Wie der evangelisch-reformierte Glaube nach Ramsen kam

Das Bild des Zürcher Reformators Huldrych Zwingli an der Rückwand der Kirche erinnert daran, dass die Reformation von Zürich nach Ramsen kam.<div class='url' style='display:none;'>/kg/ramsen/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-sh.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>1179</div><div class='bid' style='display:none;'>7199</div><div class='usr' style='display:none;'>509</div>

Das Bild des Zürcher Reformators Huldrych Zwingli an der Rückwand der Kirche erinnert daran, dass die Reformation von Zürich nach Ramsen kam.

1539 kaufte die reformierte Stadt Stein die niedere Gerichtsbarkeit über die Herrschaft Ramsen von den Herren von Klingenberg. Damit erwarb Stein das Recht, Gebote und Verbote zu erlassen und darüber Gericht zu halten, Steuern zu erheben und Frondienste zu verlangen sowie Männer für Kriegsdienste einzuziehen. Die hohe Gerichtsbarkeit und damit die Landesherrschaft verblieb aber weiterhin bei der Landgrafschaft Nellenburg und damit beim katholischen Österreich. So kamen die Einwohner Ramsens in das Spannungsfeld zwischen dem reformierten Stein und seiner Schutzmacht Zürich einerseits und dem katholischen Österreich andererseits.

1540 versuchte Stein im Alleingang und gewaltsam die Reformation einzuführen. 20 Männer fielen in Ramsen ein, verwehrten dem katholischen Priester den Gottesdienst und liessen einen reformierten Pfarrer predigen. Stein glaubte aufgrund der niederen Gerichtsbarkeit die Reformation in Ramsen einführen zu können, so wie dies die Stadt Schaffhausen in Buch, Thayngen, Barzheim, Lohn, Gennersbrunn und Herblingen tun konnte. Österreich jedoch forderte als Landesherr, dass der alte Zustand wiedergestellt werde – und konnte sich durchsetzen.

Als 1543 der katholische Priester von Ramsen starb, nahm Zürich die Sache in die Hand. Es beanspruchte für sich das Recht des aufgehobenen Klosters St. Georgen in Stein, den Pfarrer in Ramsen einsetzen zu können. Zürich versuchte herauszufinden, ob die Mehrheit der Ramser den evangelisch-reformierten Glauben annehmen würde. Als seine Boten dies schliesslich bejahten, entfernten Zürich und Stein die Bilder aus der Kirche in Ramsen und setzten einen reformierten Pfarrer ein: Jakob Löwen.

Aus österreichischer Sicht sah diese Angelegenheit natürlich völlig anders aus. Wiederum wehrte sich Österreich aufgrund seiner Landesherrschaft gegen die Einführung der Reformation. Und es gründete ein Nachfolgekloster des aufgehobenen Klosters St. Georgen und beanspruchte dessen Rechte. Nach siebenjährigem Seilziehen konnte sich Österreich mit Hilfe der katholischen Orte der Alten Eidgenossenschaft durchsetzen. 1550 mussten Zürich und Stein den reformierten Pfarrer von Ramsen zurückrufen. Ramsen wurde wieder eine katholische Pfarrei. Die Evangelisch-reformierten waren rechtlich nicht anerkannt. Sie wurden zur katholischen Kirche gezählt und mussten in die Messe gehen und sich vom katholischen Priester taufen und trauen lassen. Es war ihnen verboten, nach Stein oder Buch in den reformierten Gottesdienst zu gehen. Trotz aller Widerwärtigkeiten hatte der evangelisch-reformierte Glaube in Ramsen Fuss gefasst.

Im Jahre 1653 zählte man in Ramsen 164 Evangelisch-reformierte in 28 Haushaltungen und 109 Katholiken in 17 Haushaltungen. 1659 erlaubte Österreich den Evangelisch-reformierten, ihren Glauben ausserhalb Ramsens ungehindert auszuüben. Damit waren sie rechtlich geduldet und mussten nicht mehr befürchten, vertrieben zu werden. Innerhalb des Bezirks Ramsen durften sie sich jedoch weiterhin nicht versammeln und Gottesdienst feiern. Dies blieb allein den Katholiken vorbehalten. (Urs Wegmüller)
Bereitgestellt: 12.11.2015