Ein Fest der Freundschaft

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Grussworte zum Jubiläum: v.l. Vreni Bastawrous, Werner Meyer, Willi Bächtold, Samuel Stamm und Hans Rudolf Stamm
Das Kirchenjubiläum in Schleitheim war trotz Corona ein besonderes Erlebnis. Wie schon vor 150 Jahren war man wegen der Abstandsregeln wieder froh, eine grosse Kirche zu haben. Nach der coronabedingten Pause wurde die Feier dankbar aufgenommen, die von der Freundschaft der Kirchen im Dorf geprägt war.
Doris Brodbeck,
Gleich beim Eingangsspiel zeigte der Organist Gesuè Barbera, was in der gut 125 jährigen Orgel steckte. Anstelle des Gesangs trug Burga Schall Kirchenlieder vor und sang auch ein Psalmlied des tschechischen Antonín Dvořák, das sie selbst ins Deutsche übertragen hatte.

Symbolbilder und Gastfreundschaft
Pfarrer Heinz Dutler griff die Abbildungen an den Emporen auf, die mit biblischen Bezügen und Symbolen auf den Bund Gottes mit den Menschen, ihre Verpflichtung zum guten Handeln, die Vergänglichkeit des Lebens und die Angewiesenheit auf Erlösung hinweisen. Dann übergab er das Wort den Gästen der drei weiteren christlichen Gemeinden im Dorf. Vreni Bastawrous, ehemalige Präsidentin des Pfarreirats zeigte sich dankbar, dass die katholische Gemeinde 1940 mitten im Weltkrieg ihre Marienkapelle auch mit Unterstützung von Reformierten bauen konnte. Sie freute sich, dass die Dorfkirche von allen genutzt werden konnte, wie bei der Erstkommunion, bei Hochzeiten oder zum Abschiednehmen und erwähnte die Bedeutung der Pflanzen auf den Abbildungen und rund um die Kirche.

Auch fast 150 Jahre alt
Werner Meyer überbrachte die Grüsse der ebenfalls anwesenden Evangelisch-methodistischen Gemeinde EMK, die vor knapp 150 Jahren 1874 in Schleitheim erstmals erwähnt worden ist und 1902 ihre Kapelle in der Oberen Hofwiesen bauen konnte. Sie verstehe sich heute als Brücke zwischen den Landes- und Freikirchen, indem sie bei der Evangelischen Allianz wie auch bei der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz Mitglied ist. Als die EMK eine Zeit lang die einzige Sonntagschule im Dorf mit 70 Kindern führte, wurde sie auch von vielen Kindern der anderen Konfessionen besucht. Heute feiert man mehrere ökumenische Gottesdienste im Jahr zusammen. Samuel Stamm grüsste darauf im Namen der Chrischona-Gemeinde, deren Geschichte fast ebenso weit zurückreicht bis 1879, als in der Stube seines Grossvaters erste Bibelstunden stattfanden. Die Johanneskapelle in der Hofstatt konnte dann 1950 erbaut werden.

Sitzkissen für die Akustik
Als früherer Baureferent der Gemeinde hatte Samuel Stamm 1985-1986 die Innenrestaurierung der Dorfkirche geleitet. Dank Geldern der Denkmalpflege und des Bundes konnte man den ursprünglichen Zustand von 1870 wiederherstellen. Es hatte ihn beeindruckt, wie auch die Farbgebung den Blick nach oben lenken sollte. Er verriet, dass der Sisalteppich auf den Emporen und die Kissen auf den Bänken wegen der Akustik angebracht wurden. Sie sind aber natürlich auch angenehm zum Sitzen. Das Kirchenfenster von Hermann Meyer schliesslich schätzt er als Hinweis auf die zentrale Bedeutung von Tod und Auferstehung Jesu.

Archäologischer Nachweis
Auch der Verein für Heimatkunde wurde 1889 vor gut 130 Jahren gegründet. Präsident Willi Bächtold zeigte anhand von Bildern, was dank der Unterschriftensammlung des Vereins und eines namhaften Beitrags an die Kosten bei der archäologischen Ausgrabung 1985 zu Tage kam: der Schmuck aus dem Stiftergrab der Kirche, die Grundmauern bis 1400 Jahre zurück und die Glockengussgrube der Elfiglocke. Er konnte auch auf eine Jahrzahl hoch oben an der Nordwand hinweisen, bei der sich der damalige Kirchenpfleger Heinrich Wanner mit seinem Kürzel verewigt hatte. Schliesslich griff Gemeindepräsdient Hans Rudolf Stamm die Aussenrenovation 2017 und die Revision des Glockenstuhls 2019 auf, bei der man fünf Monate auf Geläut und Glockenschlag hatte verzichten müssen. Er dankte dabei dem Architekten Hannes Gnädinger und dem Baureferenten Samuel Kradolfer, die sich wie schon früher Samuel Stamm für die Erneuerung der Kirche eingesetzt haben.

Dank und Umfrage
Vreni Rüedlinger überbrachte allen Mitwirkenden den Dank des Kirchenstands der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde wie auch den Mesmerinnen Heike Vesenmayer und Leila Husistein für die schön geschmückte Kirche. Der informative Rundgang zur Geschichte der Kirche wird noch bis nächsten Sonntag verlängert. Ferner darf man sich bis Ende Monat am Wettbewerb beteiligen und die Anzahl Sterne in der Dorfkirche erraten - keine einfache Frage bei dem reich geschmückten Sternenhimmel! Unter umfrage-kirche.ch oder per Umfragebogen darf man ferner seine Meinung zu den Angeboten der Corona-Zeit zurückmelden. Eine DVD oder ein Link zur Videoaufzeichnung des Jubiläumsgottesdiensts ist beim Pfarramt erhältlich.

Radio Munot, Unterwegs Sonntag 28.6.2020
Jubiläum Dorfkirche Schleitheim