alles gesagt ist, aber noch nicht von allen. So ging die Stunde schnell vorbei, es gab eine kleine Fragerunde und zum Schluss einen Spruch von ihm selber zum mitnehmen und darüber nachdenken: "Verliere die Angst vor deiner Grösse ohne grössenwahnsinnig zu werden, und verliere die Angst vor deiner Kleinheit, ohne dich abzuwerten". Danach konnte man noch Bücher erwerben und signieren lassen und miteinander oder mit dem Autor ins Gespräch kommen.
Bereitgestellt: 04.05.2018     
aktualisiert mit kirchenweb.ch